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11. Januar 2012
Geburtstagsfeier
Seltene Einblicke hinter die Pforten des Ebneter Schlosses
Das Ebneter Barockschloss ist im Gegensatz zu vielen anderen herrschaftlichen Bauten in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich. Am Sonntag standen die Türen des Schlosses von 11 bis 18 Uhr aber für alle Welt offen. Schlossherr Nikolaus Freiherr von Gayling-Westphal beging so seinen 70. Geburtstag.
EBNET. Auch wenn sich die Besucher in den Schlosssälen mit den barocken Deckengemälden und reich verzierten Stuckarbeiten in einem Museum wähnten, lebt und arbeitet hier die Familie der von Gayling-Westphals.
Die Neugierigen kommen am Sonntag in Scharen. Schon am Eingang des im Jahr 1748 erbauten Herrenhauses stehen die Besucher Schlange. Drinnen werden von Bediensteten Häppchen und Getränke gereicht. Die Wände sind dicht behangen mit Stammbäumen und Porträts der Ahnen. An den Gemälden kleben kleine Zettel mit Erläuterungen zum Verwandtschaftsgrad, wichtige Stellen sind gelb markiert.Aus dem großen Gartensaal, dessen Stuckverzierungen der Barockkünstler Christian Wentzinger gestaltete, dringt lautes Gelächter und Applaus. Nur wer sich an anderen Neugierigen vorbei zwängt, gelangt noch hinein. In der Mitte des Saales steht von Gayling-Westphal, auf den Schultern eine seiner Enkelinnen. Um ihn drängen sich Bekannte, Freunde, Verwandte und völlig Unbekannte.
Mit einer großen Glocke in der Hand verschafft sich der Hausherr Ruhe. Einer nach dem anderen wird mit den Worten "Wer spricht?" in die Mitte gebeten, um Glückwünsche und Geschenke zu überbringen. Meistens spricht der Freiherr allerdings selbst, stellt Menschen vor oder erzählt Anekdoten. So lässt er Thomas Rees, Freiburger Holzbildhauer, vortreten und würdigt ihn für seine Anna-Skulptur in der Ebneter Kapelle. Dabei kommt der Politiker im Schlossherrn zum Vorschein: "Schwer war es, diese tolle Arbeit durchzubringen. Oppositionskultur überall, grausig!", ruft von Gayling-Westphal. Für das "Forum Ebnet" ist er seit langem im Ortschaftsrat aktiv, für die FDP sitzt er seit dieser Wahlperiode im Gemeinderat. Auf Tischen, Stühlen und Fensterbänken stapeln sich Geschenke und regionale Mitbringsel der Gratulanten. Unzählige Weinflaschen reihen sich an Süßigkeiten, dazwischen sitzt ein großer weißer Teddy. Kunstwerke, von Kinderhand gemalt, wurden schon an die Wand gepinnt.
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Als ein Halbcousin des Jubilars ("Außer der Großmutter verbindet uns nichts") ein Solo mit seinem Cello spielen will, verrät der Schlossherr, weshalb der Saal eine ausgezeichnete Akustik habe: "Pfusch am Bau! Die haben bei der Renovierung die Isolierung zwar in Rechnung gestellt. Aber nicht eingebaut!" Das Gelächter im verpfuschten Saal unterbricht der Hausherr abermals mit lautem Geläut. Nach dem Halbcousin muss auch Bürgermeister Ulrich von Kirchbach dran glauben. Von Gayling-Westphal setzt sich seit 2007 für eine Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und dem israelischen Tel Aviv ein. Als der Verein "Freundeskreis Städtepartnerschaft Freiburg – Tel Aviv" Präsente aus Israel überreicht, dreht er sich zu Kirchbach um und fragt laut "Bürgermeister, mach’sch mit?". Der legt sich aber nicht fest.
In einer kurzen Pause läuft der Jubilar durch das Schloss. Nach allen Seiten schüttelt er Hände und nimmt Gratulationen entgegen. Nur die Küche und das Büro sind noch privat. Hier kann er kurz verschnaufen. "Wir erwarten mehr als 500 Leute. Da haben sogar welche angerufen und gefragt, ob es Eintritt kostet", erzählt der 70-Jährige und lacht. Manchmal habe man es auch schwer als Schlossherr: "Es gibt viel Neid und man wird nicht normal behandelt." Auch deswegen habe er sein Schloss geöffnet. Die Menschen sollen sehen, wie seine Familie lebt. Der Adelige erzählt: "Wir bieten den Besuchern Brot, Marmelade, Schnaps, Apfelsaft aus eigener Produktion an. Wir sind ja eine kleine Landwirtschaft."
Das Schloss Ebnet öffnet aber auch zu anderen Anlässen seine Pforten. So zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals, an den Ebneter Kulturtagen oder zum Christkindlesmarkt, der im Schlosshof stattfindet. Nach fünf Minuten stürzt sich der Jubilar wieder ins Getümmel: Der 50-köpfige Freiburger Bachchor, der am Rand des Schlossgeländes einen Proberaum hat, bringt gleich ein Ständchen. Die vorerst letzte Gratulation im Gästebuch am Eingang wünscht: "Tach min Jung!"
Autor: Julia Dreier
