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15. März 2011

Glocken läuten bald wieder

Spendenaktion für einen neuen Glockenstuhl für die Christuskirche war letztlich erfolgreich.

  1. Pfarrerin Ute Jäger-Fleming konnte sich über viele gut gefüllte Spenden-Sparschweine für den Glockenstuhl freuen. Foto: Thomas Kunz

  2. Mangels tragfähigem Glockenstuhl stehen statt hängen die Glocken in der Christuskirche derzeit im Turm. Foto: Privat

WIEHRE. Acht Jahre musste die evangelische Christusgemeinde ohne Glockengeläut auskommen. Erst bröckelte der sturmgeschädigte Sandsteinturm der Christuskirche, dann wurde der rostende Stahl des Glockenstuhls zum Problem. Dank spendenfreudiger Gemeindemitglieder können die Glocken jetzt bald wieder schwingen und klingen – an einem Glockenstuhl aus Holz.

Als die Pfarrerin Ute-Jäger-Fleming vor gut einem Jahr zur Christuskirche kam, wartete dort ein Haufen Arbeit. Dringend wünschte sich die Gemeinde, wieder von Glocken zum Gottesdienst gerufen zu werden. Doch die standen auf einem Provisorium im Turm, da, wo einst das Trägergestell – der Glockenstuhl – vor sich hinrostete. Der Turm selbst war erst 2003 für 280 000 Euro saniert worden. Nach diesem teuren Unterfangen war ein neuer Glockenstuhl vorerst nicht drin. Und ohne bringt die schönste Glocke nichts.

Vermutlich gibt es nicht viele Menschen, die das scheinbar endlose Bauvorhaben an der Christuskirche noch als "schönes Projekt" bezeichnen würden, so wie Ute Jäger-Fleming das tut. Zu lange dauert die Stille schon, und zu oft wurden die Gemeindemitglieder aus Geldnot vertröstet. Ute Jäger-Fleming sieht es positiv: "Man hat gemerkt, wie engagiert die Gemeinde ist", findet sie, "es gab zahlreiche Spendenaktionen, viele Menschen haben geholfen und sind dadurch miteinander ins Gespräch gekommen". Nun kann die dynamische Pfarrerin den entscheidenden Erfolg vermelden. Bei Benefizkonzerten, Theateraufführungen und Festen, aber auch durch bis zu vierstellige Überweisungen, ist endlich das nötige Kleingeld für den Eigenanteil zusammengekommen: rund 49 000 Euro.

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Etwa 150 000 Euro wird die Renovierung des Glockenstuhls insgesamt kosten. Davon übernimmt die Landeskirche 30 000 Euro, 75 000 Euro zahlt die Ortskirchenkasse. Zusammen mit den Spenden gibt es nun sogar ein kleines finanzielles Polster.

Der alte Glockenstuhl aus Stahl wird durch einen hölzernen ersetzt, und zu diesem soll außerdem bald ein komfortablerer Aufgang führen. "Zur Zeit ist das noch eher eine Art Hühnerleiter", erklärt Ute Jäger-Fleming. Der Plan, sogenannte Schallläden im Kirchturm anzubringen, die den Glockenstuhl vor Nässe und Kälte schützen und den Klang der einzelnen Glocken besser mischen würden, liegt vorerst auf Eis. Die Holzläden würden an den Stellen angebracht, wo der Turm offen ist, und wären so von außen zu sehen. Das Denkmalamt hat die Läden zwar genehmigt, doch jetzt stellt sich die Frage, ob die Statik des Turms Schallläden überhaupt verkraften würde. In die Gesamtkosten sind die Läden eingerechnet, aber noch ist nicht sicher, ob und wann sie angebracht werden. "Das wichtigste sind jetzt erst einmal die Glocken", sagt die Pfarrerin. Davon gibt es in der Christuskirche drei. Eine davon ist eine Vaterunser-Glocke, die bei diesem Gebet alleine erklingt. Ob das Trio in Zukunft nur beim Gottesdienst zu hören sein wird oder auch die Uhrzeit angibt, wird demnächst vom Ortsältestenrat beschlossen. Ein bisschen Geduld müssen Freunde des bronzenen Klangs aber noch haben: Damit die Betonunterlagen für den Glockenstuhl in der Turmmauer verankert werden können, muss die Temperatur im Stein dauerhaft mehr als fünf Grad betragen. Noch ist es zu kalt, aber allzu lang kann es nicht mehr dauern.

Noch im Frühjahr will Ute Jäger-Fleming den Eröffnungsgottesdienst feiern. Darauf freut sie sich schon jetzt. "Ich hoffe, dass dann viele von den Menschen kommen, die das mit ihren Spenden ermöglicht haben", sagt sie. Auf die tatkräftige Unterstützung der Gemeindemitglieder hofft sie weiterhin, denn sobald die Glocken wieder läuten, wird sie zur nächsten Spendenaktion aufrufen: Der Innenraum der Kirche muss dringend renoviert werden.

Autor: Veronika Keller