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21. Januar 2012

XXL-Pilzsaison geht zu Ende

An der Waldseestraße gedeihen noch "Leuchtende Ölbaumpilze".

  1. Bei den zum Teil bis zu 25 Zentimeter großen pilzigen Spätzündern an der Waldseestraße handelt es sich vermutlich um Exemplare des „Leuchtenden Ölbaumpilzes“. Foto: Thomas Kunz

FREIBURG. Bemerkenswert verlief die zu Ende gehende Pilzsaison: Nach einer Flaute im Herbst gediehen manche Sorten, etwa Trompetenpfifferlinge, ungewöhnlich spät bis Mitte Januar. Außerdem sind derzeit mehrere Exemplare einer besonderen Art – vermutlich des "Leuchtenden Ölbaumpilzes" – an der Waldseestraße zu sehen. Regelmäßige Pilzberatungen im Naturmuseum finden um diese Jahreszeit aber nicht mehr statt.

"Seit Wochen frage ich mich, was für Pilze das sind", sagt Walburga Kürner. Die Anwohnerin aus der Wiehre fährt täglich am Campingplatz an der Waldseestraße vorbei, wo auf dem zwischen Fahrbahn und Radweg gelegenen Grünstreifen knapp zehn Exemplare einer unbekannten Pilzart stehen. Bei manchen Exemplaren beträgt der Hutdurchmesser um die 25 Zentimeter. Auch Stadtrat und Forstingenieur Walter Krögner (SPD) sind die großen Fruchtkörper bereits aufgefallen.

Laut Pilzberaterin Roswitha Baron aus Littenweiler handelt es sich vermutlich um großwüchsige Exemplare des im Mittelmeerraum beheimateten Leuchtenden Ölbaumpilzes. "Ganz sicher bin ich mir aber nicht, da die Farbe untypisch ist", betont die pensionierte Lehrerin. Laut Fachliteratur sei der Ölbaumpilz nämlich orangengelb bis braun gefärbt, die Pilze an der Waldseestraße sind jedoch heller. Dies, so Baron, könne vielleicht durch den vielen Regen der letzten Zeit erklärt werden, der manche Farbstoffe möglicherweise ausgewaschen habe. Für die Vermutung der Fachfrau spricht neben äußerlichen Merkmalen wie der Lamellenform auch die Tatsache, dass vor einigen Jahren an der gleichen Stelle schon einmal Ölbaumpilze wuchsen. In ihrem Hauptverbreitungsgebiet gedeiht diese Art meist an Wurzeln und Stümpfen des Ölbaums, was ihren Namen erklärt. Der Zusatz "leuchtend" deutet indes darauf hin, dass die Lamellen des Fruchtkörpers ein schwaches Licht erzeugen, der Pilz im Dunkeln also etwas "leuchten" kann.

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In Baden-Württemberg wurde der Ölbaumpilz erstmals 1937 im Kinzigtal gefunden. Bis heute kommt er lediglich an einigen wenigen wärmebegünstigten Stellen vor, etwa am Oberrhein und Kaiserstuhl. Dort wächst er meist an Esskastanien- und Eichenwurzeln, so auch an der Fundstelle bei der Einfahrt zum Waldsee-Campingplatz. Auf welche Weise er dorthin gelangte, ist unklar. Möglich erscheint, dass seine Sporen mit Wohnwagen oder anderen Fahrzeugen aus südlicheren Ländern nach Freiburg transportiert wurden.

Insgesamt, so Roswitha Baron, sei diese Pilzsaison eher ungewöhnlich verlaufen: "Zwar hat es Ende Juli und Anfang August Steinpilze und Pfifferlinge gegeben, danach herrschte aber erst einmal Flaute", erläutert die Expertin. Manche Herbstpilze seien dann aber später noch gefunden worden, zum Teil bis Mitte Januar. Dass die XXL-Pilzsaison direkt mit den lange Zeit milden Temperaturen oder gar dem Klimawandel zu erklären sei, ist für sie keine ausgemachte Sache: "Solch späte Funde hat es früher auch schon gegeben." Eventuell habe sogar die Frühjahrstrockenheit eine Rolle gespielt: Möglich sei, dass die Pilzgeflechte im Boden zu wenig Wasser hatten und sich deshalb zunächst nicht so gut entwickeln konnten.

Autor: Andreas Braun