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10. Oktober 2009
Die Lichtblicke im Leben
MENSCHEN VON NEBENAN: Stefan Hiermaier, schon lange begeisterter Fotograf, stellt erstmals aus
GÜNTERSTAL/HAID. Großformatige Fotografien von Stefan Hiermaier sind derzeit im italienischen Restaurant "Zylinder" auf der Haid, Bötzinger Straße 31, zu sehen. Es ist die erste Ausstellung des 44-Jährigen, der im Hauptberuf stellvertretender Leiter des Fraunhoferinstituts für Kurzzeitdynamik ist. Mit der Fotografie beschäftigt er sich aber schon seit seiner Schulzeit.
Die Bilder prägen sich ein, aufgrund ihrer Präzision im Detail und wegen des Umgangs mit dem Licht. In einem Fall wird der Blick des Betrachters von einem Innenhof entlang ockerfarbener Hauswände hin zu einem fünfeckigen tiefblauen Stück Himmel gelenkt, ein anderes Foto zeigt das Innere einer Kirche aus Bruchsteinmauerwerk, die dem Verfall preisgegeben ist. Auch hier spielt Licht eine große Rolle. Das Foto ist entstanden, kurz bevor die Nachmittagssonne in das rote Abendlicht übergeht – mit langer Belichtungszeit und kleiner Blende. Die Aufnahmen der Serie "Lichtblicke" sind in Ligurien und in der Marche aufgenommen worden, bei Urlaubsaufenthalten in den beiden italienischen Regionen. Auf Hiermaiers Webseite sind weiterhin eindrucksvolle Architekturaufnahmen zu sehen, berührende Porträts sowie Aufnahmen von Details wie beispielsweise von Dornen eines Rosenstengels.Werbung
Hiermaier fotografiert, seit er 16 ist. Auslöser war ein Fotokurs an seiner Schule im heimischen Weiden in der Oberpfalz. Fasziniert habe es ihn, in der Dunkelkammer zu erleben, was sich aus dem Ausgangsmaterial machen lässt und welche Wirkungen die verschiedenen Objektive hervorrufen. Seine erste Spiegelreflexkamera war eine Pentax ME Super.
Das Vergrößern von Fotos in der Dunkelkammer ist für ihn aber Geschichte, seit zehn Jahren fotografiert Stefan Hiermaier digital, derzeit überwiegend mit einer Canon EOS 5D. Zum ersten Mal zeigt er nun öffentlich seine Werke. Die Wirkung der im Freiburger Fotofachlabor Peter Trenkle auf große Formate gezogenen Bilder habe ihn selbst überrascht, ebenso das Glücksgefühl, das sich einstellt durch das Ausstellen an sich. "Es ist etwas ganz anderes, als wenn man Bilder nur für sich betrachtet", sagt er. Weitere Ausstellungen sind geplant.
Nach Freiburg ist Stefan Hiermaier 1996 gekommen, und zwar aus München, wo er Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat. Seit zehn Jahren ist er stellvertretender Leiter beim Fraunhoferinstitut für Kurzzeitdynamik und Leiter der Abteilung Werkstoffcharakterisierung und Numerische Simulation. Hiermaier beschäftigt sich mit der Beschreibung dynamischer und hochdynamischer Prozesse, um beispielsweise herauszufinden, was bei einem Autocrash oder beim Zusammenstoß eines kleinen Meteoriten mit einem Satelliten mit den Werkstoffen passiert. Wichtige Instrumente sind computergestützte Simulationen.
Die Begeisterung für das Arbeiten am Computer hat der Wissenschaftler auf die Fotografie übertragen. Sie ist jedoch nicht das einzige Hobby des 44-Jährigen. Stefan Hiermaier, der mit seiner Ehefrau am Waldrand in Günterstal wohnt, läuft gern. Wenn er die Laufschuhe schnürt, dann für ein- bis zweistündige Touren in den Schwarzwald. Bis 2003 hat der Vater einer erwachsenen Tochter regelmäßig an Triathlon- und Marathonwettbewerben teilgenommen. Wichtig sind für ihn auch Bücher, vor allem philosophische Texte und Beiträge, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen auseinandersetzen. Derzeit liest er Karl Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde".
Eine Auswahl der Fotografien von Stefan Hiermaier können auf der Webseite www.linsenlicht.de betrachtet werden.
Autor: Silvia Faller


