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24. Dezember 2011

Reichlich Platz im Kindergarten

Das Kinderhaus am Luckenbach ist kein reiner Schülerhort mehr.

  1. Süße Weihnachtskerzen für alle: gebastelt von Mia, Kevin und Ramisa (von links). Foto: Michael Bamberger

HASLACH. Weihnachtskerzen können gut schmecken – wenn sie von Ramisa (4), Maryam (5), Mardia (3), Mia (4) und den anderen Kindern im Kinderhaus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Luckenbach gebastelt wurden. Denn ihre Kerzen bestehen aus Keksen. 13 Jungs und Mädchen gehen seit Mitte November in die neue Kindergartengruppe, die sich das Kinderhaus an der Mathias-Blank-Straße mit zwei Schülerhortgruppen teilt. Ab Januar kommen weitere Kinder dazu, und wenn alle 20 Kindergartenplätze belegt sind, ist eine zweite Gruppe geplant.

Es geht ganz einfach: Unten liegt der mit Schokolade gefüllte Doppelkeks, darauf wird ein Schoko-Waffelröllchen geklebt und oben folgt eine Nuss als brennender Docht. Dafür, dass alles Bestand hat, sorgt Klebstoff aus Puderzucker und Zitrone. Sabine Silber, Diplom-Pädagogin und Kinderhausleiterin, und die Erzieherin Simone Scappini haben die Kekse verteilt und den Kindern beim Basteln geholfen.

Davor waren, wie jeden Morgen, der Morgenkreis und, wie täglich im Dezember, das Öffnen der zwei Adventskalender dran: Einer mit Süßigkeiten, einer mit Pixie-Büchern. An den Fenstern hängen bunte selbst gebastelte Sterne und goldene Tannenzapfen. Ansonsten aber ging es die vergangenen Tage nicht übertrieben weihnachtlich zu, erzählt Sabine Silber: Immerhin kommen rund die Hälfte der Kinder aus muslimischen Familien und feiern Weihnachten daheim nicht. Ähnlich ist es bei den 32 Hortkindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, die immer nach und nach mittags ab 12 Uhr eintrudeln – zu der Zeit ist der Tag für die Kindergartenkinder fast schon wieder vorbei, denn sie werden um 14 Uhr abgeholt. Die Hortkinder dagegen bleiben bis 17 Uhr. Sabine Silber fände es schön, wenn die Kleinen und die Größeren mehr gemeinsame Zeit hätten, bis jetzt ist das Mittagessen um 13 Uhr das einzige, was alle verbindet.

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Das würde sich ändern, falls die Kindergartenplätze auf Ganztagsbetreuung umgestellt würden. Bedarf wäre da, ist der Eindruck von Sabine Silber. Zurzeit ist erstmal Eingewöhnen und Einleben angesagt. Das ist nicht leicht, weil alle Kinder bei der Eröffnung Mitte November neu dazu kamen und sich nicht kannten. Alle waren zum ersten Mal in einem Kindergarten, einige sprechen wenig Deutsch. Für die künftig 20-köpfige Gruppe sind drei Erzieherinnen im Einsatz, die sich zwei Stellen teilen, im Schülerhort arbeiten drei Erzieherinnen und ein Erzieher mit 70-Prozent-Stellen.

Eines haben die Kinder hier auf jeden Fall: Platz. Im Sommer ohnehin, denn es gibt einen Garten und ein Fußballfeld. Aber auch drinnen, denn die neue Gruppe hat zwei Räume für sich, zwei weitere für die geplante zweite Kindergartengruppe stehen noch leer. Und bis mittags, wenn die Hortkinder kommen, ist auch in deren insgesamt vier Zimmern nichts los. Ursprünglich war das gesamte Kinderhaus ein Hort. Doch vor drei Jahren wurden die vier Gruppen auf zwei reduziert, erzählt Sabine Silber. Damals wurde die Vigelius-Grundschule zur Ganztagsschule, die Stadtverwaltung baute Hortplätze ab. Derzeit wäre die Nachfrage nach Hortplätzen deutlich größer als das geschrumpfte Angebot, sagt Sabine Silber – wahrscheinlich, weil der Ausbau zu Ganztagsschulen insgesamt zu langsam vorangehe und manche kleine Schule wie die Schenkendorf-Förderschule ihr Halbtagsangebot beibehalte. Sabine Silber hat bei ihrer Warteliste ein "Ranking" eingeführt, bei dem berufstätige Alleinerziehende die besten Chancen haben.

Ein Vorteil vom Hort im Vergleich zur Ganztagsschule ist die viel geringere Zahl der Schließtage: Im Kinderhaus am Luckenbach sind es – sowohl im Kindergarten als auch im Hort – 30 im Jahr. Auch nach Weihnachten gibt’s nur kurz Pause, am Montag, 2. Januar geht’s weiter. Nach und nach sollen sich die Räume mit mehr Spielsachen und Möbeln füllen, noch ist vieles provisorisch. Nach dem Abbau der Hortplätze hatten die Räume erst leer gestanden, vergangenes Jahr hatten sie Kinder aus der Wiehre von der Elterninitiative Urachstraße genutzt, bis deren Neubau fertig war. Von den Kindern in der neuen Gruppe wohnen einige in der Umgebung, aber nicht alle.

Manche Eltern hatten lange auf einen Kindergartenplatz gewartet und nun die Chance ergriffen. Zum Beispiel David Ramizi aus Weingarten, der Vater von Ramisa, der vorher ein Jahr gesucht hatte.

Autor: Anja Bochtler