Magerrasen und Mautpflicht

Eva Opitz

Von Eva Opitz

Fr, 20. Juli 2018

Freiburg Tuniberg

Im Rat Tiengen ging’s um Stadion, Neubaugebiet und Verkehr.

FREIBURG-TIENGEN. Hauptthema der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates Tiengen war der Bebauungsplan "Neues Fußballstadion". Dazu kam die Information über den Sachstand des Baugebietes "Hinter den Gärten".

Eine Vorlage mit zwei Aktenordnern – davon allein Ordner zwei mit mehr als 700 Seiten und 2,7 Kilogramm schwer – rief bei den Räten unterschiedliche Reaktionen hervor. Es gab neben dem Bedauern, die Vorlage unmöglich komplett lesen zu können, auch Anerkennung für die "Wahnsinnsarbeit". Es sei beeindruckend, wie detailliert zum Beispiel auf die vielen Einwendungen eingegangen werde, sagte Ortschaftsrat Karl-Heinz Geppert (Wählervereinigung Tiengener Bürger, WTB). Das Stadtplanungsamt war mit Gerhild Lögler, Sabine Maier und Albin Teufel vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung stark vertreten. Maier fasste zusammen, dass der städtebauliche Rahmenplan sowie der Bebauungsplan tragfähig seien und keiner Veränderung bedürften. Die sogenannte Spiegelvariante mit dem Stadion auf der Ostseite der Landebahn habe sich in der Untersuchung klar als nachteilig gegenüber diesem Entwurf erwiesen.

Sie informierte, dass in Tiengen nur eine Böschung als ökologische Ausgleichsfläche in Frage käme. Auf dieser 1600 Quadratmeter großen Fläche werde ab dem nächsten Jahr innerhalb eines Zeitraumes von mehreren Jahren Magerrasen entwickelt. Wie das am besten geschehe, war Gegenstand einer lebhaften Diskussion mit Gerhild Lögler. Denn auf dem Gelände wachsen wurzelkstarke Robinien, die gefällt werden müssen. "Wir werden da sicher nicht mit dem Bagger drangehen und zudem dafür sorgen, dass die Böschung nicht abrutscht", versprach die Stadtplanerin. Die Stadion-Vorlage passierte den Rat letztlich mit großer Mehrheit.

Den zweiten Teil des Abends bestritten Rüdiger Kunst von der Firma "Kommunalkonzept" und die Projektentwicklerin Marion Schweighart. Sie sind von den Eigentümern des neuen Baugebietes "Hinter den Gärten", das auf der linken Seite am Ortsausgang nach Munzingen liegt, mit der Entwicklung des Baugebietes beauftragt worden. Es bleibt jedoch bei der Planungshoheit des Stadtplanungsamtes, das am Ende über die Pläne entscheidet.

Wie die einzelnen Schritte in Abstimmung mit den Ämtern bis zum fertigen Bebauungsplan aussehen, stellte Schweighart vor. "Wir kommen gut voran", bilanzierte sie. Die "Kommunalkonzept" schließt vermutlich Anfang nächsten Jahres den städtebaulichen Vertrag mit den Eigentümern, wenn alle Gutachten, unter anderem zu Naturschutz, Luftschadstoffen, Verkehr und Abstand zu landwirtschaftlichen Flächen abgeschlossen sind. Die Eigentümer sind zu einem Drittel Privateigentümer und zu je einem weiteren Drittel zwei Investoren.

Bei den Vorabuntersuchungen wurden keine Kampfmittel – etwa bislang unentdeckte Weltkriegsbomben – gefunden, so dass die Archäologen eine erste Sondierung machen konnten. Eine zweite wird nach der Ernte folgen. "Die Auswertung römischer, mittelalterlicher und vorgeschichtlicher Funde wird darüber entscheiden, ob wir Keller bauen können oder aufschütten müssen", so Kunst. Für 2019 ist die Planung zur Erschließung und zur Flächenumlegung angesagt. Durch letztere sollen nutzbare Grundstückszuschnitte geschaffen werden. Sonja Krinke (WTB) gab zu bedenken, dass der Rat rechtzeitig über ein Grundstück für ein Seniorenwohnheim nachdenken und nicht warten sollte, bis das Baugebiet überplant sei.

Adolf Mößner wies im weiteren Verlauf der Sitzung auf die neue Mautpflicht für Lastwagen auf Bundesstraßen hin und befürchtete Ausweichverkehr am Tuniberg. "Extra langsam fahren", schlug Michael Ruf (Unabhängige Bürgerinnen und Bürger) vor: "Nehmt ihnen den möglichen Zeitvorsprung durch die Umfahrung."
Sitzungsdauer: 127 Minuten.
Teilnehmer: elf von zwölf Räten.
Zuhörer: vier.