Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Mai 2017

Menschen von Nebenan

Karl-Heinz Maier hat mit einem großen Konzert seine Tätigkeit als Dirigent beendet

Für die einen sind 70 Jahre nur eine runde Zahl ohne größere Bedeutung. Für andere ist es ein Anlass, innezuhalten und den persönlichen Aktionsplan zu überdenken. Zu diesen gehört der Munzinger Karl-Heinz Maier. Vergangenen Samstag dirigierte er nach 40 Jahren in dieser Position zum letzen Mal den Opfinger Männerchor.

  1. Geht es nun ruhiger an: Karl-Heinz Maier Foto: Ingo Schneider

Zum Abschiedsfest in der Bergkirche war auch der Merdinger Männerchor gekommen, den Maier 27 Jahre lang dirigiert hatte. Wie immer hat er vorne gestanden und diesmal die Suite für Männerchor und Orchester "Singen in Zeit und Zukunft" zur Aufführung gebracht. Unter den vertonten Zitaten aus 1000 Jahren begann der vierte Teil mit der Überschrift: "Mit Musik durchs Leben". Das hätte auch als Motto für Maiers ehrenamtliches Engagement am Tuniberg stehen können. Schon sein Vater betreute als Chorleiter die Männerchöre in Munzingen, Merdingen, Opfingen und Hausen. Als dieser früh gestorben sei, habe er als Sänger im Munzinger Gesangverein aufgehört und in den 1970er Jahren als Dirigent der Chöre in Opfingen und Merdingen weitergemacht, sagt Maier im Gespräch nach dem Konzert. In Wochenendseminaren an der Chorleiterschule in Weil am Rhein habe er das nötige Rüstzeug erhalten: "Als junger Chorleiter war mir wichtig, immer etwas Neues auszuprobieren, das die Leute überrascht."

In einem der großen Konzerte, die regelmäßig alle zwei Jahre stattfanden, wurden zum Beispiel zum ersten Mal Texte in fremden Sprachen gesungen. "Wir haben damit Zeichen gesetzt", so Maier: "Die Chöre haben zudem neben der klassischen Männerchorliteratur leichte, rhythmische Musik aufgenommen und damit einen Aha-Effekt erzielt." In den 1980er Jahren sorgten noch an die 70 Männerstimmen für einen vollen Klang im Opfinger Männerchor. "Ich habe viele Männer zum Singen gebracht", erinnert sich der Dirigent: "Damals durften die Männer noch abends fortgehen." Es sei eben eine andere Zeit gewesen, erklärt er sich die Abnahme der Zahl der Chöre und Sänger.

Werbung


Im Brotberuf war Maier Vermessungsingenieur. Auch in dem rein technischen Beruf sei Kreativität gefragt, versichert er.

Wenn es darum ging, die Stücke für den Chor auszusuchen, hatte er als Dirigent das letze Wort. "Dafür ist der Chorleiter da", erklärt Maier. Er müsse einschätzen, was die einzelnen Chormitglieder leisten könnten. Dazu gehört, dass er bei der Probe alle vier Stimmen mitsingt, die Partitur vorsingt und auf dem Klavier anstimmt: "Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig. Nach drei Stunden Probe bin ich fix und foxi." Mit 70 Jahren stecke er das nicht mehr so locker weg. Außerdem mache er das schon so lange, dass er möglicherweise Chancen liegen lasse. Andere Leute sollten drankommen und neue Ideen entwickeln.

Das gelte auch für den Vorsitz im Verein "Tuniberg Wein" mit der Organisation von Festen, den er ebenfalls aufgebe. Den Vorsitz in der Munzinger Winzergenossenschaft wird er dagegen behalten. Wer in der Opfinger Bergkirche das Programm aufmerksam verfolgt hat, wird beim gemeinsamen Gesang der Opfinger und Merdinger Maiers Handschrift wiedererkannt haben mit der Auswahl von geistlicher Musik in russischer Sprache, einem romantischen Beitrag von Franz Schubert sowie einem bekannten Gospel. Beim Rückblick auf die Dankesrede des Vorstands spiegelt sich auf seinem Gesicht die Rührung wider, die er dabei empfunden hat. Jetzt stehe die Überlegung an, wie es ohne ihn weitergeht. Noch ist die Nachfolge für den Dirigentenposten nicht geklärt.

Autor: Eva Opitz