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10. Januar 2012
Deftiges direkt vom Bauernhof
Mit ihrem Stück über Jungbäuerin Rosi und den agilen Opa Anton trafen Opfingens Laienschauspieler den (Lach-)Nerv des Publikums.
OPFINGEN. Brigitte Linser lehnt entspannt an der Heizung der Umkleidekabine, in der Hand eine Tasse Kaffee. Geschminkt und umgezogen ist sie schon, jetzt kann sie die letzte halbe Stunde vor dem Auftritt ruhig angehen. "Viele haben gesagt, dieses sei das beste Stück seit Jahren. Die Erwartungen sind also hochgeschraubt", erzählt sie. Umso erstaunlicher, wie gelassen sie vor dem Gang auf die Bühne der Tuniberghalle ist. Denn es ist 14.30 Uhr und in einer halben Stunde beginnt die Opfinger Theatergruppe mit der Aufführung des Schwanks "Alles bestens geregelt!".
Schon um 14 Uhr, dem offiziellen Einlassbeginn, seien die Gäste in die Halle gestürmt, erzählen sich die neun Laienschauspieler und -spielerinnen in der Umkleide. Jede Menge Kleidungsstücke hängen an den Haken ringsherum der Kabine, auf einem Tisch stehen die Schminkutensilien, und davor steht ein Stuhl bereit. Auf dem sitzen die Schauspieler, während zwei Frauen sie schminken, ein Strahler sorgt für helles Licht.Diese Prozedur haben Peter Gippert (in der Rolle des Opa Anton) und Hannelore Landerer (alias Nachbarin Brunhilde) schon hinter sich. Ihr Outfit lässt Schräges vermuten: Brunhilde trägt ein Kopftuch, über der Stirn zu einem Knoten gebunden, einen Arbeitskittel und dazu Gummistiefel. Opa Anton hat offenbar seit langem kein Badezimmer mehr von innen gesehen und seine blaue Arbeitshose fast bis unter die Achseln gezogen. Das Stück spielt auf dem Bauernhof von Jungbäuerin Rosi (gespielt von Brigitte Linser), die sich mit Opa Anton und der dreisten Brunhilde herumschlagen muss.
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Außerdem gibt’s da noch Rosis Mutter Klara, die Opa Anton mit ihrem Putzfimmel in den Wahnsinn treibt und die hoffnungslos romantische Postbotin Lisa mit einer Vorliebe für schmalzige Frauenzeitschriften. Der Chemiker Dr. Kümmerlich macht als tierischer Geburtshelfer auf dem Land ganz neue Erfahrungen. Fehlen bloß noch die hochnäsigen Städter Hajo und Sonja sowie der altledige Gustav, der auf Rosis Hof endlich die Frau fürs Leben sucht. Reichlich Stoff für einen zünftigen Schwank also.
Doch keine Sorge, so verrückt man sich diese Truppe auch vorstellen mag, bevor die neun in ihre Rollen schlüpfen, sind sie eigentlich ganz normal: Dr. Kümmerlich alias Arno Kiechle geht im Stillen noch einmal seinen Text durch, Hannelore Landerer (Brunhilde) sitzt mit einer Tasse Kaffee auf dem Schoß im Scheinwerferlicht und lässt von den Schminkdamen letzte Hand anlegen, während Regina Barth für ihre Rolle der Postbotin noch die vierte Ausgabe der "Herzschmerz"-Zeitschrift sucht.
"Bei der ersten Aufführung des Stücks an Weihnachten hat alles super geklappt, deshalb sind wir jetzt nicht mehr ganz so aufgeregt", erzählt Brigitte Linser. Zudem steht sie ja nicht das erste Mal auf der Opfinger Theaterbühne. "Ich spiele Theater, seit ich 15 Jahre alt bin. Nur als ich meine Kinder bekommen habe, habe ich kurz Pause gemacht. Ohne Theater würde mir auch etwas fehlen." Sie ist es auch, die jedes Jahr mit der Regie zusammen das Stück auswählt. "Die Aufteilung der Rollen war diesmal überhaupt kein Problem, die Charaktere passen bestens", erzählt sie lachend. Seit Anfang Oktober hat die Gruppe sich einmal wöchentlich im Bürgersaal im Rathaus zu den Proben getroffen, ab Mitte Dezember wurde dann fast täglich in der Tuniberghalle geübt.
Die Weihnachtsaufführung war ausverkauft, und auch am Dreikönigstag, der zweiten Aufführung, müssen weitere Stühle und Sitzbänke für die vielen Zuschauer herbeigezaubert werden. Bei Kaffee und Kuchen herrscht eine heimelige Atmosphäre. Vor dem Auftritt lugt der eine oder andere Schauspieler kurz durch die Hallentür. "Total viel los. Super", ist die einhellige Meinung in der Umkleide. Und so liegt, kurz bevor es losgeht, doch noch ein gespanntes Kribbeln in der Luft. Dann verschwindet der Großteil der Schauspieler aus der Kabine und begibt sich hinter die Bühne. Als der Vorhang endlich aufgeht, zeigt sich schnell, dass die Opfinger Theatergruppe den (Lach-) Nerv der Zuschauer genau getroffen hat. Ab jetzt ist Opa Anton los.
Autor: Nikola Vogt
