Stadtteilrundgang

Bis zur Barrierefreiheit ist es in Haslach noch ein weiter Weg

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 06. Oktober 2016

Freiburg Südwest

Ein Rundgang mit Sran Baumgart, der städtischen Beauftragten für Menschen mit Behinderung, zum Thema Barrierefreiheit zeigt, was in Haslach noch im Argen liegt.

HASLACH. Parkende Autos, die ohnehin schon schmale Fußwege noch mehr einengen, sind in Haslach weit verbreitet. Außerdem gibt’s noch etliche andere Barrieren, die besonders Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen den Alltag erschweren. Wo sind diese Hindernisse? Und welche Lösungen gibt es? Eine Gruppe war auf Einladung des Lokalvereins mit Sarah Baumgart, der städtischen Beauftragten für Menschen mit Behinderung, im Stadtteil unterwegs.

Es ist nur ein kurzer Spaziergang: vom Pflegeheim St. Laurentiushaus an der Staufener Straße am Scherrerplatz vorbei die Carl-Kistner-Straße entlang zum Dorfbrunnen, dann zum Friedhof an der Uffhauser Straße. Und alles wieder zurück. Doch der kleine Rundgang zieht sich eineinhalb Stunden hin, weil die Gruppe auf so viele Störfaktoren stößt. Gleich an der Ecke zwischen Feldbergstraße und Carl-Kistner-Straße geht’s los: Die meisten haben die Straße erst zur Hälfte überquert, als die Ampel schon wieder auf Rot schaltet. Hannelore Fischer, die in der betreuten Wohnanlage des St. Laurentiushauses wohnt, erlebt das mit ihrem Rollator ständig. "Es dauert nur neun Sekunden, bis es Rot wird", sagt sie. Da nutze es nichts, wenn die Autos danach noch nicht sofort losfahren, findet die SPD-Stadträtin Karin Seebacher: "Man fühlt sich unsicher, sobald Rot ist."

Gegenüber bei der Bushaltestelle der Linie 14 stadtauswärts würde Hannelore Fischer gern öfter einsteigen und nach St. Georgen fahren. Doch das schafft sie nur mit Begleitperson, nicht allein. Denn die Lücke zwischen Busausstieg und Gehweg ist zu groß (die BZ berichtete). Die VAG wollte den Gehweg bereits mit Asphalt verbreitern, doch laut den Computerberechnungen der Stadtverwaltung sei die angedachte Lösung nicht möglich, erzählt Markus Schupp, der Vorsitzende des Lokalvereins. Jetzt stünden sich zwei gegensätzliche Einschätzungen gegenüber.

Vor dem Edeka an der Carl-Kistner-Straße wird’s eng: Besonders in den Stoßzeiten parken ständig Autos auf dem Fußgängerweg, zum Beispiel an der Einfahrt zum Langackerweg. Dazu kommen viele Räder, die ebenfalls kreuz und quer stehen. Das sei nicht nur für Menschen mit Gehbehinderungen ein Problem, sondern auch gefährlich für Sehbehinderte, sagt Sarah Baumgart und überlegt, ob gekennzeichnete Fahrradparkplätze möglich wären. Sehr störend finden alle auch den Parkplatz vor der Carl-Kistner-Straße 30 a: Er lässt kaum noch Platz auf dem Gehweg. Dieser Parkplatz sei ein Zugeständnis des Lokalvereins gewesen, weil die Parkplätze so knapp seien, sagt Markus Schupp. Soll er nun doch weg?

Samstags ist der Gehweg am meisten zugestellt

Und was ist mit den vielen Obst- und Gemüseauslagen des italienischen Lebensmittelgeschäfts? Auch sie schränken den Platz auf dem Fußgängerweg spürbar ein. Einerseits wirken die Stände "liebenswert", finden der CDU-Stadtrat Berthold Bock und viele andere, "doch es wird dadurch sehr eng." Verschärft gelte das mittwochs und samstags, wenn vor der Metzgerei Hügle ein weiterer Stand mit Bioland-Gemüse dazukomme. Darum wollen Mitglieder des Lokalvereins an einem Samstag die Lage noch gesondert testen. Ganz schwierig wird das Durchkommen vor dem "Lidl" – Roller und Räder überall. Eine Überlegung: Möglicherweise würde sich die Lage entspannen, wenn die Radplätze ein Stück Richtung Scherrerplatz verlegt würden, weiter weg vom "Lidl"-Eingang. Ebenfalls zu schmal sind die Stege an der Straßenbahnhaltestelle stadtauswärts, kritisiert Sarah Baumgart: Dort könnte ein Geländer dafür sorgen, dass sich trotzdem alle sicherer fühlen.

Der Platz am Dorfbrunnen soll bald umgestaltet werden, ein Teil davon vor dem Reformhaus gehört der Baugenossenschaft Familienheim, die dort mehr Parkplätze als bisher plant. Wie kann man verhindern, dass es sehr viel enger wird?

Am Friedhof stören vor allem die Kieswege, die für Gehbehinderte kaum zu bewältigen sind. Zumindest auf den Hauptwegen sollte sich was tun, bilanziert Markus Schupp. Auch barrierefreie Friedhof-Toiletten gibt’s bisher nicht. Vor dem Drogeriemarkt "dm" dann wieder der Haslach-Klassiker: alles zugeparkt, kaum ein Durchkommen möglich. Helga Eckert ist zurzeit auf Krücken unterwegs. Sie macht öfter mal Umwege, wenn auf den angestrebten Wegen nichts mehr geht. Zumindest beim Spargelstand vor der Apotheke am Scherrerplatz soll sich in der nächsten Spargelsaison 2017 was tun: Bisher stand er zu weit auf dem Gehweg. Das Garten- und Tiefbauamt habe versprochen, mit dem Betreiber eine Lösung zu finden, sagt Markus Schupp.