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30. Mai 2017

Wandergruppe Schauinsland

Beim 39. Wandertag in Kappel war das Wetter fast zu gut

Beim 39. Wandertag der Wandergruppe Schauinsland Freiburg-Kappel hieß es am Sonntag Wandern zu Musik und Sonne. Zum ersten Mal seit den 90er Jahren war der Wandertag im Mai statt im Herbst. Gehofft hatten die Veranstalter auf 1000 Wanderer – wegen der Hitze waren es nur etwa 700.

  1. Der Musikverein Freiburg-Kappel blies den Wanderern beim zweiten Kontrollpunkt am Pfeiferberg den Marsch. Foto: Jana Luck

  2. Mütter und Töchter machten sich gemeinsam auf den Weg (von links): Sophia (10), Christin Nerz (39), Bianca Albrecht (43), Carla (11), Steffi Wehrle (38) und Lena (8). Foto: Jana Luck

  3. Luise Waldvogel (82) aus Lenzkirch zeigt ihr Wanderbuch. Mit ihren Mann Karl (84) nimmt sie seit 1985 an den Kappler Wandertagen teil. Foto: Jana Luck

KAPPEL.

Der Flüssigkeitsbedarf ist schon am ersten Kontrollpunkt groß, obwohl die Kappler Festhalle, der Startpunkt, noch nicht weit weg ist. Um 10.30 Uhr – die ersten Frühstarter kehren bereits zurück – zeigt das Thermometer stattliche 25 Grad an. Luise und Karl Waldvogel sitzen im Schatten des Zeltdachs beim Kontrollpunkt und stärken sich mit Wasser und Tee. 82 und 84 Jahre alt sind die beiden, schon seit 1985 sind sie beim Kappler Wandertag regelmäßig dabei. Heute machen sie die Fünf-Kilometer-Runde mit. Die Zehn- und die 16-Kilometer-Strecke überlassen sie an diesem heißen Sonntag anderen. Eng beieinander sitzen die Eheleute, die Wanderstöcke lehnen am Holz der Sitzfläche. Luise Waldvogel will etwas zeigen: ihr Wanderbuch. Karl Waldvogel fischt es aus der inneren Brusttasche seines Karohemdes hervor. "Das trage ich beim Wandern immer am Leib", sagt er: "Ist noch ganz warm." Luise zeigt Stempel und kurze Einträge von Wanderungen. Aus Lenzkirch sind die Waldvogels gekommen und jetzt ziehen sie weiter, wollen die Strecke noch vor der großen Mittagshitze bewältigen. Den Stempel hier am Kontrollpunkt haben sie sich schon geholt, bei Monika Schäfer. Wenn sie nicht stempeln würde, würde die 65-Jährige mitwandern, sagt sie. Aber der Verein braucht jeden Helfer. Weinschorle, Softdrinks, Bier, Brezeln und Brote verkauft Schäfer auch, und "sogar ein Schnaps ging heute morgen schon über die Theke", sagt sie und lacht.

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Weiter geht´s, zum Geräusch von rhythmisch aufgesetzten Wanderstöcken nach oben. Über den Ortsausgang hinaus und zwischen Wiesen steigen die Wanderer hinauf bis zum zweiten Kontrollpunkt am Pfeiferberg. Hemden und T-Shirts sind durchgeschwitzt, mit rotgesichtigen, aber sichtlich zufriedenen Mienen holen sich die Wanderer ihren wohlverdienten zweiten Stempel für die Stempelkarte. Den kostenlosen Tee gibt es hier auch gleich direkt neben Stempler Hermann Schreiner. Es sind nicht so viele Wanderer wie sonst auf der Zehn-Kilometer-Strecke, stellt Anne Wehrle fest, die mit ihren Kollegen am Grill steht und Frikadellen schwenkt. Die Hitze eben.

Wer es bis hierher geschafft hat, wird belohnt: Zum ersten Mal gibt es bei den Kappler Wandertagen Musik. Am Pfeiferberg spielt der Musikverein Freiburg-Kappel zwischen 10.30 und 12.30 Uhr "Polkas, Märsche, und davon ganz viel!", wie der Vorsitzende des Vereins Markus Riegger sagt. Es sei schön für die Musiker, beim Wandertag zu spielen, "es ist eine lockere Atmosphäre und wir spielen, was wir und die Besucher am liebsten haben." Außerdem sei die enge Kooperation zwischen den Vereinen im Ort wichtig. "Das ist ein Geben und Nehmen", sagt der 53-Jährige, der in diesem Jahr den Vorstandsvorsitz übernommen hat: "Es ist wichtig, dass das Vereinsleben funktioniert. Das ist ein Angelpunkt für die Gesellschaft und ein Fixpunkt für die Gemeinden." Rund zwei Dutzend Musiker spielen am Wandertag. Viele Wanderer bleiben noch einige Augenblicke vor der Musikkapelle stehen, bevor sie ihr Weg weiter nach oben führt – in den etwas kühleren Wald hinein.

Dorthin laufen auch Carla (11), Sophia (10), und Lena (8) mit ihren Müttern Bianca Albrecht (43), Steffi Wehrle (38) und Christin Nerz (39). Die Sechs gehören zu den Schauinsländer-Berggeistern, der Kappler Narrenzunft. Jedes Jahr wandern sie mit, die Kinder im Schlepptau. Was denen dabei am meisten Spaß macht? "Cola, Fanta und Brezeln", sagt Carla.

Wer trotz der Hitze die 16-Kilometer-Route gewählt hat, erreicht beim dritten und letzten Kontrollpunkt das Familienfest der Landfrauen Kappel-Ebnet an der Stollenhütte. Es gibt eine Salatbar, Gegrilltes, Kuchen und Getränke, und die Band Redhouse Hot Six spielt Oldtime-Jazz. Auch Carla, Sophia und Lena machen hier mit ihren Müttern Station. "Das war schon anstrengend heute, die Hitze, die Steigung", sagt Steffi Wehrle: "Die Pause haben wir uns wohlverdient."

Veranstalter hoffen auf mehr junge Teilnehmer

Junge Teilnehmer wie die drei Mädchen von der Narrenzunft wünscht sich Manfred Barhofer noch mehr für den Wandertag. Der 58-Jährige ist Vorsitzender der Wandergruppe Schauinsland-Kappeln, seit er 18 Jahre alt ist. Sein Ziel ist es, vor allem die jüngere Generation anzusprechen. Der Altersdurchschnitt beim Wandertag liege bei etwas mehr als 50 Jahren. Das diesjährige Motto "Wandern mit Musik" soll auch jüngeres Publikum anlocken. "Außerdem bekommen Kinder und Jugendliche Softdrinks und Brezeln kostenlos, können ein Foto machen lassen und bekommen eine Urkunde", sagt Barhofer. Auch eine Extratour mit einem Förster gibt es – nur für die Kinder. Auf 1000 Besucher hatte Barhofer gehofft, gegen Mittag, als kaum noch jemand neu auf die Strecke geht, zieht er Bilanz: "Mehr als 700 Wanderer sind es heute wohl nicht." Natürlich sei das schade: "Weniger Leute heißt ja auch weniger Umsatz." Denn vom eingenommenen Geld will der Verein im nächsten Jahr seine Ausgaben decken.

Autor: Jana Luck