Klimaschutz

Die „Tour Alternatiba“ setzt sich radelnd für ein Umdenken in Politik und Lebensstil ein

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 15. August 2018

Freiburg

Die "Tour Alternatiba" setzt sich radelnd für ein Umdenken in Politik und Lebensstil ein / Vauban als Etappe der Frankreich-Rundfahrt.

FREIBURG-VAUBAN. Sie waren in Paris und La Rochelle und werden bald in Marseille und Toulouse sein – und zwischendrin gab’s einen Stopp im Freiburger Stadtteil Vauban: Eine 13-köpfige Abordnung der Radlerinnen und Radler von der "Tour Alternatiba" ("Alternatiba" ist das baskische Wort für Alternative), die von Juni bis Oktober 5800 Kilometer von Paris nach Bayonne zurücklegen, kamen zum Alfred-Döblin-Platz. Die Gruppe will Öffentlichkeit für die bedrohlichen Klimaveränderungen und für ein Umdenken in Politik und privatem Lebensstil schaffen.

Auf einem Tisch am Alfred-Döblin-Platz stehen Töpfe mit Gemüse, Tofu und Salat. Auf anderen Tischen liegen Flyer von den Freiburger Gruppen, die den Zwischenstopp der französischen Radler organisiert haben – darunter Greenpeace, "Transition Town Freiburg", Eine-Welt-Forum, "Energiekämpfe in Bewegung" (Ekib) und der Verein "Fesa", der sich aus dem Förderverein Energie- und Solaragentur Regio Freiburg entwickelt hat.

Ein bisschen verspätet trifft die Gruppe mit ihren Tandems und Spezialrädern im Herzen Vaubans ein. Davor wurden die Radler von 40 Freiburgern am Stadttheater empfangen und nach Zähringen begleitet, danach ging’s vom Norden einmal durch die Stadt weiter nach Vauban. Auf dem Alfred-Döblin-Platz drehen sie ein paar Runden, klingeln, schwenken Fahnen, die Zuschauer klatschen.

Dagmar Große vom Eine-Welt-Forum steht bei den Info-Tischen. Für das Forum sei der Klimaschutz schon länger im Fokus, erzählt sie: "Das ist ein existentielles Thema." Der unter anderem durch Fleischessen geprägte Lebens- und Konsumstil der reichen Länder sorge für die globale Erwärmung und führe zu Dürren, Überschwemmungen und dazu, dass immer mehr Menschen in armen Ländern flüchten müssen: "Die künftigen Zahlen sind gigantisch und noch gar nicht absehbar." Vielleicht haben die vergangenen Hitze-Wochen manche zum Nachdenken gebracht, überlegt sie. Das Eine-Welt-Forum will im Herbst mit einer speziellen Klimaschutz-Veranstaltung daran anknüpfen – zusätzlich zu Schulprojekten und Veranstaltungen, in denen ökologische Aspekte und Entwicklungszusammenarbeit zusammengeführt werden.

Die Idee zur Tour kam

2013 im Baskenland auf

Cecile Marchand steigt vom Rad und tritt vors Mikro: Sie ist Französin, lebt in der Nähe von Paris und radelt seit einer Woche mit. Ihr Start war in Pont-a-Mousson. Die Tour Alternatiba mit immer wieder wechselnden Teilnehmern ist seit dem 3. Juni unterwegs. Marchand war schon vor vier Jahren bei der ersten Tour dabei. Die ersten Überlegungen für die Tour hatte 2013 eine Gruppe im Baskenland. Die Etappen sind lang, erzählt Marchand: Von morgens um 7 Uhr bis Mitternacht wird dabei nicht nur geradelt. Fast noch anstrengender sei das ganze Drumherum: Infostände, Konferenzen, Reden. Auch in Freiburg geht’s nach dem Essen mit einem Vortrag weiter, am nächsten Tag folgt ein Workshop zum zivilen Ungehorsam. Denn die Tour will nicht nur zum Wechsel von Auto und Flugzeug zu öffentlichen Verkehrsmitteln, klimafreundlicher vegetarischer Ernährung und ethisch-nachhaltigen Banken motivieren, sondern auch der Politik entgegentreten – Stichwort Kohleausstieg. Für Katharina Schäfer und Diana Sträuber vom Verein "Fesa" war’s selbstverständlich, dass sie die Tour willkommen heißen: "Die Politik reagiert viel zu wenig auf den Klimawandel", sagt Schäfer, dadurch wachse die Resignation.

Diesem gefährlichen Trend könne die Tour vielleicht etwas entgegensetzen: "Wenn junge Menschen monatelang unterwegs sind und sich Gruppen an vielen Orten zusammenschließen, um sie zu empfangen, dann ist das motivierend und bringt alles neu in Schwung." In Freiburg begannen die Planungen für die Etappe im Januar, seitdem seien alle Mitmacher enger zusammengerückt.