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28. Mai 2011
Dreiklang der Solidarität
Der "Salzladen" in Littenweiler verkauft fair Gehandeltes, hilft und informiert seit zehn Jahren.
LITTENWEILER. Die einen nennen es einen Spagat. Andere sprechen lieber von Zusammenfügen. Wieder andere heben am "Salzladen" seine würzende Wirkung für den Freiburger Osten hervor. Denn diese ökumenische Initiative bringt nicht nur ferne Welten in ihre Regale. Sie "exportiert" auch Solidarität. Und sie verliert über dem Blick in die weite Welt nicht die Nachbarschaft aus den Augen. An diesem Wochenende feiert der "Salzladen" seinen zehnten Geburtstag.
Ursel Brandl ist von Anfang an dabei. Sie erinnert sich: Fair gehandelte Waren gab es in der Auferstehungsgemeinde schon zur Zeit des Pfarrers Helmut Zeilinger und seiner Frau Annegret. Nach dem Stuttgarter Kirchentag griff der neue Pfarrer Rudolf Atsma dessen Leitwort "Ihr seid das Salz der Erde" auf und suchte zusammen mit Gemeindegliedern dem zweifachen Inhalt von Ökumene – weltweit und innerhalb des Stadtteils – eine Gestalt zu geben. Der Verein "Ökumenische Sozial- und Kulturinitiative Salzladen" entstand. Der Laden selbst zog in die frühere evangelische Sozialstation an der Kappler Straße ein. Bis heute werden hier sowohl Produkte aus Genossenschaften in herunterentwickelten Ländern angeboten und mit dem Erlös Projekte der Hilfe dort unterstützt. "Und es geht auch darum, hier Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Ausbeutung durch Großkonzerne immer schlimmer wird", sagt Ursel Brandl.Werbung
Da gibt es gestrickte Fingerpüppchen aus einem Frauennetzwerk in Peru. Strickwaren aus Alpakawolle, die von häuslicher Gewalt verletzte Frauen in Bolivien herstellen. Mangos von den Philippinen, von freigekauften Jugendlichen angepflanzt. Und der Erlös aus dem Verkauf kommt zum Teil einem Projekt mit Solaranlagen in Afrika zugute. Daneben stehen die Räume für Ausstellungen zur Verfügung, für Vorträge über fair gehandelte Waren und einen verantwortlichen Umgang mit Wasser und Energie, für Sprechstunden des Caritassozialdienstes nicht zuletzt. Bis heute gibt es diesen Dreiklang, erklärt Ursel Brandl: Verkauf, direkte Hilfe, Information.
Wobei der "Salzladen" mit seinen gut zwei Dutzend ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zwar aus christlichen Beweggründen handelt, aber offen ist für alle Menschen, die mitmachen wollen. Und da fehlt es vor allem an Jüngeren. Weshalb rund um den zehnten Geburtstag eine Zukunftswerkstatt geplant ist, um zu überlegen, wie es weitergehen soll. Mit der Unterstützung für hilfreiche Netzwerke in der sogenannten Dritten Welt. Und wie neu mit den Menschen im Freiburger Osten (etwa in den Altenheimen) ins Gespräch zu kommen ist. Denn noch immer gilt im "Salzladen" in Littenweiler als wegweisend auch das arabische Sprichwort: "Du sollst keinen Menschen Freund oder Feind nennen, bevor du einen Scheffel Salz mit ihm gegessen hast."
Autor: Gerhard M. Kirk
