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20. Dezember 2011
Eine himmlische Stimmung am Lorettoberg
Der Verein "Heimat und Volksleben" hat sein traditionelles alemannisches Christmettspiel aufgeführt.
WIEHRE. Mehr als 100 Zuschauer folgten am Sonntagabend dem Sternträger von der Mercystraße auf den Lorettoberg hoch, wo ein Engel und drei Hirten die frohe Botschaft auf Alemannisch verkündeten. Dazu gab es eine musikalische Einstimmung von der Bläsergruppe der Trachtenkapelle Ottoschwanden, der Erwachsenen-Singgruppe St. Cyriak und jugendlichen Instrumentalisten von der Feuerwehrkapelle und aus Horben. Zur himmlischen Stimmung trugen auch die ersten Schneeflocken bei. Beim Christmettspiel des Vereins "Heimat und Volksleben" passte diesmal einfach alles.
"Weiß jemand wie viel Uhr es ist?", fragt der Engel. Es ist genau fünf Uhr nachmittags. Der dreizehnjährige Sternträger Maximilian macht in seinem großen Stern das Licht an und geht voran. Er ist schon zum dritten Mal dabei, sagt seine Mutter, der Engel: "Es macht uns einfach Spaß." Der Zug setzt sich von der Ecke Mercy-/Lorettostraße in Bewegung und folgt dem leuchtenden Stern die Schlierbergstraße hoch.
Viele Kinder laufen mit, die kleinsten werden schlafend im Wagen geschoben; es ist schon dunkel. Dann geht es links in den Wald hinein – hin zum Feuer und zur Musik. Es ertönt ein sechsstimmiges "Kommet ihr Hirten" auf Klarinette, Querflöte, Trompete und Saxophon. Das Feuer knistert, drei Hirten unterhalten sich. "Ehre sei Gott! Hett er gsait" – "Je gell, das isch öbbis! Se! Kumme go gschwind! ’s wird sölli go warte das himmlische Kind." Caro und ihre Freundin Heli haben aufmerksam zugehört. Ob sie es auch verstanden haben? "Nein, nicht so gut, ich komme aus Neumünster in Schleswig-Holstein", sagt die achtjährige Caro. Und Heli (7) aus dem Stadtteil Vauban vermutet, dass es eine besondere Sprache sei. "In Neumünster gibt es so etwas nicht", ergänzt Caros Mutter. "Ich finde, das ist die richtige Einstimmung auf Weihnachten."
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Das Christmettspiel von Wilhelm Fladt wird in der alemannischen Fassung seit 1953 von dem Verein "Heimat und Volksleben" auf dem Lorettoberg aufgeführt. Der Freiburger Dichter hat das Spiel frei nach einer alten Schwarzwälder Überlieferung aufgeschrieben. Der ursprüngliche Weihnachtsbrauch: In Gegenden, in denen die Pfarrkirche zu weit weg war, wanderte man bei einem Andachtsgang zu einer nahen Bergkapelle, wo man an einer gerichteten Krippe Weihnachtslieder sang und betete.
Viele der Laienschauspieler sind schon seit Jahrzehnten dabei, so wie die Hirten Hansjörg Kaiser (seit 40 Jahren, davon 30 Jahre als Josef), Andreas Schonhardt (seit 38 Jahren) und Werner Kaiser (seit 28 Jahren). Ein Vorteil des Stücks sei, so Hansjörg Kaiser, die überschaubare Dauer von 30 Minuten: "Das ist auch für Kinder sehr gut geeignet." Bei so viel Routine sind nicht einmal mehr Proben nötig, der Text wird vorher nur noch einmal gemeinsam durchgelesen.
"Guck mal" und "Wow" flüstert es durch die Menge, als am oberen Wegrand zur Lorettokapelle ein schneeweißer Engel erscheint. "Fürchtet euch nicht", ruft der Engel, plötzlich in rotes Licht getaucht, und verkündet die frohe Botschaft vom neu geborenen Kindlein. Und tatsächlich – oben am Berg wird "das herzig Büebli" gelobt und gepriesen und dann sammeln die guten Hirten für die arme Familie, denn: "Je au! Lueg! Die Lit sin arm." Dann spielen die Bläser und siehe da: Beim gemeinsamen Singen von "Stille Nacht, heilige Nacht" verwandelt sich der eiskalte Regen in helle freundliche Schneeflöckchen.
Autor: Ursula Thomas-Stein
