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10. Februar 2012

Kinderkrippe geht ins Restaurant

Die Kinderkrippe "Wiese-Wichte" hat in den Räumlichkeiten des "Reis-Garten" an der Kartäuserstraße ein Zuhause gefunden.

  1. Anette Ullrich (links hinten) mit Kolleginnen und „Wiese-Wichten“ in einem Gruppenraum Foto: Michael Bamberger

  2. Um den Eingangsbereich an der Gebäuderückseite soll noch eine Außenspielfläche entstehen. Links verläuft ein Radweg. Foto: Michael Bamberger

OBERAU. Wo einst zwischen Palmen und Blumen vietnamesisches Essen serviert wurde, spielen nun Kleinkinder im waldorfpädagogischen Umfeld. In den ehemaligen Räumlichkeiten des "Reis-Garten" in der Kartäuserstraße 3 hat die Kinder- und Jugendhilfe "Wiese" eine Kinderkrippe eröffnet.

Alles ist anders. Holzspielzeug statt üppiger Pflanzen, Spielhäuschen und Schlafkabinen statt vietnamesischer Vasen, ein Badezimmer mit Miniaturtoiletten statt einer Restaurantküche: Innerhalb von drei Monaten wurde die asiatische Gaststätte zu einer kleinkindgerechten Umgebung umgebaut. Wände wurden gezogen, der Eingang befindet sich nun im Hinterhof, und die große Fensterfront ist mit Vorhängen verhüllt. Anette Ullrich (35), Leiterin der Kinderkrippe, kann es selbst kaum glauben: "Es ging wahnsinnig schnell. Seit dem 16. Januar haben wir nun schon geöffnet und bisher betreuen wir fünf Kinder." Träger der Krippe ist die private Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung "Wiese", die hauptsächlich Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren und betreutes Wohnen anbietet. Bis März sollen in der Krippe insgesamt 16 Kinder im Alter von null bis drei Jahren eingewöhnt sein. Zwei Gruppen gibt es, eine mit Öffnungszeiten von sieben bis 14 Uhr und eine Ganztagsgruppe bis 17 Uhr. Pro Gruppe kümmern sich drei festangestellte Betreuerinnen um je acht Kinder. Die Plätze sind alle schon vergeben. Ullrich erzählt: "Wir wurden fast überrannt. Das hat sich rumgesprochen wie ein Lauffeuer – ganz ohne unser Zutun." Nicht ohne Grund, denn die Kinderkrippe "Wiese-Wichte" ist Vorreiter in Freiburg: Sie bietet pro Gruppe zwei Inklusionsplätze für Kleinkinder an. Das heißt, dass auch Kinder mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung betreut werden. Bisher tatsächlich einzigartig in Freiburg, Inklusionsplätze gibt es nur in Kindergärten und Schulen. Petra Jacobi, "Wiese"-Teilhaberin, sagt: "Die Stadtverwaltung hat uns letztlich sehr unterstützt. Wir betreten ein vollkommen neues Terrain. So gibt es noch nicht einmal Standards, nach denen speziell für Kinder in diesem niedrigen Lebensalter ein Inklusionsbedarf nachgewiesen werden kann." Die Stadtverwaltung habe die Kinderkrippe in ihre Bedarfsplanung – und damit in die finanzielle Förderung – aufgenommen, wodurch die angesetzten Preise halbiert werden konnten. Nun gelten die städtischen Preise: Das sind 230 Euro pro Monat, die Ganztagesbetreuung kostet 320 Euro. Ermäßigungen sind möglich.

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Aber wie kommt man auf die Idee, ein vietnamesisches Restaurant in eine Krippe umzubauen? Jacobi erzählt: "Die Vision hatten wir schon lange. Unsere Geschäftsstelle ist genau gegenüber. Jahrelang beobachteten wir den ständigen Wechsel an Restaurants. Letztes Jahr gab es eine Zwangsversteigerung, da haben wir zugeschlagen." Als Kinder- und Jugendhilfe hätten sie sich außerdem in der Verantwortung gesehen, neue Betreuungsangebote zu schaffen, nachdem die Stadtverwaltung dazu aufgerufen hatte. "Doch am Anfang sind uns alle Steine in den Weg gelegt worden, die es gibt", empört sich Jacobi. So sei die Baugenehmigung zunächst verweigert worden. Laut städtischer Pressestelle hatte das Garten- und Tiefbauamt Bedenken, dass Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, dazu auf dem Radweg vor dem Gebäude parken und Fahrradfahrer behindern könnten. Das Baurechtsamt hatte einer Genehmigung schließlich doch zugestimmt.

Die Krippe "Wiese-Wichte" ist nun kleinkindgerecht eingerichtet. Mit Schreinern wurden Spiellandschaften und ein Holzhäuschen mit Schlafkojen eingebaut. Der Clou seien Holzhöckerchen, erzählt Ullrich, die sich kippen und zu einem Sitz für die ganz Kleinen umfunktionieren lassen. Die Betreuerinnen richten sich nach Maßstäben der Waldorfpädagogik, aber nicht ausschließlich: "Holz ist für ein kleines Kind besser als Synthetikstoffe. Aber wir verbieten keinem Kind seine Plastikpuppe. Außerdem sind nicht alle Pädagoginnen auf Waldorf geeicht – eine Mischung ist gut."

Autor: Julia Dreier