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20. Januar 2012

Pläne gibt es mehr als genug

Für die Betreuung des Stadtteiltreffs Brühl-Beurbarung gibt es wieder eine Sozialpädagogin – allerdings nur mit einer Viertelstelle.

  1. Mit einem Deputat von zehn Stunden wöchentlich kümmert die Sozialpädagogin Stephanie Kirner sich jetzt um die Organisation des Stadtteiltreffs Brühl-Beurbarung. Foto: Ingo Schneider

BRÜHL-BEURBARUNG. Der Arbeitsalltag von Stephanie Kirner ist bunt und voll – aber immer viel zu kurz: Zehn Stunden in der Woche ist die 48-jährige Sozialpädagogin im Stadtteiltreff Brühl-Beurbarung am Tennenbacher Platz im Einsatz, seit Mitte November hat sie dort eine von der Stadt finanzierte Viertelstelle. Damit ist der Treff nach einigen Monaten Ausnahmezustand zumindest wieder an seinem alten Status quo angekommen. Das genügt aber bei weitem nicht, um all die Ideen umzusetzen, die es gibt.

E-Mails durchschauen, Telefonanfragen beantworten, Gespräche mit den Ehrenamtlichen führen, beim Nutzerinnen- und Nutzertreff dabei sein, neue Gruppen kennen lernen, die sich für die Räume interessieren: Die Arbeitswoche verfliegt für Stephanie Kirner im Nu. Bevor sie im Treff Brühl-Beurbarung einstieg, hatte sie unter anderem im Jugendzentrum in Weingarten mit wohnungslosen Punks, Tagesmüttern und Alleinerziehenden gearbeitet und bis 2002 drei Jahre lang als Aussteigerin in einem Ökodorf in Neuseeland gelebt.

Jetzt ist sie in einem Stadtteil aktiv, den sie faszinierend findet, zum Beispiel wegen der Unterschiedlichkeit seiner Bevölkerung: "Es gibt viele Alteingesessene und viele Migranten und Menschen in allen Altersstufen." Umso wichtiger fände sie, alle Gruppen zu erreichen und mit ihnen Neues zu entwickeln. Dazu müsste sie "draußen" unterwegs sein, Menschen auf den Treff aufmerksam machen, sagt sie, doch dafür bleibt ihr keine Zeit.

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Im Frühling soll eine auf drei Jahre angelegte Bürgerarbeit-Stelle mit 20 Stunden in der Woche dazu kommen, damit lasse sich wenigstens etwas langfristiger planen als mit den derzeitigen "Zwei-Euro-Kräften", die oft wechseln.

Eigentlich aber wünscht sich der Stadtteiltreff Brühl-Beurbarung seit Jahren eine halbe Sozialpädagogik-Stelle, "wie sie andere Stadtteiltreffs auch haben", fasst Christian Himmelsbach zusammen. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins für den Jugend- und den Stadtteiltreff, in dem sich Ehrenamtliche 1985 zusammengetan hatten, um Träger des Jugendzentrums im Gebäudekomplex der Lortzinggrundschule zu werden. 2008 kam der Stadtteiltreff an der AWO-Seniorenwohnanlage dazu.

Nach dem Weggang der Vorgängerin wurde monatelang improvisiert

Die Verknüpfung ermöglichte, dass die drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendtreffs mit ihren insgesamt 1,8 von der Stadt finanzierten Stellen von April bis Mitte November 2011 notdürftig den Betrieb des Stadtteiltreffs am Laufen halten konnten. Denn dort wären sonst alle Strukturen eingebrochen, nachdem die frühere Viertelstelle Sozialarbeit bei der Umstrukturierung von Sozial- und Jugendamt irgendwie auf der Strecke geblieben war. Die einstige Sozialarbeiterin war ins Jugendamt gewechselt, für die Treff-Stelle war aber das Sozialamt zuständig. Bis sie wieder genehmigt wurde, vergingen einige Monate. Jetzt sind alle froh, dass wieder eine feste Ansprechpartnerin da ist – eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung der oft mehrmals täglich belegten, von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) angemieteten Räume. Hier treffen sich zahlreiche Gruppen: vom "Russischen Kreis" über die Seniorinnengymnastik und den offenen Spieleabend bis zur Kochrunde türkischer Frauen. An zwei bis drei Wochenenden im Monat können die Räume für 60 Euro Miete zudem für private Feiern genutzt werden.

Wo so viele sind, muss auch viel geregelt werden: Bei einem Testlauf für einen "Mittagstisch" zeigte sich im Sommer, dass dafür noch klarere Regeln und unterschiedliche Kühlschränke nötig wären, bilanziert Christian Himmelsbach. Eine Möglichkeit wäre es, ein festes Essensangebot mit einer Kochkraft für Bewohner der benachbarten AWO-Seniorenwohnanlage und derzeit zehn Kinder der Lortzinggrundschule zu schaffen, die noch in einem Raum bei der AWO mit Caterer-Essen versorgt werden. Auch eine Erweiterung für mehr Schulkinder und andere Interessierte wäre denkbar. Die andere Möglichkeit wäre ein unverbindlicheres Mittagstisch-Angebot, das nur ab und zu stattfindet. Unklar ist vieles bei den vielen Zukunftsplänen: Im Sommer soll der Treff ein "offenes Bücherregal" im Freien bekommen, wo Interessierte Bücher mitnehmen und hinbringen können. Vage angedacht sind zudem Begrüßungen für neu Zugezogene und eine Stadtteilzeitung. Nicht zu vergessen das langfristige Ziel, dass die Bürger ihren Treff komplett selbstständig übernehmen.

Autor: Anja Bochtler