"Spaß immer im Vordergrund"

Thomas Jäger

Von Thomas Jäger

Fr, 08. September 2017

Freiburg Südwest

BZ-INTERVIEW mit den Machern der Rieselfelder "Jubiläumsmeile".

RIESELFELD. Im damals brandneuen Stadtteil Rieselfeld gründeten 1997 Georg Supp und Wolfgang Schoch ihr "Physiotherapie- und Lauftherapie-Zentrum" (Pulz) und organisierten von da an bis 2013 insgesamt 17 mal die Laufveranstaltung "Die Rieselfeldmeile". Dann wurde es ihnen zu viel, und der beliebte Quartierslauf war Geschichte. Bis jetzt. Zum 20-jährigen Bestehen von Pulz gibt’s am Sonntag doch noch mal eine "Jubiläumsmeile". Über Vergangenheit, Gegenwart – und Zukunft? – der "Meile" sprach BZ-Redakteur Thomas Jäger mit den beiden.

BZ: Die Strecke ist gerade mal fünf Kilometer lang, topfeben und führt auf asphaltierten Straßen durch Wohngebiete. An der sportlichen Herausforderung kann der Kultcharakter also nicht gelegen haben, auch nicht an der landschaftlichen Schönheit. Woran dann?
Supp: Das haben wir uns am Anfang auch gefragt. Wir haben uns gewundert, dass wir schon zum Start 400 Teilnehmer hatten und das innerhalb weniger Jahre auf bis zu 2000 Anmeldungen gestiegen ist. Wir glauben, es lag einfach daran, dass immer der Spaß im Vordergrund stand. Nicht nur für die Teilnehmer, auch für die Helfer. Das war eben nicht nur eine Sportveranstaltung, sondern immer auch ein Stadtteilfest. Die mehr als 100 ehrenamtlichen Helfer, die wir hatten, haben sich zum Teil das ganze Jahr auf die nächste "Meile" gefreut. Da war viel Herzblut dabei. Bei kommerziell organisierten Läufen ist das eben anders. Und auch bei Vereinsveranstaltungen muss man oft die Mitglieder überreden, mit anzupacken. Das Problem hatten wir nie.
BZ: Ist diese "Jubiläumsmeile" für sie als Organisatoren auch eine sentimentale Reise 20 Jahre zurück? Oder waren Sie nach dem Beginn der Vorbereitungen gleich wieder drin im Meilen-Modus?
Schoch: Der Ausgangspunkt war, dass wir uns überlegt haben, wie wir das 20-jährige Bestehen unserer Praxis begehen. Einen "Tag der offenen Tür" fanden wir langweilig. Dann kam die Idee: "Komm wir machen nochmal eine Meile, das ist etwas für den ganzen Stadtteil." Das macht uns ja auch Spaß. Aber sentimental bin ich bis jetzt nicht.
Supp: Ich bin sicher, dass es am Veranstaltungstag wieder Gänsehaut gibt und auch Momente, wo wir kurz davor sind, zu sagen: Und nächstes Jahr wieder! Aber wir beide haben uns von Anfang an drauf geeinigt: Wenn es wieder eine Meile geben sollte, dann vielleicht zum 30-Jährigen Bestehen, also 2027.
BZ: Gibt es diesmal Jubiläums-Besonderheiten oder gilt: Running as usual?
Schoch: Das wird eine Rieselfeldmeile, wie man sie kennt: Es ist dieselbe Strecke, es gibt wieder T-Shirts, einen DJ, eine Bühne für die Siegerehrung und ein Hockgelände beim Kepler-Gymnasium.
Supp: Was diesmal aus Umweltschutzgründen neu ist: Es gibt keine ausgedruckten Urkunden für alle Teilnehmer mehr, sondern die Möglichkeit, sich die Urkunden bei Interesse online auszudrucken oder als PDF runterzuladen.
BZ: Sie hatten ja immer ein sehr großes Helferteam. Ließ sich das wieder aktivieren – oder mussten Sie viel betteln?
Schoch: Ich habe ein Rundmail verschickt an mehr als 80 Leute – Freunde, Bekannte, Leute aus der Laufszene – und habe eine Rücklaufquote von rund 90 Prozent mit Zusagen gehabt. Auch der Rieselfelder Sportverein "Sport vor Ort" ist mit etwa 20 Streckenposten dabei.
BZ: Früher hatten Sie nie die Chance, beim Lauf selbst mitzumachen, weil sie so im Orga-Stress waren. Und diesmal?
Supp: Wir haben immer gehofft, dass mal ein anderer die Meile übernimmt und wir unbeschwert mitjoggen können. Das hat leider nicht geklappt. Deshalb werden wir auch diesmal nicht beim Lauf selbst mitmachen können. Aber wir ermöglichen es vielen Helfern mitzulaufen: Manche packen vorher mit an, andere nachher.
Schoch: Wir selbst werden wieder am frühen Sonntagmorgen nochmal die Strecke ablaufen, sozusagen ein Arbeitslauf: Da schauen wir, ob alles okay ist, müssen zum Beispiel die Poller versenken, die an manchen Stellen stehen.
BZ: Gibt’s denn noch die Hoffnung, dass sich vielleicht ein anderer Dauer-Veranstalter findet?
Supp: Die Hoffnung geben wir nicht auf. Die Rieselfeldmeile, das sind vielleicht fünf Prozent des Aufwands für den Freiburg-Marathon. Für uns so nebenher ist es irgendwann zu viel geworden. Aber es ist kein Hexenwerk.
Schoch: Die Infrastruktur und unser Knowhow sind ja da. Das könnte man übernehmen.

Georg Supp (50) stammt aus dem Saarland, Wolfgang Schoch (49) aus Wolfach. Die beiden Physiotherapeuten wohnen mit ihren Familien im Stadtteil Rieselfeld. Sie sind zusammen Inhaber des "Physiotherapie- und Lauftherapie-Zentrums" (Pulz) an der Rieselfeldallee, das mit ihnen 18 Beschäftigte hat. "Wir kennen uns seit 27 Jahren, sind seit 20 Jahren Geschäftspartner – und immer noch die dicksten Freunde", sagt Georg Supp.