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17. März 2012

Alle Fragen bleiben offen

Baubürgermeister Martin Haag kam zum Rundgang zum Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder".

  1. Die Sorge der Kinder: Die Baustraße zerstört ihr Paradies. Foto: schneider

  2. Kämpfen schon lange: Cora (links) und Kerstin Geigenbauer Foto: Archivfoto

BETZENHAUSEN. Zwei Welten prallten am Donnerstag an der Anne-Frank-Grundschule aufeinander: Zum einen die Schwestern Cora und Kerstin Geigenbauer mit Unterstützern ihres Vereins "Bauernhoftiere für Stadtkinder", darunter viele Kinder. Sie hielten Schilder, auf denen zum Beispiel stand: "Die Tiere brauchen ihre Freiheit!" Und sie brachten 1700 Unterschriften mit, die den Verein bestärken, für das Gebiet hinter der Schule zu kämpfen. Doch die Lage ist schwierig, das zeigte der Besuch von Baubürgermeister Martin Haag und Vertretern der Stadt.

Die Erzieherin Cora Geigenbauer und ihre Schwester, die Biologin Kerstin Geigenbauer, sind hartnäckig. Sie löchern Martin Haag immer wieder: Freiburg als "green city" soll sich auch so verhalten, darum müsse die Stadtverwaltung die Idee eines "naturnahen Parks Obergrün" hinter der Schule unterstützen. Viele andere tun das, wie unter anderem der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde.

Die Schwestern wollen Schautafeln aufstellen und die Fläche bewahren, naturnah pflegen und anderen zugänglich machen (die BZ berichtete). Längst bieten die beiden auf Teilen des Geländes, die sie gekauft oder gepachtet haben, naturpädagogische Projekte an. Sie haben mit Schafen, Ziegen, Hühnern ein kleines Paradies geschaffen, das bei Kindern und Lehrern der Anne-Frank-Schule genauso beliebt ist wie bei Nachbarn, Familien, jüngeren und älteren Spaziergängern.

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2013 aber soll die kleine Straße, die durch das Gelände führt, vergrößert und zur Zufahrtstraße für die Bebauung Tränkematten Süd werden. Die Geigenbauers fürchten, dass dann nicht nur zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verschwinden würden, sondern auch ihr großes Projekt des Parks keine Chance mehr hätte, mit dem sie sich beim Wettbewerb für den deutschen Naturschutzpreis bewerben wollen.

"Niemand hat etwas gegen einen naturnahen Park", sagt Baubürgermeister Martin Haag, als er mit der Besuchergruppe über das Gelände geht – vorbei an blökenden Schafen und einem stillen Weiher, der Schülern Biotope nahe bringt. Heißt das, die Stadtverwaltung unterstützt grundsätzlich die Ziele des Vereins? Martin Haag bezieht keine Stellung, er vertritt auch die andere Seite: "1300 Familien stehen auf der Wohnungssucherkartei." Freiburg brauche Bauland. Martin Haag plädiert für mehr "Ausgleich" zwischen den Fronten, "doch ich erfahre hier nur Widerstand." Immerhin betonen beide Seiten, dass sie jetzt stärker aufeinander zugehen wollen, die Unterschriftenübergabe war ein Anfang.

Derzeit ist vieles offen: Werden alle im Flächennutzungsplan als Baugebiet vorgesehene Flächen – Tränkematten Süd 1 und 2 und Obergrün – tatsächlich bebaut werden? Ist es sicher, dass die Baustraße kommt, oder kommen vielleicht doch andere Zufahrtswege – wie über die Gaskugel – in Frage? Dort gebe es aber mindestens ebenso viel Widerstand, verlautet es von der Stadtverwaltung, zumal dort deutlich mehr private Grundstücksbesitzer zustimmen müssten. Zumindest versichert Martin Haag den Geigenbauers: Die Baustraße soll nur zeitlich begrenzt bestehen bleiben – falls sie kommt.

Autor: Anja Bochtler