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13. Januar 2012

Das Ende einer langen Mesnerzeit

Hugo und Erna Hohler kümmerten sich um die Erentrudiskapelle.

  1. Seit 1987 versahen Erna und Hugo Hohler den Mesnerdienst in der St. Erentrudiskapelle. Nun wollen sie ihn abgeben. Die Heiligenfiguren im Hintergrund stellen links Trudpert und rechts Rupert dar. Foto: Ingo Schneider

MUNZINGEN. Ein Vierteljahrhundert lang haben Hugo und Erna Hohler aus Munzingen ehrenamtlich den Mesnerdienst in der St. Erentrudiskapelle geleistet. Aus Altersgründen haben sie zum Jahresende den Dienst quittiert, schweren Herzen allerdings. Bis die Nachfolge geklärt ist, sind sie aushilfsweise weiter aktiv. Denn die beiden lieben die Kapelle, die als Wahrzeichen Munzingens und des Tunibergs gilt.

Der 91-jährige Hugo Hohler ist in Munzingen als Kind einer Landwirtsfamilie geboren und aufgewachsen. Er kam schon als Kind zum Gottesdienst in die Kapelle und schätzt die besondere Atmosphäre hier. "Die Eucharistie lässt sich in einer solch kleinen Kirche ganz anders erleben, weil man sich näher ist", sagt er. Seine Frau bestätigt dieses Empfinden. Erna Hohler (81), war es auch, die damals im Sommer 1987 auf den Aufruf der Pfarrgemeinde St. Stephan im Mitteilungsblatt reagiert hatte und ihrem Mann eröffnete: "Das würde ich gern machen, wenn du mir dabei hilfst."

Schon seit rund 1000 Jahren befindet sich hier ein Wallfahrtsort

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Beide sind tief gläubig und der Gemeinde sehr verbunden. Hugo Hohler war in den 1970er Jahren Pfarrgemeinderat. Und sie sind berührt von der Vorstellung, dass hier oben, an diesem "wunderschönen Ort", wie sie sagen, Christen seit Jahrhunderten beten und Gottesdienste feiern. Tatsächlich belegen historische Quellen die Südkante des Tunibergs oberhalb Munzingens als Wallfahrtsort schon für die Zeit um das Jahr 1000.

Die heutige Kapelle stammt von 1715. Zwei Jahre zuvor war ein 1666 errichteter Vorgängerbau in der Endphase des Spanischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen zerstört worden als auch Freiburg erobert wurde. Hugo Hohler weiß noch viel mehr über die Kapelle zu erzählen. Etwa, dass sich 1771 Melchior Rech, der letzte Kirchendiener im Dienst des Straßburger Frauenklosters St. Stephan, mit der Gravur seines Namens in den Bodenplatten vor dem Eingang verewigt hatte. Die Zugehörigkeit der Pfarrei Munzingen zu diesem Kloster reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück: Nach einer Urkunde von 845 schenkte Irmingard, die Gattin Kaiser Lothar I., den Nonnen Liegenschaften auf der Gemarkung.

Erna und Hugo Hohler sind stolz darauf, an einem derart geschichtsträchtigen Ort zu wirken. Und sie sind stolz auf das wertvolle Inventar des kleinen Kirchleins. Der Altar trägt Figuren des Heiligen Trudpert und des Heiligen Rupert, dessen Nichte die Heilige Erentrudis war, aus dem Atelier des berühmten Klosterbildhauers Matthias Faller, des "Herrgottschnitzers vom Schwarzwald" (die Originale sind im Freiburger Augustinermuseum). Eine weitere Besonderheit ist eine Skulptur der Heiligen Erentrudis, die das Erzbistum Salzburg 1984 der Gemeinde St. Stephan geschenkt hatte, denn die 718 verstorbene Erentrudis war die erste Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Nonnberg in Salzburg.

Bis zu 30 Hochzeiten im Jahr finden in der Kapelle statt

Noch steht nicht fest, wer künftig den Mesnerdienst in der Kapelle leisten wird. Bis die Pfarrgemeinde Nachfolger gefunden hat, werden die Hohlers daher noch aushilfsweise zur Verfügung stehen, wenn jemand die Kapelle besichtigen oder hier heiraten will, womit auch schon zwei ihrer vielfältigen Aufgaben beschrieben sind. Jedes Jahr finden in der Kapelle 20 bis 30 Trauungen von Christen aller Konfessionen statt. Gottesdienste aber zelebriert Pfarrer Siegfried Flaig nur im Sommerhalbjahr und dann auch nur alle 14 Tage am Dienstagabend. Dann kümmern sich die Hohlers darum, dass das Buch mit den Bibeltexten aus dem Jahreskreis und die Utensilien für die Eucharistie bereitliegen.

Darüber hinaus sorgen sie das ganze Jahr über dafür, dass die Kapelle sauber und mit Blumen geschmückt ist, denn nahezu täglich schauen Ausflügler und Wanderer vorbei. Wer sich vorab meldet, kann sich von Hugo Hohler auch die Geschichte der Kapelle erzählen lassen, wobei er eine Spende zur Erhaltung des Bauwerks erbittet. Auf diese Weise hat er einen wesentlichen Teil der Ausgaben für die Innenrenovierung von 2001 beigesteuert und ebenfalls für die Anschaffung einer kleinen Orgel.

Auf die Frage, was ihn dazu motiviert, sich so für die Kapelle zu engagieren, antwortet Hugo Hohler: "Aus Dankbarkeit dafür, dass ich den Krieg überlebt habe." Drei Mal wurde er schwer verwundet, das letzte Mal kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, was ihm die rettende Heimkehr ermöglicht hatte. Seine Frau, die aus dem Glottertal stammt, hat Hugo Hohler in den 1950er Jahren in Freiburg kennen gelernt. Sie haben zwei Kinder und drei Enkel. Seit 1980 ist der frühere Postbeamte in Pension. Erna Hohler kümmerte sich um die Familie und die kleine Nebenerwerbslandwirtschaft, die heute von ihrem Sohn geführt wird.

Autor: Silvia Faller