Rat und Verwaltung uneins

Alexander Preker

Von Alexander Preker

Do, 24. März 2011

Freiburg Süd

Fraktionen und Bürgerverein für Verkehrsveränderungen in der Wiehre / Stadtverwaltung dagegen.

WIEHRE. "Irgendwie kommt mir das Thema Basler Straße bekannt vor", scherzte Baubürgermeister Martin Haag noch zu Beginn der Verkehrsausschusssitzung des Gemeinderates am Dienstag. Fast sämtliche Ratsfraktionen und auch Eugen Reinwald vom Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre machten aber deutlich, dass sie auch in Zukunft dafür sorgen wollen, dass das so bleibt. Die Stadtverwaltung sieht hingegen keinen Änderungsbedarf an der Verkehrssituation im Quartier.

Für viele Gemeinderäte und die Mitglieder des Bürgervereins dürften die Worte von Hendrik Schmitt-Nagel ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Der Mitarbeiter des Garten- und Tiefbauamtes der Stadt resümierte im Verkehrsausschuss, dass die Verkehrssituation in der Unterwiehre nicht verbessert werden müsse. Sämtliche Fraktionen außer der Grünen Alternativen Freiburg (GAF) hatten zuvor die Verwaltung beauftragt, die dortige Verkehrssituation zu prüfen und zu beruhigen. Schwellen für die Basler Straße, eine zusätzliche Stadtbahnhaltestelle Goethestraße, verstärke Tempokontrollen oder eine alternative Verkehrsführung lehnt die Stadtverwaltung jedoch ab. Im Zuge des Ausbaus von Heinrich-von-Stephan-Straße und dem Bau der Stadtbahn über die Kronenstraße werde die Verkehrsführung so geändert, dass es auch in der Basler- und der Lorettostraße weniger Durchgangsverkehr gebe. Außerdem gebe es etwa in der Basler Straße seit dem Stadtbahnbau viel weniger Verkehr.

Seitdem die Stadtbahn rollt, gibt es Zoff

Seitdem die Stadtbahn Haslach 2004 rollt, gibt’s Zoff um den Verkehr in den Straßen der Unterwiehre. Vergangene Woche diskutierte der Bürgerverein mit Anwohnern ein neues Verkehrskonzept, doch die dort gemachten Vorschläge – wie etwa eine Einbahnstraßenregelung oder der Rückbau des Gleiskörpers in der Basler Straße – wurden bislang nicht geprüft.

Helmut Thoma (Grüne) hält das Ergebnis der Verwaltung, alles beim Alten zu belassen, für falsch. Er und Gabi Rolland (SPD) glauben nicht an die Entlastungen, die die Stadtverwaltung durch den Ausbau der Bahnhofsachse verspricht. Rolland: "Ich will ein neues Verkehrskonzept, zusammen mit den Bürgern." Sascha Fiek (FDP) kann nicht nachvollziehen, dass die Verwaltung Schwellen ablehnt: "Es geht darum, dem Autofahrer das Interesse an der Basler Straße zu nehmen." Michael Moos (Unabhängige Listen) will die Basler Straße erneut zur Fahrradstraße machen, "um ein Zeichen zu setzen." Lediglich Stadtrat Hansjörg Sandler (CDU) findet: "Mit der Verwaltungsvorlage werden wir leben. Hätten die Radfahrer mehr Selbstbewusstsein, würden sie sich dort auch nicht von den Autos abdrängen lassen."

Auch wenn er die Straßen nicht weiter beruhigen will, weiß Baubürgermeister Martin Haag, dass sich "der Verkehr in der Unterwiehre nicht in Wohlgefallen auflösen wird." Immerhin habe die Wiehre selbst 20 000 Einwohner und zum Glück sei Freiburg eine wachsende Stadt.