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16. März 2017 11:35 Uhr

Alkoholverbot

Johanneskirche-Kiosk bangt um seine Existenz

Für den Kiosk an der Johanneskirche gilt ein Alkoholverkaufsverbot. Der Pächter klagt daher über zu wenig Umsatz – und überlegt zu schließen. Dabei übernahm er den Laden erst im Oktober.

  1. Kiosk-Pächter Sermet Karadayi Foto: Elena Stenzel

  2. Der Kiosk an der Johanneskirche Foto: Elena Stenzel

Hier gibt es "süße Tüten", Notfall-Kippen und den Kaffee zum Wachwerden – wie an fast jedem Kiosk. Doch seit Sermet Karadayi im Oktober den Kiosk an der Johanneskirche übernommen hat, gibt es eine entscheidende Änderung im Vergleich zu vorher: Laut dem Pachtvertrag mit der Stadt darf er keinen Alkohol mehr verkaufen. Wenn das so bleibe, lohne sich sein anstrengender Job aber nicht. Er denke schon wieder über die Schließung nach.

Sermet Karadayis Tag beginnt früh. Um 5.20 Uhr backt er Brötchen und Brezeln für den Tag auf. Um 7 Uhr lässt er die Rollläden des Kiosks hoch. Und erst um 21 Uhr lässt er diese wieder runter. "Ich habe Erfahrung in dem Bereich, habe schon in einem anderen Kiosk und an einer Tankstelle gearbeitet. Das ist im Grunde fast das gleiche Geschäft", sagt er.

Im vergangenen Jahr hat er sich bei der Stadt Freiburg als Kiosk-Pächter beworben, der Zuschlag kam nach etwa zehn Monaten. In den folgenden sechs Wochen renovierte er mit viel Mühe den Kiosk. Den Umbau hat er aus eigener Tasche finanziert, ein Schreiner half ihm. Vor Jahren war der Kiosk von Schülerinnen und Schülern der benachbarten Lessingschule in einem Kunstprojekt bemalt worden. Doch die Gestaltung musste einem schlichten weißen Anstrich weichen, weil die Bilder längst von einer Vielzahl an Graffiti überdeckt waren. Immer noch übermalt er täglich Schmierereien. "Sieht einfach sonst nicht ordentlich aus", sagt Karadayi. Nun ist der Pavillon rundumerneuert: Es gibt neue Regale, die Backwaren sind appetitlich im Seitenfenster präsentiert. Draußen gibt es einen Stehtisch für die Vesperpause.

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Der Kiosk hat nicht den besten Ruf

Dass der Kiosk auf dem Platz vor Lessingschule und Johanneskirche und in unmittelbarer Nähe der Straßenbahnhaltestelle nicht den besten Ruf hatte, sei ihm bekannt gewesen: Auf dem Platz halten sich oft Betrunkene auf. Früher sei der Kiosk ein Anziehungspunkt für sie gewesen. Dann sei dort auch mal randaliert worden.

Die Klientel habe sich inzwischen sehr zum Positiven verändert, sagt der Pächter, allerdings um einen Preis, den er eigentlich nicht zu zahlen bereit ist: Die Stadt hat in seinen Pachtvertrag neu die Regelung aufgenommen, dass er keinen Alkohol verkaufen darf. In der Bewertung ist er zwiegespalten. Einerseits sagt er: "Die Leute sind sehr freundlich hier. Da macht die Arbeit wirklich Spaß. Sonst würde ich auch keine 16-Stunden-Arbeitstage in Kauf nehmen."

Sermet Karadayi unterstützen manchmal seine Frau oder eines seiner vier Kinder. Der richtige Umgang mit den Kunden fällt ihm offenbar leicht. Die Jüngeren überredet er auch mal zum Gemüseverzehr, diskutiert mit Stammkunden Tabakempfehlungen und assistiert Kindern bei der Wahl der richtigen Süßigkeiten, sodass am Ende auch garantiert die perfekte "süße Tüte" rauskommt.

Weniger Einnahmen wegen des Alkoholverbots

Das Alkoholverbot – das er bei Vertragsabschluss nach eigenen Angaben gar nicht bewusst wahrgenommen hatte – bedeute aber erhebliche Einnahmeausfälle. Bisher, so sagt er, könne sich der Kiosk nicht tragen. Sollte er in den nächsten drei Monaten keine Lizenz bekommen, müsse er über eine Schließung nachdenken. Er würde gerne wieder wie seine Vorgänger Alkohol verkaufen.

Die Stadtverwaltung lässt das aber nicht zu. "Wir haben festgestellt, dass das eine schwierige Stelle ist – noch dazu in der Nähe einer Schule", sagt Pressesprecher Toni Klein. Deshalb habe man sich im Pachtvertrag auf ein Alkoholverbot geeinigt: "Es gibt künftig generell keinen Alkoholausschank mehr an städtischen Kiosken in der Nähe von Schulen."

Sermet Karadayi entgegnet: "Der Kiosk am Holzmarkt darf Alkohol verkaufen, und da ist auch das Goethe-Gymnasium in unmittelbarer Nähe". Dazu erklärt die Stadtverwaltung auf Nachfrage: "Dort handelt es sich um einen alten Bestandsvertrag."

Die Stadt verpachtet insgesamt zwölf Kioske. Zehn davon führen laut Pressesprecher Toni Klein keinen Alkohol. Eine Ausschanklizenz habe sowieso keiner der städtischen Kioske.

Geöffnet hat der Kiosk an der Günterstalstraße montags bis freitags von 7 bis 21 Uhr, samstags von 8 bis 21 Uhr und sonntags von 9 bis 21 Uhr.




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Autor: Elena Stenzel