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07. Februar 2012
Liebesgrüße aus der Pausenhalle
Bei der St. Georgener Ratssuppe machte die Reblauszunft sich auch Gedanken über die "neue Flamme" des Oberbürgermeisters.
ST. GEORGEN. Zum Auftakt der Freiburger Straßenfasnet im Stadtteil St. Georgen mussten sich die Narren und die zahlreichen Zuschauer am Wochenende warm anziehen. Einige Schichten mehr waren nötig, um die klirrende Kälte beim Umzug am Sonntagnachmittag aushalten zu können. Während draußen schon die Vorbereitungen dafür liefen, heizte die Reblauszunft den Gästen bei der traditionellen "Ratssuppe" in der Pausenhalle der Schönbergschule vor dem Umzug kräftig ein: Mit einer deftigen Nudelsuppe und einigen ebensolchen Witzen.
Ein Thema hat Freiburg im Jahr 2011 dominiert wie kein zweites: der Papst. In St. Georgen war das Kirchenoberhaupt zwar nicht, das war aber auch gar nicht nötig. Im Stadtteil gab es einen eigenen Papst. Den heiligen "Bernhardetto", der mit weit ausgebreiteten Armen auf seinem Papamobil (das eigentlich ein Trecker ist) durch den Stadtteil fuhr – was ein Bild bei der Ratssuppe bewies. Die eigens mit dem Bild bedruckte Stofftasche fand bei der Versteigerung unter den Gästen der Ratssuppe jedoch ähnlich viel Anklang wie die offiziellen Papstbänke. Apropos Papstbank: Die gab es bei der Ratssuppe selbstverständlich auch, allerdings nur in Miniaturform. Mit nach Hause nehmen durfte sie Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach – zusammen mit dem Narrenpreis und einem Stiftungsguthaben von 111 Euro. Dieses soll als Anzahlung dienen: Für das in St. Georgen seit Jahren gewünschte Kultur- und Vereinshaus, das nun, so wünschen es sich die Narren, "nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden soll". Beweisen musste sich Ulrich von Kirchbach auch im St. Georgener Dschungel – und wurde dafür als "Dschungelkönig" gekürt.Werbung
Gerne hätte die Reblauszunft auch Oberbürgermeister (OB) Dieter Salomon bei der Ratssuppe begrüßt. Doch die Narren äußerten Verständnis dafür, dass seine neue Lebensgefährtin ihren Dieter am Sonntagmorgen auch einmal für sich allein haben möchte. Obwohl: Mehr über das Liebesleben des OB hätten die Narren schon gerne erfahren. Die Gruppe "Mistkratzer" (bei der in diesem Jahr Michael Faller den erkrankten Zunftvogt Klaus Wenzler an der Seite von Anja Hanser ersetzte) versuchte, über die neue Behördenhotline etwas heraus zu bekommen. Aber: Fehlanzeige.
Als Trost blieb den Narren nur, dem OB eine Postkarte zu schicken – eine Werbepostkarte von Badenova, von der der Energieversorger möglicherweise nicht gewusst hat, welche Aktualität sie bekommen könnte. "Grüß mir die neue Flamme" ist auf der Karte zu lesen, die Martin Meier dem Publikum präsentierte.
Sein traditioneller Jahresrückblick bildete den Abschluss der Ratssuppe – und wie immer einen der Höhepunkte. In Versform berichtete Meier über große, vor allem aber über kleine Ereignisse aus St. Georgen. Etwa über ein Mitglied des Musikvereins, das nach einem Fest durch die Weinberge nach Hause fahren wollte. Da er schon einige Bier und Wein intus hatte und nicht auffallen wollte, schaltete er das Licht an seinem Auto aus – und dafür den Navi ein. Angekommen ist er schließlich irgendwie, zum Nachmachen eignet sich diese Geschichte jedoch trotzdem nicht.
Große Augen werden auch die Mitarbeiter einer St. Georgener Bäckerei gemacht haben, als ein Zahnarzt eines Morgens mit zwei großen Bierkrügen vor ihnen stand und Kaffee haben wollte. Denn: Er residierte, nachdem er zuhause ausgezogen war, vorübergehend in seiner Praxis. Dort hatte er dann aber Damenbesuch empfangen – und am nächsten Morgen wollte er die neue Flamme selbstredend noch mit Kaffee beglücken, was ohne Maschine jedoch schwer möglich war. Natürlich halfen die Bäckerei-Angestellten aus. Was aus der neuen Liebe mittelfristig geworden ist, blieb jedoch auch in diesem Fall im Dunkeln.
Nach der Ratssuppe für die geladenen Gäste ging es dann fast nahtlos über in den großen Fasnetumzug durch St. Georgen mit rund 80 Gruppen, den mehrere tausend Zuschauer anschauten. Für einen Wermutstropfen sorgte, dass die Polizei nachher meldete, rund um den Umzug seien den Beamten knapp 120 stark Alkoholisierte, vor allem Jugendliche, aufgefallen. Drei junge Frauen seien so betrunken gewesen, dass sie ins Krankenhaus gebracht wurden (siehe Seite 21).
Autor: Jelka Louisa Beule


