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18. Februar 2010

Als Löhne noch in Tüten gezahlt wurden

MENSCHEN VON NEBENAN: Joachim Rohleder leitete 33 Jahre lang die Volksbank Bischofslinde.

  1. Joachim Rohleder Foto: I. Schneider

BETZENHAUSEN. Im dunklen Anzug und mit Krawatte geht Joachim Rohleder problemlos als typischer Banker durch. Doch für den 59-Jährigen, der heute nach 44 Jahren bei der Volksbank Freiburg und 33 Jahren als Chef der Filiale Bischofslinde offiziell in den Ruhestand verabschiedet wird, gibt es Wichtigeres als Zinsen und Rendite. "Das Schönste bei meiner Arbeit war, dass ich viel mit Menschen im Gespräch sein konnte", sagt der dreifache Vater und vierfache Großvater. Dass er im Laufe seines Berufslebens schon einmal von maskierten Räubern mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurde, Geld rauszurücken, hat seine Freude am zwischenmenschlichen Kontakt nicht beeinträchtigt. Rohleder, in Erinnerung an jenen Dezembertag Mitte der 1980er Jahre: "Naja, am Abend nach dem Überfall war’s schon schlimm. Aber schlecht geträumt hab’ ich deswegen später nie."

Die Volksbank zählt Rohleder zu ihrem "Urgestein". Der lebensfrohe Genuss- und Familienmensch heuerte 1966 bei dem Geldinstitut, das damals noch Gewerbebank hieß, als Azubi an. 1969 trat er dann als frischgebackener Bankkaufmann seinen Dienst bei der Zahlstelle am Schlachthof im Industriegebiet Nord an, 1971 übernahm er deren Leitung – heute ist sie Geschichte. "Das war damals noch ganz anders als heute. Bargeld spielte eine viel größere Rolle. Die Viehhändler aus dem Schwarzwald holten zum Teil die Scheine bündelweise bei uns ab und steckten sie sich in die Jackentasche. Und Arbeitern haben wir die Löhne noch bar in ihre Lohntüten ausgezahlt", erzählt das waschechte Freiburger Bobbele.

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Bei der Volksbank hat sich der Schrebergarten-, Rolling-Stones- und Italienliebhaber besonders um den Betriebssport verdient gemacht. 1967 half er mit, eine Fußballmanschaft zu gründen, 1969 war er die treibende Kraft beim Zustandekommen des Volksbank-Tischtennisteams, dem er seither treu geblieben ist.

In ein Loch werde er keinesfalls fallen, wenn er sich nun nicht mehr jeden Morgen von der nahen Wohnung zur Arbeit in die Volksbank-Filiale aufmachen müsse. Rohleder: "Ganz ehrlich, der Abschied fällt mir leicht. Eigentlich wollte ich immer schon mit 58 in Rente gehen. Nur die jungen Kollegen werde ich vermissen." Künftig werde er stattdessen seiner Frau, mit der er seit 1973 verheiratet ist und die noch einige Zeit weiter arbeiten muss, Aufgaben im Haushalt abnehmen. "Dann ist da noch unser Garten. Und außerdem wollen wir endlich gemeinsam nach Norwegen fahren", sagt Joachim Rohleder – ein alter Traum. Da er darüber hinaus auch noch im Bürgerverein, im Musikverein und in närrischer Weise bei den Waldseematrosen dabei ist, wird der Ruhestand für Rohleder wohl in der Tat so ganz ruhig nicht werden.

Autor: Holger Schindler