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27. April 2010

Der Supermarkt ist Geschichte

Workshop zur Gestaltung des Bahnhofsgeländes in Littenweiler.

  1. Elisabeth Engler (rechts) überreichte die gesammelten Unterschriften gegen die Bebauung des Bahnhofsareals an den Baureferenten Norbert Schröder-Klings (in der Mitte Moderatorin Christine Grüger). Foto: Peikert

LITTENWEILER. Der Lebensmittelsupermarkt am Bahnhof Littenweiler wird nicht gebaut. Vor 70 Teilnehmern eines Workshops in der Pädagogischen Hochschule (PH) zur Zukunft des Areals kündigte der städtische Baureferent Norbert Schröder-Klings an, die zunächst geplante Ansiedlung eines Vollsortimenters nicht weiter zu verfolgen. "Das Thema ist endgültig gestorben", so seine unmissverständliche Aussage. Stattdessen soll die Infrastruktur durch bezahlbare Wohnungen, ein Ärztehaus, kleine Läden und ein parkähnliches Freizeitgelände gestärkt werden.

Zu Beginn des von der Stadt Freiburg initiierten Meinungsaustausches nahm Schröder-Klings Listen mit insgesamt 1522 Unterschriften "gegen geplante Veränderungen im Bahnhofsbereich" entgegen. "Das sind 28,3 Prozent aller Wahlberechtigten im Stadtteil. Ein Fakt, den die Verantwortlichen im Rathaus nicht einfach beiseite schieben dürfen", sagte Elisabeth Engler, die Initiatorin der Unterschriftensammelaktion. Für die 63-Jährige waren kritische Beiträge im örtlichen Dorfblatt der Anlass, gegen die Pläne zu Felde zu ziehen. Moderatorin Christine Grüger griff Englers Bedenken sowie weitere im Stadtteil kursierende Gerüchte auf. Sie beschrieb, dass seit dem Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Dieter Salomon im Herbst, bei dem erste Pläne vorgestellt wurden, "Wolken aufgezogen" seien, die im Werkstattgespräch möglicherweise "beiseitegeschoben" werden könnten.

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Zu den Kernaussagen der Arbeitsgruppen gehörte, dass mehr bezahlbare Wohnungen für Studenten, Senioren und Familien gebaut werden müssten. Die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsgeschäften dürfe existierende Läden nicht kaputt machen. Stadtplanungschef Wulf Daseking mutmaßte allerdings, dass die Tage von kleinen – oft familienbetriebenen – "Lädele" gezählt seien: "Solche Ladenbetreiber werden niemanden mehr finden, der sie beliefert."

Um den Charakter des Bahnhofsgeländes zu erhalten, so eine weitere Workshop-Forderung, sei es wichtig, für eine aufgelockerte Bebauung zu sorgen. Einig war man sich, dass ein durch ortsansässige Mediziner initiiertes Ärztehaus am Verkehrsknotenpunkt Höllentalstraße / Lindenmattenstraße den Stadtteil bereichern könnte. Mehr Lebensqualität verspricht man sich unter anderem durch die Ansiedlung von Gastronomie wie Cafés oder Eisdiele und den zur Grünfläche umgestalteten Parkplatz. Eine Arbeitsgruppe schlug vor, den denkmalgeschützten Bahnhof für Kulturveranstaltungen zu nutzen.

Ein Leitsystem soll den Weg ins PH-Parkhaus weisen

Weil Parkmöglichkeiten beim Bahnhof wegfallen, soll ein Verkehrsleitsystem dafür sorgen, dass das bisher leer stehende PH-Parkhaus am Kunzenweg angefahren wird. "Aufgrund der Unterschriftenübergabe zu Beginn hätte die Veranstaltung leicht kippen können. Dem Charme und Humor der Moderatoren ist es zu verdanken, dass dies nicht passierte", war das Fazit von Mechthild Maurer (55), die seit mehr als 30 Jahren in Littenweiler wohnt. Als "rundum gelungen" bezeichnet Frieder Frühschütz die Veranstaltung. Der 24-jährige PH-Student im 6. Semester bedauert aber, dass noch kein Ersatz für die wegfallenden Pavillons der Studierendenvertretung gefunden sei. Nach minimalen baulichen Veränderungen würde sich seiner Ansicht nach das Bahnhofsgebäude dafür eignen. Elisabeth Engler war frustiert, dass niemand aus Protest die Veranstaltung verließ, obwohl trotz der vielen Unterschriften gebaut werden soll.

Laut Schröder-Klings könnten die Resultate des Workshops in einen beschränkten Ideenwettbewerb einfließen, wenn der Gemeinderat entsprechend entscheide. Mit der Umgestaltung des von etlichen Bürgern als "Schandfleck" titulierten Areals könne, wenn nichts dazwischenkomme, in drei Jahren gerechnet werden.

Für Wirbel im Vorfeld des Workshops hatten die Stadträte Walter Krögner (SPD, aus Littenweiler) und Niklaus von Gayling (FDP, Ebnet) gesorgt, die sich beklagten, dass ihre Anmeldungen zum Workshop mit Verweis auf einen Gemeinderatsbeschluss, nach dem Entscheidungsträger an bürgerschaftlichen Meinungsbildungsprozessen prinzipiell nicht teilnehmen sollten, nicht berücksichtigt worden sei. "Ich bin als Stadtrat doch kein Bürger zweiter Klasse", kritisierte von Gayling, der die Absage aber beachtete. Krögner kam trotzdem – und blieb stiller Beobachter.

Autor: Andreas Peikert