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29. Juli 2009

Glockenturm bleibt erstmal leer

Bis an der Christuskirche wieder geläutet wird, dauert es noch

  1. Foto: privat

  2. Der Turm der Christuskirche wurde bereits aufwendig saniert, ist aber weiterhin glockenlos. Foto: Thomas Kunz

  3. Foto: privat

WIEHRE. Manche Passanten können am Christuskindergarten einfach nicht vorbeigehen. Ihnen gefallen die Kindergemälde, die dort in den Fenstern hängen so gut, dass sie hereinkommen und fragen, ob sie eines haben können. Diese Erfahrung hat sich der Kindergarten zu Nutze gemacht und veranstaltet nun zum dritten Mal eine wohltätige Aktion: Wer eine Spende macht, bekommt ein Bild, und das Geld soll verwendet werden für einen neuen Glockenstuhl der evangelischen Christuskirche. Der lässt aber wohl noch auf sich warten.

Zur Kirche an der Maienstraße haben die Kinder des benachbarten Kindergartens eine ganz besondere Bindung, erklärt Hilde Krauss-Hummel, die Leiterin der Einrichtung. Während der Kindergartenzeit wird dort gemeinsam gesungen, die Orgel und das Kellergewölbe werden erkundet und der Turm wird erklommen. Umso mehr liegt es dem Kindergarten am Herzen, dazu beizutragen, dass in der Christuskirche bald wieder die Glocken läuten. 2000 Euro wurden bei zwei vorangegangenen Bilderaktionen schon gesammelt, nun hat eine dritte Runde begonnen: Bis zum kommenden Freitag hängen die Fenster des Kindergartens voller bunter Bilder mit verschiedenen Motiven, die zum Spenden animieren sollen.

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Für rund 280 000 Euro wurde der zuvor marode Kirchturm vor einigen Jahren zwar bereits erneuert, doch noch immer ist kein Läuten zu vernehmen: Der alte Glockenstuhl aus Stahl, dessen Material den Stein des Turms angegriffen hat, muss erst durch einen hölzernen ersetzt werden. Seit Februar 2004 muss die Wiehre deshalb ohne die Glockenschläge der Christuskirche auskommen. Dass viele diesen Zustand beenden möchten, beweisen etliche Spendenaktionen: 20 000 Euro sind bereits speziell für den neuen Glockenstuhl zusammengekommen. Trotzdem gibt es bislang weder einen Kostenvoranschlag noch einen konkreten Termin für die Erneuerung.

Pfarrerin Irene Leicht kann die Wartenden nur auf unbestimmte Zeit vertrösten: "Es laufen mehrere Gutachten, einen Kostenvoranschlag werden wir in einem Monat haben", sagt sie. Dieselbe Auskunft gab sie allerdings schon im Mai. In die Pläne für die Erneuerung sei nun auch das Denkmalamt involviert, erklärt Leicht, da für einen hölzernen Glockenstuhl eventuell Lamellen nötig seien, die den Turm optisch verändern würden. "Außerdem gibt es momentan wahnsinnig viele Baustellen im Kirchenbezirk", fügt die Pfarrerin hinzu und nennt als Beispiele den Plan für das Haus der evangelischen Kirche in der Innenstadt und die Folgen der innerkirchlichen Strukturreform (die BZ berichtete). "Jede Kirche hat ihre Probleme, da kann man nicht immer erwarten, dass alles ganz schnell geht", so Irene Leicht.

Zusätzlich zu den gesammelten 20 000 Euro könne die Christuskirche mit 15 000 Euro Zuschüssen von der Landeskirche rechnen. Nach Irene Leichts Schätzung werden sich die Kosten für den neuen Glockenstuhl allerdings auf etwa 70 000 Euro belaufen. Um das fehlende Geld aufzutreiben, seien weitere große Sammelaktionen, unter anderem ein Gemeindefest, geplant. "Ich hoffe, dass die Glocken nächsten Herbst wieder läuten werden", sagt die Pfarrerin. Sie selbst wird dann aber nicht mehr in den Genuss kommen, denn im August verlässt sie die Christuskirche.

Am vergangenen Sonntag feierten die Kinder vom Christuskindergarten ihren Abschlussgottesdienst für das Kindergartenjahr, und auch der stand im Zeichen der Glocke: Ein Jahr lang haben die Kinder etwa 100 kleine Glöckchen, wie sie an Schokoladen-Osterhasen hängen, gesammelt, die am Sonntag bei einem gemeinsamen Lied zum Einsatz kamen. "Die Kinder hoffen, dass die großen Glocken im Turm vielleicht irgendwann antworten", erklärt Hilde Krauss-Hummel. Nach dem Gottesdienst wurden die Glöckchen an die Besucher des Gottesdienstes verteilt. Ein rechter Ersatz für echte Glocken war das aber noch nicht.

Autor: Veronika Keller