Taubenkopf

Gegen die geplanten Windräder auf dem Schauinsland formiert sich Widerstand

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 13. September 2018 um 10:27 Uhr

Freiburg

Auf dem Taubenkopf könnten in Zukunft die höchsten Windräder Freiburgs stehen. Im Kappler Tal fürchtet man Beschattung, Lärm und mögliche Folgen von Infraschall. Doch bis zum Bau sind es noch einige Schritte.

"Wir machen uns Sorgen", sagt Susanne Issig. Vor zwei Jahren hat sie eines der elf alten Häuser am Ende des Kappler Tals gekauft und genießt dort wie ihre rund 30 Nachbarn die idyllische Lage. Dass nun in unmittelbarer Nähe, keine 500 Meter entfernt, Windkraftanlagen entstehen sollen, will sie nicht einfach hinnehmen. "Der Abstand ist viel zu knapp", findet sie und befürchtet künftig vor allem mehr Lärm.

Die Windräder wären die bisher höchsten in Freiburg

Bis maximal 45 Dezibel dürfte eine künftige Anlage laut Vorgaben zu hören sein – "wie eine kleine Spülmaschine", erklärt Ralph Zähringer vom städtischen Umweltschutzamt. Diese von den Windrädern ausgehende Lautstärke komme in der Praxis jedoch kaum in dem kleinen Teilort von Kappel am Fuße des Schauinslands an, sagt Andreas Markowsky. Der Geschäftsführer der Ökostromgruppe Freiburg hat in der Region bereits mehrere Solar-, Wasserkraft- und Windkraftanlagen bauen lassen.



Die bis zu drei Windmühlen im Kappler Tal wären mit bis zu 233 Metern die bisher höchsten in und um Freiburg. Das Regierungspräsidium hatte Anfang August den Teilflächennutzungsplan Windkraft und damit auch den Standort Taubenkopf genehmigt. Dieser wurde bereits als sogenannte Konzentrationszone geprüft. Die konkreten Untersuchungen dort, zu denen auch die über ein Jahr dauernden Windmessungen gehören, beginnen jetzt.

2020 könnten die Windmühlen gebaut werden

Im Januar 2019, so Markowsky, wolle man bei der Stadt den Bauantrag einreichen, mit der Genehmigung rechnet er dann frühestens im Herbst. Wenn alles nach Plan laufe, könne man Ende 2019 mit den Arbeiten loslegen und 2020 die getriebelosen Windmühlen der Firma Enercon bauen. Bis dorthin sind es jedoch noch einige Schritte. Neben den Gutachten zum Lärm und zur Beschattung geht es dabei um Artenschutz, die Erschließung von Zufahrtswegen und das Landschaftsbild. Eine Landschaftsplanerin wird die Bewohner der nahe stehenden Gebäude in den nächsten Monaten besuchen und schauen, wo sich "Hauptausrichtung des Wohnens" befindet und ob der freie Blick auf mögliche Windmühlen dieses einschränke. Auch dieser Aspekt würde bei einem späteren Bau der Anlagen berücksichtigt, heißt es.

"Wir sind bereit auch juristisch vorzugehen"Gerhard Dold
Gerhard Dold wohnt seit 1976 in einem der Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Für ihn bleiben wie auch für Bewohner der Molzhofsiedlung einige Kilometer weiter unten Fragen offen. Er will wissen, wie es mit dem von Windanlagen ausgehenden Infraschall aussieht. Von den zwei Windrädern an der Holzschlägermatte wisse er, wie heftig dieser sein kann. "Wir sind bereit auch juristisch vorzugehen", sagt Dold. Auch andere Kappler befürchten gesundheitliche Schäden durch den Schall. Andreas Markowsky verwies auf Studien und entgegnete: "Das ist bei diesen Anlagen ungefährlich. Da werden viele Gerüchte verbreitet."