Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. Februar 2012
Merken, was in einem steckt
Die Theatergruppe "Die Schattenspringer" schließt eine integrative Schauspielweiterbildung ab.
WIEHRE. Bundesweit ist das bislang einmalig: Das integrative Theater "Die Schattenspringer", das vom diakonischen Werk getragen wird, hat in den vergangenen 20 Monaten in Freiburg eine berufsbegleitende Schauspielweiterbildung für Behinderte und Nichtbehinderte veranstaltet. Nun haben die elf Teilnehmer, jeweils etwa gleich viele mit körperlicher, mit geistiger und ohne Behinderung, den Lehrgang mit einem staatlich anerkannten Zertifikat abgeschlossen.
"Für uns war diese Weiterbildung die Fortführung des künstlerischen und kulturellen Anspruchs, den wir mit der Theaterarbeit bei den Schattenspringern verfolgen", sagt Wolfgang Kapp. Der Theatermann ist Regisseur bei den Schattenspringern und war einer der sieben Dozenten, die den Schauspiellehrgang betreuten. "Natürlich spielt bei integrativen Projekten auch der soziale Aspekt eine Rolle", meint Kapp, aber diesen sähen sie hier eher als Begleiterscheinung. Der Fokus liege klar auf der künstlerischen Arbeit. Die sollte mit der Weiterbildung auf eine neue Basis gestellt werden. "Die Regisseure bilden sich regelmäßig fort, da ist es doch nur konsequent, dass das auch für die Akteure möglich sein muss", sagt Kapp.Werbung
Da es ein solches Angebot auf integrativer Basis bisher nicht gab, entwickelte Kapp mit seinen Kollegen den Lehrgang selbst. "Es war uns wichtig, dass das Projekt auch wissenschaftlich begleitet wird, so dass am Ende eine Zertifizierung stehen konnte", sagt Produktionsleiter Bertram Goldbach vom Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC). So kam eine Zusammenarbeit mit der Katholischen Hochschule und dem angeschlossenen Institut für angewandte Forschung, Entwicklung und Weiterbildung (IAF) zu Stande. Die Theaterpädagogik-Professorin Katharina Megnet war bei der Fortbildung regelmäßig dabei und stand sowohl mit den Dozenten als auch mit den Teilnehmern in Kontakt. In zehn Modulen, die jeweils an Wochenenden stattfanden, wurden zahlreiche Aspekte der Theaterarbeit, wie Improvisation, sprachliche und tänzerische Elemente oder Musik und Rhythmus abgedeckt. Zum Abschluss hieß es dann für die Teilnehmer, das Erlernte zu nutzen und selbstständig eine Theaterszene zu entwickeln.
Für Stefan Boris Birk war die Ausbildung, wie er selbst sagt, ein Meilenstein. Er hat eine körperliche Behinderung und spielt bereits seit 1999 bei den Schattenspringern. Hauptberuflich arbeitet Birk seit zwanzig Jahren als Sachbearbeiter in der Landespolizeidirektion. Die zusätzliche Belastung durch die Weiterbildung nahm er gerne in Kauf. "In der Ausbildung konnte ich feststellen, was noch alles in mir steckt", sagt Birk. Ihm persönlich hat die tänzerische Arbeit besonders viel gegeben: "Ich empfand meine Bewegungen immer als kantig", sagt er, beim Tanz habe er die Geschmeidigkeit seines Körpers entdecken können.
Birk ist aber auch ein Kopfmensch. Er schreibt Gedichte und hat für Inszenierungen einige Shakespeare-Szenen sprachlich modernisiert. Dass das Erlernte nun in die Arbeit der Schattenspringer einfließt, freut ihn.
Autor: Petra Völzing
