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20. Oktober 2011

Ein Netz für die Nachbarn

Der Verein Nachbarschaftswerk organisiert im "Haslacher Netz" ehrenamtliche Hilfe.

  1. Kultur des Helfens: Regina Behringer-Heck besucht Marga Winterhalter regelmäßig in ihrer Wohnung an der Haslacher Straße – eins von vielen Beispielen für Engagement im „Haslacher Netz“. Foto: Ingo Schneider

HASLACH. In diesem Dezember wird es in Haslach etwas geben, was es hier noch nie gegeben hat: einen öffentlichen Adventskalender. Jeden Tag werden Leute Lieder singen, Gedichte vortragen, Theater spielen oder sich sonst etwas Nettes ausdenken, das sie den Haslachern präsentieren. Nur eine von vielen guten Ideen, die aus dem Umfeld des "Haslacher Netzes" kommen, einem sozialen Projekt des Vereins Nachbarschaftswerk. Doch das ist nun gefährdet – die Finanzierung läuft aus.

Regina Wielsch ist seit neun Jahren Sozialberaterin beim Nachbarschaftswerk und eine Frau mit Ideen. Bei ihrer Arbeit – sie berät Menschen in sozialen Notlagen – bemerkte sie zwangsläufig, dass es in Haslach viele bedürftige Menschen gibt. Mehr, als eine Sozialberatung bewältigen kann. Im Frühjahr 2005 setzte sie sich deshalb mit Pfarrer Jochen Kunath von der evangelischen Melanchthongemeinde und Gemeindereferent Richard Kerchner von der katholischen Pfarrei St. Michael zusammen. Die drei überlegten: Wie kann man ehrenamtliche Hilfe auf die Beine stellen? So entstand im September 2005 das "Haslacher Netz": Freiwillige melden sich bei Regina Wielsch, diese vermittelt sie an bedürftige Haslacher, die wiederum von den Freiwilligen unterstützt werden.

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"Wir wollten eine Kultur des Helfens im Stadtteil etablieren und das Bewusstsein für ein Füreinander mit Miteinander schaffen", sagt Regina Wielsch heute. Das hat gut geklappt. Rund 50 Menschen haben sich sich bislang engagiert, geholfen werden könnte viel mehr. So wie der blinden Marga Winterhalter in der Haslacher Straße, die allein lebt. Regina Wielsch hatte überlegt, wer als Betreuung in Frage kommen könnte, vermittelte dann Regina Behringer-Heck, die seit fünf Jahren beim "Haslacher Netz" dabei ist. Jetzt bekommt die alte Dame einmal in der Woche von ihr Besuch – etwas, was beiden Spaß macht. Andere "Netzwerker" helfen Kindern bei Hausaufgaben, gehen für behinderte Menschen einkaufen oder sorgen dafür, dass Menschen im Rollator zum Spazierengehen kommen.

Allerdings: "So eine Koordinationsarbeit muss man professionell machen", ist Wielsch überzeugt. Immerhin müsse man einschätzen können, ob bei bedürftigen Menschen nicht besser ein Pflegedienst kommt oder ob das ehrenamtlich überhaupt zu schaffen ist. Und nicht zu vergessen: Einmal im Monat treffen sich die Helfergruppen, um unter Anleitung von Regina Wielsch über die Betreuung zu sprechen oder sich gegenseitig Rat zu geben.

Das "Haslacher Netz" ist also geknüpft und aus Haslach eigentlich nicht mehr wegzudenken. Umso mehr treibt es Regina Wielsch und Matthias Staenke, den Geschäftsführer des Nachbarschaftswerks, um, dass die Finanzierung auf der Kippe steht. Ungefähr 15 000 Euro pro Jahr kostet es, das Netz zu pflegen und stabil zu halten; das reicht unter anderem für die acht Stunden in der Woche, die sich Regina Wielsch darum kümmert. Zwei Jahre lang wurde das Netz vom Projekt "Soziale Stadt Haslach" finanziert, dann sprang die BZ-Aktion "Weihnachtswunsch" bei und in den vergangenen drei Jahren gab die Badische Landeskirche Geld. Ende des Jahres ist Schluss. "Nun brauchen wir eine Anschlussfinanzierung", sagt Staenke. Die beiden Kirchengemeinden und das Nachbarschaftswerk allein können das nicht stemmen – sie hoffen auf Unterstützung, auch durch Spenden.

Haslacher Adventskalender, 1. bis 24. Dezember, Treffpunkt täglich 17.30 Uhr am Dorfbrunnen an der Carl-Kistner-Straße, Ecke Uffhauser Straße.

Infos über das Haslacher Netz im Internet unter http://www.nachbarschaftswerk.de

Autor: Simone Lutz