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18. April 2015 11:51 Uhr

Kappel

Eichhörnchen-Mama braucht Hilfe

Sie sind winzig klein, aber sie machen höllisch viel Arbeit. Stefanie Buchholz, die in Kappel verletzte und geschwächte Eichhörnchenbabys aufpäppelt, wächst die Arbeit über den Kopf.

  1. Stefanie Buchholz päppelt verletzte Eichhörnchenbabys in Kappel auf. Foto: Ingo Schneider

Stefanie Buchholz sucht dringend Unterstützung. Die Helfer dürften aber nicht zu zimperlich sein, denn die Anforderungen sind beträchtlich. Natürlich ist das herzerwärmend: Als Miu ihre Katzenaufzuchtmilch gefüttert bekommt, legt das Eichhörnchen-Junge die Pfötchen um die Spritzenspitze wie ein Menschenbaby ums Fläschchen. Und als Stefanie Buchholz sich Mius Kameradin Alfonsina auf die Schulter setzt, schnüffelt das Tierchen so eifrig an ihrer Stirn, dass es aussieht, als bekäme die 40-jährige Kapplerin Küsschen.

Zwölf Eichhörnchen hat sie 2015 aufgenommen

Aber was genug ist, ist genug: Bis jetzt hat Buchholz in diesem Jahr bereits zwölf Eichhörnchen aufgenommen. Neun sind noch bei ihr, drei sind gestorben, weil die Verletzungen oder Erkrankungen zu massiv waren. Vor einem Jahr um diese Zeit hatte sie erst vier Eichhörnchen aufnehmen müssen, 2013 waren es zwei. "Die Arbeit ist für mich allein immer schwieriger zu bewältigen. Zumal ich ja als Biologielehrerin fast voll berufstätig bin", sagt Freiburgs Eichhörnchen-Mama: "Aber ich kann doch Menschen mit Findlingen nicht abweisen, da die nächsten Stationen erst in Karlsruhe und am Bodensee sind." Inzwischen sieht sie sich am Ende ihrer Kräfte, hat seit acht Wochen fast nicht mehr durchgeschlafen. Denn gerade die ganz kleinen Nager müssen alle drei Stunden gefüttert werden – Tag und Nacht.

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Sie füttert die Nager alle drei Stunden

Seit sieben Jahren sind die Eichhörnchen für Stefanie Buchholz Hobby und Berufung. Nachdem die BZ vor knapp einem Jahr erstmals über ihre Eichhörnchenstation berichtet hatte, ist die Zahl der gebrachten Tiere immer mehr gestiegen. Es gab zwar auch viele Hilfsangebote. Aber: "Wenn die Leute hören, wie die Arbeit tatsächlich aussieht, verschwinden die meisten wieder." Und Hilfsangebote ihrer Schülerinnen und Schüler vom Bertholdgymnasium, wo sie in den Pausen manchmal die Allerkleinsten in einem Transportkörbchen füttert, könne sie nicht annehmen: "Die Kinder wären mit der Verantwortung überfordert." Zudem dürfe natürlich keinesfalls der Eindruck entstehen, wer Eichhörnchen pflege, bekomme eine bessere Note. Wenn die Kinder einen Blick in den Korb werfen, sei das für diese sehr berührend: "Sogar emotional sonst eher zurückhaltende Kinder reagieren stark."

Eine frühere Schülerin hilft ihr dabei

Wer helfen möchte, so Stefanie Buchholz, bräuchte ein Auto (etwa, um verletzte Tiere abzuholen), müsste bereit und in der Lage sein, rund um die Uhr alle drei Stunden zu füttern und dürfte kein Problem mit kranken Tieren haben ("Auch wenn mal ein Hörnchen bei jeder Fütterung durchfallverschmiert ist."). In der Wohnung sollte es eine Voliere mit mindestens 50 x 100 Zentimeter Grundfläche geben. Die Kosten dafür schätzt sie auf 100 bis 200 Euro. Eine große Gartenvoliere wie die, in die die Buchholzens vergangenes Jahr rund 5000 Euro investiert haben, müsse es nicht unbedingt sein: "Zum Auswildern könnte ich die größeren Tiere auch wieder zu uns zurücknehmen. Mir geht es vor allem um Unterstützung bei den ganz Jungen, deren Betreuung so zeitintensiv ist." Bislang übernimmt manchmal eine frühere Schülerin jüngere Tiere für einige Tage, und eine Freundin in Zähringen beherbergt ab und zu ältere Tiere ab etwa fünf Wochen. Auch Stefanie Buchholz’ Ehemann unterstützt sie nach Kräften: "Aber der ist ja auch berufstätig." Saison ist für sie von Januar bis September, weil Eichhörnchen über einen vergleichsweise langen Zeitraum zur Welt kommen können. Diejenigen, die zu ihr gebracht werden, haben sich oft bei ersten Kletterversuchen verletzt, sind von Krähen oder Katzen angegriffen worden oder heimatlos geworden, als ihr Baum mit dem Kobel (Eichhörnchennest) gefällt wurde und die (echte) Mama plötzlich weg war.

Es dauert ein Vierteljahr die Tiere aufzupäppeln

Bis man ein Tier wieder aufgepäppelt habe, was maximal ein Vierteljahr dauert, müsse man mit um die 100 Euro Kosten für Futter und eventuell den Tierarzt rechnen. Und warum das alles? Stefanie Buchholz: "Der Lohn ist es, hilflose kleine Wildtiere, die meist beim ersten Blick unser Herz erobern, ganz nah und vertraut zu erleben, glücklichen jungen Eichhörnchen beim Spielen zuzusehen und sie irgendwann in die Freiheit zu entlassen im Wissen, dass sie allein keine Chance gehabt hätten."

Kontakt: Tel. 0761/4562269, Mail: stefanie.buchholz@web.de. Infos zum Umgang mit gefundenen Hörnchen: http://www.eichhoernchenstationfreiburg.de.

Ist der Anteil der Eichhörnchenfotos auf dieser Seite zu gering? Noch viel mehr davon gibt es auf mehr.bz/eichhoernchen2015

Autor: Thomas Jäger