Fragen eher zu Inhalten als zur Optik

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 07. Oktober 2017

Freiburg Südwest

Neubebauung der Quartiersmitte Haid war Thema einer Bürgerinformation / "Regio Pflegedienst" plant auch hier ein Angebot.

HAID. Nachdem bereits der Gestaltungsbeirat sein Votum zur geplanten neuen Quartiersmitte im Gebiet "Auf der Haid" abgegeben hat (siehe BZ von gestern), durften sich am Donnerstagabend auch die Bürger zu den Entwürfen äußern. Das Interesse am Projekt der aus Baden-Baden stammenden IBA Immobilien Beteiligungs- und Anlage GmbH war groß. Allerdings wollten die rund 120 Anwesenden hauptsächlich Details wissen, die noch gar nicht feststehen. Zu den Neubauten an sich gab es nur wenige Anmerkungen: sowohl negative als auch positive.

Die neue Quartiersmitte soll an der Ecke Hurstweg/Rankackerweg neben dem Umspannwerk entstehen – und die Initialzündung sein für die Neugestaltung des Gebiets "Auf der Haid", das sich nördlich und östlich an das Gewerbegebiet Haid anschließt.

Für die weitere Entwicklung des Viertels gab es bereits einen ausführlichen Bürgerbeteiligungsprozess, an dessen Ende ein Rahmenplan stand. Darin wurden auch Vorschläge für die Quartiersmitte gemacht. Dass sich die nun vorgesehene Bebauung an diesen Plänen in etlichen Aspekten nicht orientiert, hatte der Gestaltungsbeirat in seiner Sitzung deutlich kritisiert und Nachbesserungen gefordert.

Für die Bürger war die Art der Bebauung bei der Informationsveranstaltung jedoch nur am Rande Thema. Lediglich zwei Teilnehmer äußerten sich kritisch über die vorgesehenen Gebäudehöhen, die mit dreieinhalb und viereinhalb Etagen über dem liegen, was sonst im Viertel üblich ist. "Das sind schon massive Blöcke", meinte ein Mann. Andererseits gab es auch positive Rückmeldungen. "Mir gefällt das gut", sagte ein Teilnehmer.

In den neuen Gebäuden sollen verschiedene Angebote für Senioren entstehen. Betreiber wird der Regio Pflegedienst Breisgau. Dieser hat bereits im Stadtteil Vauban im Projekt "Vaubanaise" ein neuartiges Wohnangebot für alte und junge pflegebedürftige Menschen geschaffen. Eine solche Wohngruppe mit 15 Plätzen soll auch in der Quartiersmitte "Auf der Haid" entstehen. Zudem seien 18 Tagespflegeplätze für Senioren geplant, erläuterte Dietmar Wasmuth, Geschäftsführer des Regio Pflegedienstes Breisgau. Und von den insgesamt 65 Mietwohnungen, die in den drei neuen Häusern vorgesehen sind, sollen 39 barrierefrei und damit für ältere Menschen geeignet sein. Zudem werden diese Wohnungen mit weiteren Hilfsmitteln ausgestattet, etwa mit einem Notrufsystem.

Reines Altenzentrum ist nicht vorgesehen

Ein "reines Altenzentrum" solle die neue Quartiersmitte aber keinesfalls werden, betonte Oliver Schlums vom Architekturbüro Kühnl + Schmidt aus Karlsruhe, von dem die Entwürfe für die Neubauten stammen. Ein Mann im Publikum hatte die Befürchtung geäußert, dass Angebote für jüngere Menschen oder Familien zu kurz kommen könnten. Gabriela Bernauer vom Bürgerverein Haid verwies indes darauf, dass sich in Umfragen des Vereins viele Bewohner des Quartiers mehr Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen gewünscht hatten, um ihre angestammte Umgebung nicht verlassen zu müssen, sobald sie auf Hilfe angewiesen sind.

Ab 2018 Verfahren zum Bebauungsplan

Wenn Senioren in die neuen Gebäude in der Quartiersmitte umzögen, würden dadurch im Viertel Häuser für junge Familien frei, sagte Bernauer: "Das wird insgesamt zu einer Verjüngung des Quartiers führen."

Im Detail hatten die Teilnehmer der Infoveranstaltung viele Fragen: Wann ist Baubeginn? Wann sind die neuen Gebäude fertig? Wie hoch wird die Miete sein? Wird es auch 50 Prozent sozial geförderte Wohnungen geben, so wie dies ein Gemeinderatsbeschluss vorsieht? Welche Läden und Geschäfte sollen sich in den Neubauten ansiedeln? Reichen die 66 vorgesehenen Stellplätze in der Tiefgarage wirklich aus?

Der Prozess stehe erst ganz am Anfang, erklärte Gabi Lebherz vom Freiburger Stadtplanungsamt. Erst im kommenden Jahr starte das Bebauungsplanverfahren, in dessen Verlauf Genaueres festgesetzt werde. Die anwesenden Architekten verwiesen bei etlichen Fragen auf den Investor IBA Immobilien. Das Unternehmen war bei der Infoveranstaltung jedoch nicht vertreten.