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17. Juli 2010

"Haslach – ein bisschen wie Neukölln"

BZ-INTERVIEW mit Inga Schonlau und Wolfgang Klüppel über das Tanztheaterprojekt "Haslach 2010 – deine Heimat".

  1. Grün, grüner, Haslach: Inga Schonlau und Wolfgang Klüppel, die Initiatoren der Vor-Ort-Aktionen des Theaters über den Baumwipfeln des Stadtteils, in dem sie selbst wohnen. Foto: Thomas Kunz

HASLACH. Zu Beginn der neuen Spielzeit Anfang Oktober geht das Tanztheater pvc raus aus den angestammten Räumen des Stadttheaters und rein in den Stadtteil Haslach. "Haslach 2010 – deine Heimat" heißt das Projekt mit Künstlern und Haslacher Bürgern. Was auf den Straßen und in den Wohnungen des Stadtteils geplant ist, darüber sprach Frank Zimmermann mit dem freien Regisseur Wolfgang Klüppel und mit Inga Schonlau (beide 35), Dramaturgin am Theater Freiburg und zusammen mit Graham Smith und Tom Schneider künstlerische Leiterin von pvc.

BZ: Sie leben selbst in Haslach. Was ist für Sie das markante an diesem Stadtteil?
Inga Schonlau: Wir kennen ihn noch gar nicht so gut, weil wir erst im vergangenen Dezember hierher gezogen sind. Insofern ist das Projekt auch für uns ein Kennenlernen. Unter den Freiburger Stadtteilen ist Haslach schon ein sehr spannungsreicher Stadtteil mit sehr verschiedenen Bevölkerungsstrukturen. Wir sind noch dabei zu kapieren, wie das funktioniert – wie diese dörflichen Strukturen zusammenpassen mit dem, was man eher einer Großstadt zurechnen würde.

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Wolfgang Klüppel: Wir haben vorher beide dreizehn Jahre in Berlin gelebt, für mich ist Haslach ein bisschen wie Neukölln, zum Beispiel von der Entspanntheit der Menschen her. Auffallend ist, wie wahnsinnig grün es hier ist, ich habe selten einen Stadtteil kennengelernt, der so viele Gärten hat. Es ist ein vielseitiger Stadtteil, und es gibt eine gewisse Offenheit bei den Leuten.
BZ: Viele Haslacher hatten noch nie mit Tanz und Theater zu tun. Wie gehen Sie vor, um Interesse zu wecken?
Klüppel: Für mich ist das wie beim Domino, ein Stein stößt den nächsten an. Zuerst haben wir Kontakt mit Leuten von Institutionen aufgenommen: etwa mit Pfarrer Jochen Kunath, SPD-Altstadträtin Renate Kiefer, Hubert Nixdorf, dem Vorsitzenden des Lokalvereins, Martina Schöpflin von der gleichnamigen Bäckerei. Dann saßen wir im Hirschen und haben den italienischen Wirt gefragt, der uns gesagt hat, wen wir noch so fragen könnten. Die Leute sind immer erstaunt, was das Theater hier in Haslach will. Man kommt echt schnell mit ihnen ins Gespräch und erfährt dann auch von Stadtteilinstitutionen wie einem Kommissar-Stammtisch, der sich im Café trifft.
Schonlau: Wir greifen natürlich auch auf Material zurück, das es schon gibt über Haslach: etwa die Chronik des ehemaligen Pfarrers Scherrer. Und dann gibt es den Stadtteilentwicklungsplan der Stadt, der bauliche und strukturelle Veränderungen im Stadtteil festschreibt.
BZ: Ist Ihnen auch Skepsis begegnet?
Klüppel: Wenn man die Leute anruft, blitzt man schnell ab. In dem Moment aber, in dem man ihnen gegenüber steht, kommt man gut mit ihnen in Kontakt.
Schonlau: Schwieriger könnte es werden, die Leute bei der Stange zu halten, wenn es um persönlichere Aspekte geht, mit denen man normalerweise nicht an die Öffentlichkeit geht. Am Mittwoch gab es zum ersten Mal ein Training einer Tänzerin mit dem Ringer Adolf Seger. Wir hatten ihn erst am Tag zuvor mit der Idee konfrontiert, dass wir ein Duett mit ihm einstudieren wollen. Ringen hat eine große Ähnlichkeit mit Tanz.
BZ: Was ist noch geplant?
Schonlau: Wir arbeiten an einem Stadtteilrundgang, der den Zuschauer an verschiedene Stationen führt, an denen er künstlerische Interventionen und Installationen vorfindet. Vieles wird im Freien stattfinden, wir werden aber auch in Wohnungen gehen. Der Schwerpunkt liegt beim Tanz. Es arbeiten daneben allerdings auch bildende Künstler, Musiker und Hörspielautoren mit den Haslacher Bürgern. Wir verfolgen nicht die eine Geschichte.
BZ: Wer aus Haslach wird mitmachen?
Klüppel: HipHopper aus dem Jugendtreff, der Gesangverein, die Harmonika-Sisters, Bewohner der Gartenstadt, Menschen aus dem Laubenhof, Studierende der Grafik-Design-Hochschule, mit denen wir interaktive Litfass-Säulen aufstellen wollen. Wir haben Kontakt zu Sinti und Roma aufgenommen, zu Boule-Spielern, Kleingärtnern... Wir versuchen, Austausch zwischen den Menschen herzustellen, wie er sonst nicht üblich ist.
Schonlau: Der Stadtrundgang ist ein zentrales Element des Festivals, außerdem gibt es rund um den mobilen Theaterraum Orbit an der Staudinger-Schule täglich Programm. Dafür brauchen wir unbedingt noch interessierte Bürgerinnen und Bürger. Jeder, der etwas zum Thema Heimat und Wohnen in Haslach beizutragen hat, ist willkommen.
Klüppel: Und wir suchen noch Teilnehmer für die Parade, sie soll an die alten Jubiläumsparaden der Vereine anknüpfen, die es bis in die 1960er Jahre gab.

"Haslach 2010 – deine Heimat!": Stadtrundgänge am 8., 9., 15., 16. Oktober; der Orbit steht vom 4. bis 17. Oktober an der Staudinger-Schule. Die Parade findet am 17. Oktober ab 12 Uhr statt. Interessierte können sich melden unter info@pvc-tanz.de oder Tel. 0177/7071682

Autor: fz