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27. März 2017

Wiedersehen!

Die Geschichte der heutigen Gaststätte "Alt-Haslach" in der Markgrafenstraße

In einem Haslacher Gebäudekomplex befand sich erst in einem Teil der „Markgrafen“, dann im anderen das „Alt-Haslach“.

  1. Den nach 1900 entstandenen Gebäudekomplex mit der einstigen Gaststätte „Zum Markgrafen“ zeigt die historische Postkarte. Foto: Archiv Hans Oehler

  2. Nur noch die Fassadeninschrift ist vom „Markgrafen“ erhalten, dafür befindet sich die Wirtschaft „Alt-Haslach“ am östlichen Ende des Blocks (rechts, hinter dem Baum). Foto: Ingo Schneider

HASLACH. Der Gebäudekomplex Markgrafenstraße 51 bis 55 a ist in den Jahren 1901 bis 1902 entstanden. Die Fassade steht für den damals sehr angesagten Stil des Historismus, welcher vergangene Bauepochen zitiert und sich hier unter anderem im Scheinfachwerk des westlichen Giebels zeigt.

1899 hatte sich der Bautechniker Michael Schiele um eine Konzession "in einem noch zu erbauenden Hause" bemüht. Zwar wurden einige Details – wie etwa die schmale Eingangstür – bemängelt, doch die geplanten Häuser konnten in Bau gehen.

Erster Wirt war Albert Keller vom Gasthaus "Zum Kreuz" an der Opfinger Straße, welches ein paar Jahre später aufgrund des Brückenbaus für die Güterbahn abgebrochen wurde. Nach weiteren Betreiberwechseln erwarb Landwirt Wilhelm Blank 1905 das Haus mit dem darin befindlichen Gasthaus. Auf der historischen Postkarte von 1906 zeigt die Fassadenaufschrift, dass Friedrich Blank die Wirtschaft übernommen hatte. Mit ihm kehrte Kontinuität ein und er führte den Betrieb 20 Jahre lang.

Eine Innenansicht aus den späten 1920er Jahren zeigt Liebe zum Detail: Farbige Glasscheiben, wie man sie in repräsentativen Häusern findet, trennen den Gastraum vom Nebenzimmer. Viel Holz und zur Seite gebundene Gardinen bringen Gemütlichkeit in das Lokal.

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Von Friedrich Blanks Gesuch allerdings, im Haus eine Nachtherberge einzurichten, hielt die Stadt wenig. Mehrmals hatte der Wirt geklagt, dass er in den Abendstunden öfters Durchreisende abweisen müsste, welche auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit seien. Die Behörden bemängelten jedoch, dass die Wohnverhältnisse der Wirtsfamilie selbst sehr beengt seien, so dass möglicherweise "gänzlich unhaltbare Zustände geschaffen" würden.

1929 erwarb Bäckermeister Engelbert Oess die beiden westlichen Gebäude des Komplexes, Markgrafenstraße 51 bis 53, samt Wirtschaft und führte diese zusammen mit seiner Ehefrau. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudeblock nur leicht beschädigt. Nach dem Krieg beantragte die Tochter der inzwischen verstorbenen Wirtsleute Oess, Anna Schlude, die Konzession. Bis zur Wiedereröffnung waren jedoch einige Renovierungsarbeiten fällig.

In den 1970er Jahren zog dann der Polizeiposten Freiburg-Haslach in die inzwischen ehemaligen Gasträume. 1981 sorgte der Komplex für Aufregung: Für den mittleren Gebäudeteil, in dem zuvor die Metzgerei Mayer angesiedelt gewesen war, war eine gastronomische Nutzung angestrebt. Dies stieß auf Widerstand bei mehreren Anwohnern.

Auch der damalige Stadtrat Horst Bernnat beklagte das Verschwinden von Geschäften für die Nahversorgung und deren Umwandlung in gastronomische Betriebe. Trotzdem eröffnete im Februar 1983 die Gaststätte "Alt-Haslach" – jedoch nicht in den einstigen Einzelhandelsräumen, sondern am östlichen Ende in einer ehemals von Metzger Mayer genutzten Wohnung. Kurz zuvor war die Fassade noch restauriert worden.

Heute präsentiert sich das Anwesen nur leicht verändert, wie der Vergleich von historischem und aktuellem Bild zeigt: Das Fachwerk ist nun unter Schindeln verborgen, und die Gauben sind vereinfacht. Die Aufschrift "Gasthaus zum Markgrafen" befindet sich jedoch nach wie vor an der Fassade. Die früheren Gewerberäume im Block werden nun überwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Die Gaststätte "Alt-Haslach" wird seit 2005 von den Wirtsleuten Cornelia und Michael Flor betrieben, welche ursprünglich aus Leipzig stammen. Der nicht nur bei Haslachern beliebte Treffpunkt ist bekannt für seine Spezialität Cordon Bleu.

Autor: Carola Schark