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27. Januar 2012
Baugebiet füllt sich nur langsam
Mit der Vermarktung der Munzinger Bauplätze "Hinterm Weiher III" geht es längst nicht so flott voran wie mit stadtnäheren Lagen.
MUNZINGEN/ST. GEORGEN. In der Kernstadt finden Wohnbauflächen reißenden Absatz. In den Tuniberg-Ortschaften hingegen bleibt Bauland eher erstmal ungenutzt, obwohl es deutlich günstiger ist. Schleppend schließt sich etwa die Bebauung des Neubaugebiets "Hinterm Weiher III" am nördlichen Rand Munzingens. Warum eigentlich?
Der seit Oktober 2007 rechtskräftige Bebauungsplan "Hinterm Weiher III" weist auf einer Fläche von 18 000 Quadratmetern 42 Bauplätze für Einzel-, Doppel- oder Reihenhäuser aus, woraus sich bis zu 84 Wohneinheiten ergeben können. Zwölf Bauplätze waren ursprünglich im Besitz der Stadt, acht von diesen sind noch nicht verkauft. Insgesamt ist inzwischen gerade mal rund die Hälfte des Gebiets bebaut. Hingegen lassen sich im 2008 erschlossenen, 64 000 Quadratmeter großen St. Georgener Gebiet "Innere Elben", wo die Stadt 31 Flächen selbst vermarktet hat, die Baulücken an einer Hand abzählen. Begehrt war nach Auskunft von Bruno Gramich, dem stellvertretenden Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen, auch das städtische Angebot im jüngst entwickelten kleinen Plangebiet in St. Georgen zwischen der Kleingartenanlage "Moosacker" und der bestehenden Häuserreihe in der Besançonallee: Für die drei Bauplätze gab es acht Interessenten. Dabei sind die Preisunterschiede erheblich. Der städtische Gutachterausschuss hat für fertig erschlossenes Bauland in den Tuniberg-Ortschaften auf der Basis der Kaufpreissammlung Richtwerte von 260 bis 350 Euro pro Quadratmeter ermittelt, wohingegen dieser Wert für St. Georgen rund 460 Euro pro Quadratmeter beträgt.Werbung
"Diese Unterschiede bei der Nachfrage nach Bauland in den Stadtteilen sind nicht neu. Je weiter weg ein Baugebiet von der Kernstadt liegt, desto schwerer lassen sich die Grundstücke vermarkten, selbst wenn sie günstiger sind", erklärt Bruno Gramich. "Wichtig ist für potenzielle Bauherren, meist sind es Familien, heute die Infrastruktur, etwa die Nähe zu weiterführenden Schulen und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr." Die ist zwar auch in großen Teilen St. Georgens etwa kaum besser als am Tuniberg, weil man auch hier erstmal per Bus zu einer Straßenbahnhaltestelle fahren muss. Aber von St. Georgen kommt man immerhin schnell mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Die Vermutung, dass vielleicht auch die unzureichende DSL-Versorgung – in Munzingen gibt es kein breitbandiges Glasfaserkabel – die Vermarktung bremst, bestätigt Bruno Gramich nicht: "Bislang spielt dieser Aspekt in den Gesprächen mit Interessenten kaum eine Rolle."
Nach seiner Einschätzung ist es jedoch kein Schaden, wenn ein Baugebiet relativ langsam bebaut wird. "Denn so bleibt uns eine gewisse Reserve an relativ günstigem Bauland, dass es auch Familien mit mittlerem Einkommen ermöglicht, ein Haus zu finanzieren", sagt er und verweist auf die Entwicklung des ebenfalls 2008 erschlossenen Opfinger Baugebiets "Alter Sportplatz" (rund 35 000 Quadratmeter) . Dort seien im ersten Jahr infolge der Wirtschaftskrise nur einzelne Grundstücke verkauft worden, inzwischen sei es aber vollständig vermarktet.
Speziell für das Munzinger Gebiet "Hinterm Weiher III" will die Stadtverwaltung nun jedoch einen Werbeflyer auflegen, um die Vorzüge des Stadtteils aufzuzeigen. Punkten kann die Ortschaft Munzingen mit einem neuen Lebensmittelmarkt und einem besonders guten Angebot an Betreuungsplätzen für Kleinkinder (die BZ berichtete). Günstig ist auch, dass der neue Bus-Fahrplan für das Winterhalbjahr in den Morgenstunden zusätzliche Hin- und Rückfahrten in das benachbarte Schallstadt ausweist, wo es einen Bahnhof gibt. VAG-Busse fahren zur Straßenbahnhaltestelle Munzinger Straße (Gewerbegebiet Haid).
Bei der Erschließung des zweiten Munzinger Baugebiets "Kurzacker" mit Platz für 40 Wohneinheiten am südlichen Ortsrand tritt die Stadt nun allerdings auf die Bremse. Die Planung für dieses Gebiet war vorgezogen worden, um Baurecht für den Rewe-Markt zu schaffen, nachdem der einzige Lebensmittelladen im Ort im Frühjahr 2008 geschlossen worden war.
Autor: Silvia Faller
