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17. Februar 2017

Konzept

Soll Tiengen nun doch einen Sportpark bekommen?

Ausgerechnet eine marode Wasserleitung mit Konfliktpotenzial brachte das Naherholungsgebiet Reutemattensee in der jüngsten Sitzung des Tiengener Ortschaftsrates wieder ins Gespräch.

  1. Öffentliche Toiletten gibt’s im Sportclub-Vereinsheim. Foto: Ingo Schneider

TIENGEN. Dahinter steht der von allen Vereinen unterstützte Plan, das Areal zu einem "Sport- und Erholungspark" für alle Tiengener und die dort ansässigen Vereine umzugestalten sowie als neues Mitglied den Rugby-Club Freiburgaufzunehmen.

Kein Windstoß kräuselt die Oberfläche des Reutemattensees. Zum Teil ist er trotz der gestiegenen Temperaturen beim Ortstermin Mitte Februar noch von einer dünnen Eisschicht bedeckt. Am Ufer steht der Reiher und wartet auf Beute. Nilgänse sind auf Futtersuche, und Scharen von Enten ziehen ihre Runden. Als Solitäre stehen die Häuser von Tennisclub (TC), Sportclub (SC) und das kleine Haus des Reitclubs Freiburg im Gelände. An ihnen hat der Zahn der Zeit genagt.

Die Projektgruppe "Vereine" des Ortschaftsrates hat daher im Mai vergangenen Jahres mit dem Architekten und Ratsmitglied Stefan Haager ein Gesamtkonzept für einen "Sport- und Erholungspark" vorgelegt. Es umfasst alle fünf dort bislang aktiven Vereine, zu denen auch der Turnverein mit seinem Beachvolleyball-Feld auf dem Tennisareal und der Angelsportverein, der am See aktiv ist, gehören. Neu hinzukommen soll auf Wunsch der Stadt der Rugby-Club Freiburg.

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Eine für den Tennisclub ausgestellte Rechnung zur Reparatur der Wasserleitung, die vom TC-Gelände zur öffentlichen Toilette im unteren Geschoss des Sportclub-Vereinsheims am Fußballplatz führt, hat die Diskussion um diesen schon lange gewünschten Sportpark jetzt wieder belebt.

Der Tennisclub hatte Anfang der 1970er Jahre auf eigene Rechnung einen Wasseranschluss legen lassen zur Bewässerung seiner Spielplätze. Damals standen die Clubheime noch nicht, und eine Toilette gab es auch nicht. Als dann der Sportverein Anfang der 1980er Jahre sein eigenes Clubheim baute, war die öffentlich zugängliche Toilette eine Auflage zugunsten der Besucher der Festwiese des damals noch als Badesee dienenden Reutemattensees und des daneben gelegenen Kinderspielplatzes. Genutzt wurde dafür der TC-Wasseranschluss, der einen Abzweig zum Sportclub-Gelände erhielt. Diese Form der Club-Solidarität lag wohl unter anderem daran, dass damals etliche Tiengener Mitglied beider Vereine waren. Den Wasserverbrauch, der mit einem eigenen Zähler gemessen wird, rechnet der Tennis- mit dem Sportclub ab und dieser – da es eine öffentliche Toilette ist – mit der Stadt. Darauf, dass sie im Sommerhalbjahr regelmäßig geöffnet ist, achtet der Gemeindearbeiter.

Doch die marode Leitung, die für hohe Wasserverluste auf dem Weg sorgt, liegt nach wie vor in der Verantwortung des Tennisclubs. "Wir sind der größte Verbraucher von Wasser", sagt TC-Vorsitzender Hartmut Wolfsperger. Reparaturkosten und Wasserverlust blieben beim Tennisclub hängen. Er sei auf die Kulanz der anderen Vereine und die Unterstützung des Ortschaftsrates angewiesen, der sich diesmal jedoch gegen eine Reparaturkostenbeteiligung aussprach (BZ berichtete).

"Für unseren Verein ist ein Sportpark besonders dringlich", sagt Wolfsperger. Die Vereine würden durch das Projekt näher zusammenrücken, was der geplante Bau eines großen Hauses für alle Vereine in der Nähe des Sees unterstützen würde. Auf der ehemaligen Turnierwiese des Reitclubs entstünde ein Rugby-Feld. Der Reitclub bekäme ein neues Turniergelände zum See hin, und der SC behielte zwei Spielflächen, eine davon ein Hartplatz.

Die im Mai 2016 vom Ortschaftsrat einstimmig begrüßte Vorlage zur Gestaltung des Geländes setzt auf die finanzielle Hilfe der Stadt. "Ohne sie ist es nicht machbar", sagt Wolfsperger. Von den Vereinen kommt weiterhin Unterstützung für das Konzept. Von einer Bereicherung für Tiengen ist die Rede, von Vorteilen für die Vereine. Nicht ganz so positiv sieht es der kommissarische Vorsitzende des Sportclubs, Rolf Schöpperle. Er mache sich keine großen Hoffnungen, dass der SC davon profitieren werde, zumal der beantragte Kunstrasen vermutlich nicht bewilligt werde. Wenig Zuversicht zeigt auch die letzte Nachricht aus dem Rathaus vom Oktober 2016. Herbert Mayer vom Sportreferat begrüßt die Initiative, verweist jedoch auf eine notwendige "gesamträumliche Betrachtung" und sieht angesichts der sehr weit reichenden Überlegungen Konflikte mit dem Landschafts- und Artenschutz voraus.

Er setze nach wie vor auf den Willen der Stadt, dem Rugby-Club eine neue Heimat zu geben und Tiengen bei der vorgestellten Lösung zu helfen, erklärt Ortsvorsteher Maximilian Schächtele.

Autor: Eva Opitz