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22. Dezember 2015

Eine biblische "Wanderausstellung"

777 Krippenfiguren aus vielen Ländern zeigt Peter Dehmel in der Krippenschau "Angekommen!" – und erinnert damit an Flüchtlinge.

  1. Peter Dehmel mit einer seiner bolivianischen Krippen – inklusive Lamas. Foto: Michael Bamberger

  2. Viel bolivianisches Lokalkolorit strahlt rings ums Weihnachtswunder. Foto: Michael Bamberger

VAUBAN. Diese Versammlung von Krippenfiguren ist umwerfend: 777 kleine und größere, bunte, schlichte, namhafte und unbekannte Krippengestalten stehen seit Montag im Saal von "Haus 037". Sie stammen aus vielen Ländern in der ganzen Welt – und sind nur ein kleiner Teil der Alsbacher Krippensammlung, die Peter Dehmel auf Märkten und bei Handwerkern gefunden hat, etwa im ägyptischen Assuan oder im polnischen Zakopane, in Peru und Portugal. Bis Freitag bleiben Maria und Josef hier, Jesus, die drei Könige, die vielen Hirten, Schafe – und Lamas.

Denn Lamas, soviel ist alsbald zu entdecken, dürfen in einer bolivianischen Krippe auf gar keinen Fall fehlen. Auch nicht die fröhlichen, fein gewebten Ponchos, die schwarzen kugeligen La-Paz-Hüte, die jubelnden Farben. "Es gibt ganz unterschiedliche Herangehensweisen bei der Krippengestaltung", sagt Peter Dehmel.

Der 85-jährige einstige Lehrer und langjährige Entwicklungshelfer hat sie alle sorgfältig studiert – und über Jahrzehnte hinweg eine riesige Sammlung zusammengetragen. Sowohl Krippen, die in der neapolitanischen Tradition die ursprüngliche, orientalische Situation in Bethlehem abbilden, als auch Volkskrippen, die ganz im jeweiligen Lokalkolorit Dorfszenen samt Krippe zeigen. In diesem Jahr kam Dehmel mit rund zwei Dutzend Kukuruz-Babishke – das heißt mit Maisstroh-Krippenpuppen – aus der Slowakei zurück. Jedes Jahr bereist er in der ersten Adventswoche ein Land auf der Suche nach Krippenfunden. Die meisten seiner lateinamerikanischen Krippenstatisten stammen allerdings aus vielen Jahren Auslandseinsätzen, auch in Bolivien. Die Tradition in der Familie Dehmel, dass die Eltern mit ihren vier Kindern Jahr für Jahr eine Krippe selber bauten, erweiterte sich damals um die Krippenneulinge aus der jeweils neuen Lebensumgebung.

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In der aktuellen Krippenversammlung "Angekommen!" im Stadtteilhaus 037 in Vauban will Peter Dehmel nicht die gesamte Fülle an Herkunftsländern ausstellen, sondern er will einen Gedanken bebildern: "Maria und Josef kommen ja kurz vor der Flucht nach Ägypten in Bethlehem an." Flüchtlinge. So wie Peter Dehmel selbst einst mit seinen Eltern hatte fliehen müssen aus Siebenbürgen. Und so wie auch heute wieder sehr viele Menschen auch der Flucht sind. Dass da das Ankommen als tröstlicher Fluchtpunkt wirkt, weiß er also aus eigenem Erleben.

Nicht eine "Wunderkrippe" habe er diesmal also aufbauen wollen, sondern eine "Wanderkrippe" mit Krippenfiguren aus allen Teilen der Erde, aus fremden Ländern: "Wir wollen uns erinnern, dass wir Menschen unterwegs sind, wenn wir Weihnachten feiern, und dass wir ankommen möchten im Frieden." Er zeige also diese Krippenfiguren in ihren fremden Umgebungen, beim Arbeiten, beim Feiern, unterwegs. In friedlichen Zeiten von friedlichen Menschen angefertigt aus Ton, aus Stroh, Blech, Draht, Holz.

Sie zu betrachten, wie sie da auf vielfarbigen Tüchern ihren dörflichen Alltag leben, ist wie eine kleine Weihnachtsmeditation: Winzig und wunderschön die tönernen Saintons aus der Provence, viel größer und auch aus Ton die rumänische Cioban-Krippe – ausdrucksstark und hochkünstlerisch. Alles in Sackleinen bei einer originellen Krippengruppe aus den polnischen Beskiden, gleich daneben sehr bewegt und farbenfroh bei einer portugiesischen Krippenversammlung. Dazu gehört unbedingt das vertraute Erzählen von Weihnachtsgeschichten und Krippenhistorie und das Miteinandersingen. Ein selten stimmungsvolles und nichtkommerzielles kleines Krippenwunder.

Die Krippenschau "Angekommen!" ist noch bis Samstag, 26. Dezember, täglich von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr im Stadtteilzentrum Vauban, Alfred-Döblin-Platz 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Flüchtlingshilfe werden erbeten.

Autor: Julia Littmann