Kirchenbaulast

Für die Kirche von Tiengen sind drei Behörden zuständig

Eva Opitz

Von Eva Opitz

So, 11. Februar 2018 um 14:02 Uhr

Freiburg Tuniberg

Der Tiengener Storchenfall zeigt beispielhaft, wie kompliziert die Besitzverhältnisse und Baulasten bei Kirchengebäuden sein können.

Zielsicher hatte sich der Nestbauer für einen Absatz in der Mitte des Kirchturms entschieden, nicht wissend, dass genau dieser Teil in der Obhut der evangelischen Kirche ist. Hätte er sich für das Kirchendach entschieden, wäre er beim Landesbetrieb "Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Freiburg" gelandet. Der Betrieb ist unter anderem zuständig für Planen, Bauen, Sanieren sowie für die Werterhaltung seiner Landesgebäude und somit auch für die Unversehrtheit des Tiengener Kirchendaches. Dass die Kirchenuhr korrekt mit der Zeit geht, dafür ist wiederum die Kommune zuständig.



Doch wer meint, dass die evangelische Kirche in Tiengen mit der Aufteilung der Kirchenbaulast zwischen Amt, Kirche und Kommune ein Sonderfall ist, irrt gründlich. Michael Borrmann, Leitender Baudirektor und Abteilungsleiter des Amts für Vermögen und Bau Freiburg, weiß, dass die Bezeichnung "großes Durcheinander" die Lage exakt charakterisiert. "Es gibt alle Varianten", sagt der Baudirektor. Die Behörde habe die Baulast für eine ganze Kirche oder sie werde mit der Kirchengemeinde geteilt.

Es gebe auch den Fall, dass die Kirche in die Pflicht des Landes falle wie in St. Blasien und drumherum gehöre alles der Kirche. "Es ist wie ein bunter Streuselkuchen in Freiburg und Umgebung", so Borrmann: "In Schallstadt, Eichstetten, Bötzingen und Heitersheim sind wir dabei, in Opfingen zum Beispiel dagegen nicht." Es habe auch nichts mit evangelisch oder katholisch zu tun: Die Besitzverhältnisse variierten ohne Ansehen der Konfession. Ein besonders krasses Beispiel sei das Konstanzer Münster. Laut Grundbuchamt gehöre die Kirche niemandem, aber der Kreuzgang falle zur Hälfte in die Baulast der Gemeinde und bei der anderen Hälfte sei seine Behörde zuständig, die zudem die Baulast für das Hauptschiff habe.

"Der Ursprung dieses bunten Teppichs ist die Säkularisation von 1806, in der die Klöster aufgelöst und die Besitztümer zusammen mit den Pflichten neu aufgeteilt wurden", sagt Borrmann. Das Amt mit Sitz in Freiburg betreue 133 sogenannte Lastengebäude. Wie da welche Regelung zustande gekommen sei, könne gut das Thema einer Doktorarbeit werden: "An Störche hat 1806 jedenfalls niemand gedacht."