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21. Januar 2012

"Stube" liegt den Bürgern am Herzen

Die Ideen der Stadtteilleitlinien St. Georgen reichen von der Begegnungsstätte im Gasthaus bis zum "Grünen Band" am Dorfbach.

  1. Foto: Ingo Schneider

  2. Der historische Gebäude-Komplex des Gasthauses „Stube“ (oben), der der Stadt gehört, ist sanierungsbedürftig. Ideen für neue Nutzungsmöglichkeiten gibt es gleich mehrere. Der Dorfbach ist nicht überall so idyllisch wie hier. Er soll aufgewertet werden. Foto: Ingo Schneider

ST. GEORGEN. Einige Ideen sind ganz neu, anderes fordern die Bürgerinnen und Bürger von St. Georgen bereits seit Jahrzehnten. Wie sich ihr Stadtteil aber konkret entwickeln soll, darüber haben sich die Bewohner in den vergangenen acht Monaten zum ersten Mal so richtig Gedanken gemacht. Herausgekommen sind die "Stadtteilleitlinien", die am Donnerstagabend offiziell an die Stadtverwaltung übergeben wurden. Eine Hauptforderung: Das Areal rund um das Gasthaus "Stube" an der Blumenstraße muss erhalten bleiben.

Baubürgermeister Martin Haag machte sich immer wieder fleißig Notizen. Was bei den Stadtteilleitlinien herausgekommen ist, hörte auch er am Donnerstagabend im voll besetzen Pfarrsaal der Gemeinde St. Peter und Paul zum ersten Mal. "Da steckt eine ganze Menge drin", sagte Haag. Was tatsächlich von den Vorschlägen realisiert werden könnte, darüber wollte sich der Baubürgermeister noch nicht äußern. Zudem entscheidet letztlich der Gemeinderat. Aber Haag versprach: Bei der "Stube" seien aktuell keine Veränderungen geplant. Und falls es je so weit sei, würden die Bürger in jedem Fall mit in die Planungen einbezogen.

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Das Thema "Stube" hatten alle vier Arbeitsgruppen auf der Agenda, nachdem im vergangenen Jahr Gerüchte kursierten, die Stadtverwaltung wolle das Areal neu nutzen. Aber auch andere Probleme seien in mehreren Arbeitsgruppen besprochen worden, sagte Georg Woyciechowski, der den Prozess für den St. Georgener Bürgerverein koordiniert hat. Insgesamt beteiligten sich fast 100 Bewohner an den Stadtteilleitlinien. Sie beschäftigen sich mit den Themen "Bebauung", "Verkehr und Nahversorgung", "Freiräume und Grün" und "Soziales".

BEBAUUNG
Die Gruppe "Bebauung" sei die schwierigste gewesen, resümierte Georg Woyciechowski vom Bürgerverein. Denn hier hätten viele Bewohner von St. Georgen mitgearbeitet, die eigene Interessen hatten und dabei nicht unbedingt den gesamten Stadtteil im Blick gehabt hätten. In den Stadtteilleitlinien stehen deshalb auch Meinungen von Minderheiten, alles wurde aufgenommen. Einen Konsens gab es in der Arbeitsgruppe aber trotzdem: Keinesfalls, so betonte Erwin Ehret (der die Gruppe gemeinsam mit Martina Kiefer und Gitta Reinhardt-Fehrenbach geleitet hat), dürfe St. Georgen über seine Verhältnisse wachsen. Die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Bauflächen seien genug, es dürften nicht noch weitere hinzukommen. Aktuell steht das Baugebiet "Ruhbankweg" im Fokus des Interesses. Dieses ist in der Zeitstufe des Rathauses nach vorne gerutscht und soll nun schon 2013 auf der Agenda stehen.

SOZIALES
In St. Georgen ist ein Viertel der Bevölkerung älter als 65 Jahre, Tendenz steigend. Angebote für Senioren gibt es jedoch kaum. Und für die Kleinsten fehlen Betreuungsplätze: So gibt es beispielsweise für die 300 im Stadtteil lebenden Unter-Dreijährigen nur 60 Kita-Plätze. Auch bei den Jugendlichen sehe es mau aus, berichtete Stephan Sigrist, der die Arbeitsgruppe "Soziales" geleitet hat. Durch einen Fragebogen hat die Gruppe herausgefunden, dass sich die Heranwachsenden Treffpunkte wünschen und einen Platz zum Fußballspielen. Ein Lösungsvorschlag für die verschiedenen Probleme könnte das Stubenareal sein. Dort wäre der ideale Platz für eine Begegnungsstätte, für ein Mehrgenerationenhaus und für ein Bürger- und Kulturzentrum, so Sigrist.

FREIRÄUME UND GRÜN
St. Georgen liegt mitten im Grünen. Im Stadtteil selbst gibt es jedoch kaum öffentliche Parkanlagen. Und auch die vorhandenen Plätze, etwa der Uffhauser Platz, seien nicht so, dass sie zum Verweilen einladen, sagte Klaus Binder, Moderator der Arbeitsgruppe "Freiräume und Grün". Auch die Basler Straße böte ein sehr tristes Bild. Hier könnte sich die Arbeitsgruppe eine Baumallee vorstellen. Außerdem forderte die Arbeitsgruppe, dass der Fuß- und Radweg in den Mooswald erhalten bleiben muss, auch wenn das Gewerbegebiet Haid-Süd bebaut wird. Die Hauptidee der Arbeitsgruppe ist ein "Grünes Band", das sich entlang des Dorfbachs quer durch St. Georgen schlängeln soll, mit einer durchgehenden Verbindung für Fußgänger und Radler.

VERKEHR/NAHVERSORGUNG
Die Nahversorgung in St. Georgen sei nicht mehr so schlecht, wie sie einmal war, sagte Peter Lenz, der die Arbeitsgruppe "Verkehr und Nahversorgung" moderiert hat. Aber es fehlten Angebote im Ortsteil Wendlingen. Probleme beim Verkehr sahen die Teilnehmer der Arbeitsgruppe vor allem in der Andreas-Hofer-Straße, wo es rund um das Schwimmbad oftmals "chaotisch" zugehe, sagte Lenz. Eng wird es auch in der Blumenstraße: Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Rollatoren haben auf dem Gehweg kaum Platz. Und auch eine sehr alte Forderung der St. Georgener fehlt in den Stadtteilleitlinien nicht: eine eigene Straßenbahnlinie.

WIE GEHT ES WEITER?
Die Stadtteilleitlinien werden von der Stadtverwaltung noch einmal überarbeitet. Im Juli sollen sie im gemeinderätlichen Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt werden, im Herbst wird dann der Gemeinderat das Papier verabschieden.

Autor: Jelka Louisa Beule