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04. Februar 2012
Vereine gingen erstmal in Vorleistung
Munzinger Dreschschopf ist – zunächst ohne die nötige Baugenehmigung – umgebaut worden / Stadt gab nun nachträglich ihr Okay.
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Der Zimmermann Dietmar Rinderle bei der Dachsanierung. Unter anderem werden die Sicherungspfosten für die Sparren erneuert. Foto: Ingo Schneider
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Der Küchenanbau am Munzinger Dreschschopf steht schon seit vergangenem Jahr, die Baugenehmigung liegt aber erst seit wenigen Tagen vor. Foto: Ingo Schneider
MUNZINGEN. Akteure aus den örtlichen Vereinen haben vergangenes Jahr den historischen Dreschschopf, der der Stadt gehört, um einen mehrere Meter breiten Küchenanbau erweitert. Das städtische Gebäudemanagement hat davon erst erfahren, als die Arbeiten schon in vollem Gange waren. Vor wenigen Tagen wurde der Anbau nun – nachträglich – genehmigt. Zudem hat die nötige Dachsanierung begonnen. Bekannt ist der Dreschschopf unter anderem für das Zwiebelkuchenfest, das hier immer im Herbst stattfindet.
Auf eine erste Anfrage der BZ zu den Arbeiten am Munzinger Dreschschopf und zur Beteiligung der Stadt an den Kosten reagierte Rathaussprecher Toni Klein am Mittwoch zunächst mit der Aussage: "Die Vereine sind ohne Baugenehmigung in Vorleistungen getreten." Zwischenzeitlich stellte sich sogar die Frage, ob bereits ausgeführte Arbeiten rückgängig gemacht werden müssten. Davon ist nun keine Rede mehr. Die Stadt teilte auf weitere Nachfragen zunächst mit, die Baugenehmigung sei noch im Laufe des Mittwochs eingetroffen. Gestern hieß es nun, die Genehmigung sei bereits am 27. Januar erteilt worden.Werbung
Der Munzinger Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz reagiert überrascht auf die Aussage, die Stadt sei mit dem Anbau vor vollendete Tatsachen gestellt worden. "Bereits vor vier Jahren habe ich mit der Baurechtsbehörde besprochen, dass das Dach des Dreschschopfes an der Ostseite, wo sich die Theke des Ausschanks befindet, verlängert werden sollte, um Platz für Kücheneinrichtungen zu schaffen. Damals wurde ein Bauantrag nicht für nötig gehalten", erzählt er. Dass man später doch zur Einschätzung kam, ein Antrag sei nötig, habe er nicht erwartet.
Seit 1964 veranstalten die Freiwillige Feuerwehr, der Turnverein, der Sportverein und die Winzerkapelle abwechselnd das Zwiebelkuchenfest im 1914 als landwirtschaftliches Ökonomiegebäude errichteten Dreschschopf. Das Fest war aus der früheren Munzinger "Kilbi" (Kirchweihfest) hervorgegangen. Zudem richtet der Gemischte Chor jedes Jahr im Juli einen "Sängerhock" hier aus. Bislang haben sich die Vereine mit Behelfsbauten, Zelten oder Containern beholfen, um die Kücheneinrichtungen unterzubringen. Wegen des damit verbundenen großen Aufwands und der gestiegenen Ansprüche der Lebensmittelkontrollbehörden sollte damit Schluss sein.
Anfang 2011 legten die Vereine dann los, wobei die Engagierten allerdings mehr leisteten als nur das Dach zu verlängern. Ulrich Schopp, Ortschaftsrat, Vorstandsmitglied der Winzerkapelle und Koordinator der Arbeitseinsätze, räumte die Asphaltschicht entlang der Außenwand ab und hob das Fundament für den Anbau aus. Als Inhaber eines Landschaftsbaubetriebs verfügt er über die nötigen Maschinen. Dann wurden Abwasserleitungen verlegt und die Fläche mit Beton ausgegossen. Rund 1100 Arbeitsstunden haben er und viele weitere Vereinsakteure geleistet. Die Materialien wurden aus den Verfügungsmitteln des Ortschaftsrates bezahlt – bislang knapp 23 000 Euro. Zum Zwiebelkuchenfest im Oktober 2011 war der Anbau fertig. In Betrieb genommen wurde auch eine Kühlzelle, die die Vereine günstig vom Gitarren- und Mandolinenverein übernahmen.
Bei den Arbeiten der Vereine hatte sich im Sommer 2011 gezeigt, dass der Dachstuhl an der Ostseite defekt ist. Feuchtigkeit, die durch das undichte Dach eingedrungen war, hat tragende Balken faulen lassen, während die vor 15 Jahren neu eingedeckte Westseite nach wie vor intakt ist. Ortsvorsteher Hasenfratz wandte sich an das Gebäudemanagement. Und dessen Mitarbeitern, so Rathaussprecher Klein, sei beim Ortstermin eben aufgefallen, "dass die Ortschaft in Eigenregie einen Anbau errichtet hat" für den "nach Art und Umfang der Maßnahme" ein Bauantrag zu stellen sei.
Inzwischen hat die auf 30 000 Euro geschätzte Dachsanierung begonnen, für die der Auftrag an die Tiengener Zimmerei Kobe ging. Die Mitarbeiter haben bereits einen tragenden Balken ausgebessert und Sicherungspfosten für die Dachsparren gesetzt. Im Frühjahr werden sie die östliche Dachseite neu eindecken sowie an der Nordseite einen Giebelbalken und auch die Giebelverschalung erneuern. Im Küchenanbau fehlen noch der Estrich und die Edelstahlverkleidung der Wände. Der Ortsvorsteher will dem Ortschaftsrat vorschlagen, Geld aus den Verfügungsmitteln dafür bereitszustellen.
Autor: Silvia Faller


