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07. Juli 2010

Freiburg wächst stärker und länger als die Statistiker prognostizierten

Freiburg wächst stärker und länger als die Statistiker prognostizierten / Die Folge: mehr Wohnungen, mehr Bauflächen.

Freiburg wächst stärker und länger als bislang vorhergesagt. Der demografische Wandel, dem Deutschland unterworfen ist, wird die Stadt später erreichen. Das geht aus neuesten Prognosen des Rathauses hervor. Dadurch erhöht sich auch der Bedarf an Wohnraum und damit an Flächen. Laut Baureferent Norbert Schröder-Klings ist das kein Problem. Der Flächennutzungsplan habe genügend Reserve.

Nach jahrelanger Diskussion im Gemeinderat und in der Bürgerschaft trat der Flächennutzungsplan im Dezember 2006 in Kraft. Er regelt, auf welchen Flächen die Stadt wann wie wachsen soll. Er ist sozusagen die Mutter aller Bebauungspläne. "Das Drehbuch der Stadtentwicklung", sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon dazu. Und der Gemeinderat hat damals gleich den Auftrag erteilt, nach ein paar Jahren dieses Drehbuch auf seine Wirklichkeitsnähe zu prüfen.

Das Ergebnis auf der Basis aktueller Daten stellten Salomon und Baureferent Schröder-Klings gestern öffentlich vor. Bestätigt hat sich die Annahme, dass der Wohnflächenbedarf pro Kopf jährlich um 0,2 Quadratmeter ansteigt. Derzeit liegt er bei knapp 37,6 Quadratmeter.

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Doch beim Bevölkerungswachstum lagen die städtischen Statistiker daneben. Ihre Prognose vom Jahr 2005 ging davon aus, dass Freiburg den Zenit im Jahr 2012 erreichen würde: mit 210 600 Einwohnern. Jetzt geht die Stadtverwaltung davon aus, dass das Wachstum anhält bis zum Jahr 2015 und dann sogar 214 000 Einwohner erreicht. Tatsächlich fällt die Differenz zwischen alter und neuer Prognose noch größer aus. Denn vor zwei Jahren gab es einen bundesweiten Abgleich der Melderegister, der gleich 2000 Karteileichen in Freiburg zutage förderte, von denen die Statistiker vorher nichts geahnt hatten. So werden also 5400 Freiburger mehr als kalkuliert die Stadt bevölkern. Babette Köhler vom Stadtplanungsamt erklärt die neuen Zahlen mit hohem Zuzug von Studierenden sowie Ausländern aus ganz Europa und mit neu geschaffenen Arbeitsplätzen.

Das hat Folgen für den Flächenbedarf. Der erhöht sich rechnerisch von 120 auf 126 Hektar. Sechs Hektar entsprechen acht Fußballplätzen. Laut Norbert Schröder-Klings gibt der gültige Flächennutzungsplan mit insgesamt 190 Hektar genügend Reserve her, um die neue Entwicklung aufzufangen. Mehr noch: Die Stadtverwaltung gibt als Ziel aus, die hochgerechnete Rekordeinwohnerzahl dauerhaft zu stabilisieren. Das setzt entsprechende Zuwanderung und Geburtenraten voraus, aber auch jährlich 500 Wohnungen und somit 7,7 Hektar an Bauflächen. "Wir werden in den nächsten drei, vier Jahren hart mit neuen Bebauungsplänen klotzen müssen", sagt Baureferent Schröder-Klings.

Mit der favorisierten Innenentwicklung – im Gegensatz zur grünen Wiese – sei das allein nicht zu schaffen, räumt Baureferent Schröder-Klings ein. Das zeige schon der Blick auf die vergangenen dreieinhalb Jahre, in denen der Flächennutzungsplan gilt: Von den 2740 neuen Wohnungen sind nur 600 der Innenentwicklung zuzuordnen. Ziel war ein Drittel. Und er erwartet in den nächsten Jahren eher noch einen Rückgang der Innenentwicklung. "Auf die Debatte im Gemeinderat und in den Ortschaftsräten darf man gespannt sein."

Autor: Uwe Mauch