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02. Februar 2012
Selbst ein Eisvogel wurde gesichtet
Seit eine Zirkulationsanlage dem Schlierbergweiher neues Leben einhaucht, gab es zahlreiche Verbesserungen am und um das Biotop.
WIEHRE. Dem Schlierbergweiher geht es besser – das lange Zeit problematische Gewässer, dem eine Zirkulationsanlage seit Dezember 2010 neues Leben einhaucht, ist inzwischen komplett durchmischt. Außer Fischen und anderen Lebewesen profitieren auch die Anwohner von dieser Entwicklung: Es bilden sich keine Faulgase mehr, das Wasser klart auf, und die Schlammschicht wird langsam abgebaut. Am Ufer müssen noch absterbende Bäume entfernt werden.
"Der Genesungsprozess schreitet rasch voran", sagt Ingo Kramer vom Landesfi-schereiverband. Der Biologe misst regelmäßig die Wasserqualität des Schlierbergweihers, in dem es wegen Überdüngung vor gut zwei Jahren zu einem Fischsterben gekommen war. "Inzwischen ist das Wasser wieder so klar, dass Sonnenlicht bis zum Grund des vier Meter tiefen Sees vordringen kann", erläutert der Experte. Pflanzliche Kleinstlebewesen würden daher mehr Sauerstoff produzieren als früher und auch dadurch die Gesundung beschleunigen. "Seit Jahren war das Gewässer nicht mehr in so einem guten Zustand wie zurzeit", fasst der Biologe zusammen. Weil auch die Schlammschicht Kontakt zu sauerstoffhaltigem Wasser habe, werde sich diese vermutlich langsam abbauen. "Bis in der Hinsicht ein spürbarer Effekt vorhanden ist, braucht es aber noch Jahre", schätzt Kramer.Werbung
Positive Auswirkungen sind indes schon jetzt bei der Natur zu erkennen: Ein Eisvogel hat sich eingefunden, und auch den Fischen geht es besser. Von der rund 11 000 Euro teuren Zirkulationsmaschine, deren Kosten sich die anliegenden rund 120 Wohnparteien geteilt haben, profitiert diese Tiergruppe gleich doppelt: "Da das Wasser ständig umgewälzt wird, kann der See nicht mehr vollständig zufrieren", erklärt Ingo Kramer. Vielmehr bleibe ein Bereich um die Anlage herum auch bei Minustemperaturen offen, lediglich an den Rändern würde sich Eis bilden. "Die Fische bekommen daher auch im Winter genügend Sauerstoff", so der Experte. Bislang kämen im See Giebel und Rotfedern vor – zwei Fischarten, die auch in schmutzigen Gewässern leben können. "In Zukunft wollen wir aber auch anspruchsvollere Arten und Teichmuscheln einsetzen, die es früher bereits dort gab", berichtet Kramer.
Laut Martin Jehle von der Hausgemein-schaft Schlierbergstraße 86-118 sind auch die Anwohner mit der Entwicklung zufrieden: "Der Weiher stinkt nicht mehr", nennt der Lehrer eine wesentliche Verbesserung. Lediglich im Herbst sei es nochmals kurzfristig zu einer Geruchsbelästigung gekommen – weil, wie Ingo Kramer erläutert, damals etwas Schwefelwasserstoff aus dem Sediment freigesetzt worden sei. "Und der ist schon in geringsten Konzentrationen zu riechen", betont der Biologe.
Außer der eigentlichen Gewässersanierung laufen derzeit auch Baumpflegearbeiten: Damit der Weiher mehr Licht bekommt und weniger Laub in ihn gelangt, wurden im Uferbereich Gehölze geschnitten. Die Kosten dafür trägt die jeweilige Anliegergemeinschaft. Für den Abschnitt der Peter-Thumb-Straße 8-16 (rund 50 Wohnungen), wo zwei kleinere Bäume zurückgeschnitten wurden, macht dies laut Auskunft der zuständigen Hausverwaltung lediglich "ein paar hundert Euro" aus.
Wesentlich teurer dürfte es für den Bereich der Schlierbergstraße 86-118 werden: "Hier müssen noch sechs große Erlen entfernt werden, die am Absterben sind und in den See kippen könnten", erläutert Martin Jehle.
Zwar liege eine Fällgenehmigung seitens der Stadtverwaltung bereits vor, doch sei die Suche nach einer Fachfirma für die Arbeiten an einer schwer zugänglichen Stelle noch im Gange. "Vor nächstem Herbst wird es wohl nichts damit werden", schätzt Jehle.
Autor: Andreas Braun
