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22. Januar 2009

Die Probleme türmen sich

Kulturwerk T 66 fürchtet, dass es den Geigesturm aufgeben muss, wenn es keine Geldgeber findet

  1. Martin Krauss (links) und Michael Ott vom Verein T66 vor dem Geigesturm in der Talstraße 66. Zurzeit findet im Turm eine Ausstellung mit Fotografien von Anne Immelé statt (bis 22. Februar; Donnerstag, Freitag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung). Eintritt frei. Foto: Ingo Schneider

WIEHRE. Seit vier Jahren mietet das Kulturwerk T 66 den denkmalgeschützten Geigesturm an der Talstraße, in dem Ausstellungen stattfinden. Das Kulturwerk ist eng verbunden mit dem Berufsverband Bildender Künstler Südbaden (BBK, siehe Infobox), der hier ebenfalls sein Büro hat. Jetzt geht dem Kulturwerk das Geld aus. Anträge der SPD-Fraktion, den Verein mit 10 000 Euro zu unterstützen, hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr abgelehnt. Der finanziell angeschlagene Kulturverein bangt um seine Existenz.

Der 1889 gebaute Geigesturm ist nach dem Maler Fritz Geiges benannt, der hier sein Atelier hatte. Nach seinem Tod 1935 wurden der Turm und die angrenzenden Gebäude erst von einer Freiburger Kunstakademie und später von der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe genutzt. 1999 sind die Gebäude um den Turm abgerissen worden. Die private Bauherrengemeinschaft 3 W ("Wiehre, Werken, Wohnen") sanierte den Turm mit Zuschüssen vom Landesdenkmalamt und baute auf dem Grundstück Wohnhäuser. Seit 2004 mietet das Kulturwerk T 66 die Räume des Turms für etwa 10 000 Euro jährlich.

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Jetzt wird dem Kulturwerk nach eigenen Angaben das Geld knapp. Die rund 30 Ausstellungen der vergangenen vier Jahre finanzierte es durch Projektzuschüsse der Stadt und des Regierungspräsidiums, die Mitgliedsbeiträge der BBK-Künstler und private Spenden (Gesamtetat 2008: 47 000 Euro) . Um die Arbeit weiterführen zu können, so T 66- Vor sit zen der Michael Ott, wäre eine jährliche Finanzspritze von zusätzlich 10 000 Euro nötig, um damit entweder die Miete für den Turm zu zahlen oder das Gehalt von Direktor Martin Krauss. Den habe man wegen der Geldnot im Herbst 2008 entlassen müssen. "2009 kommen wir ohne professionelle Geschäftsführung gerade noch über die Runden, aber danach nicht mehr," so Ott. Wenn sich keine neuen Geldquellen auftäten, müsste T 66 aus dem Turm ausziehen . "Dann wäre viel an kultureller Arbeit in Freiburg zerstört", meint Krauss, und Ott ergänzt: "Es würde lange dauern, bis man ein Netzwerk wie unseres wieder aufbauen könnte."

Anträge der SPD-Fraktion, den Kulturverein zumindest ab 2010 mit 10 000 Euro zu unterstützen, sind bei den städtischen Haushaltsberatungen aber zweimal mit CDU-/Grünen-Mehrheit abgelehnt worden. Der Kulturverein hofft, dass es dieses Jahr doch noch gelingt, die Finanzlücke zu schließen – entweder durch neue Anträge für den Haushalt 2010 oder durch einen privaten Sponsor. Stadtrat Hans Essmann, der den Antrag der SPD vertreten hat, ist enttäuscht über die Ablehnung des Gemeinderats: "Eigentlich können wir froh sein, dass BBK und Kulturwerk den Geigesturm betreiben. Das ist besser, als wenn da irgendeine kommerzielle Sache reingegangen wäre."

Der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee hat nun einen neuen Spendenaufruf gestartet. Die Hoffnung, mit vielen kleinen Einzelspenden allein das Finanzloch zu stopfen, ist allerdings nicht sehr ausgeprägt: 2008 kamen insgesamt 3500 Euro an Spenden zusammen.

Kontakt: Kulturwerk T 66, 0761 / 382984, Internet: http://www.bbksuedbaden.de

Autor: Friederike Reussner