Am Torplatz wird abgeholzt

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 28. September 2017

Freiburg West

Die hölzerne Kunstinstallation in Betzenhausen soll bei der Umgestaltung entfernt werden.

BETZENHAUSEN. Der Betzenhauser Torplatz soll zukünftig ohne Tor auskommen: Anders als noch 2014 schlägt die Stadtverwaltung vor, die bislang auf dem Platz stehenden hölzernen Kunstwerke zu entfernen und damit Raum zu schaffen für eine wirkliche Neugestaltung. Anstelle der Kunstwerke sollen zwei Bäume ein Tor symbolisieren. Der Umbau ist für die zweite Jahreshälfte 2018 geplant – sofern der Gemeinderat die Kosten bewilligt, deren genaue Höhe noch nicht feststeht. Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung kamen die neuen Ideen unterschiedlich an.

Es ist bereits drei Jahre her, seit sich die Bürger zuletzt Gedanken über den Betzenhauser Torplatz gemacht haben. Die Umgestaltung ist Teil des Zentrenaktivierungskonzepts (ZAK). Doch dessen Umsetzung verzögerte sich mehrmals – und statt in einem Abwasch werden die Projektbausteine mittlerweile in Etappen umgesetzt. Fertig sind das Bischofskreuz und der westliche Teil der Sundgauallee. Der Betzenhauser Torplatz und die östliche Sundgauallee fehlen noch. Die Kosten haben sich unterdessen vervielfacht: Ursprünglich waren für das Gesamtprojekt 2,2 Millionen Euro anberaumt. Aber allein der 2016 abgeschlossene Umbau der westlichen Sundgauallee hat 8,8 Millionen Euro verschlungen, inklusive 2 Millionen für die Sanierung der Straßenbahngleise durch die Freiburger Verkehrs-AG (VAG). Was die noch fehlenden Bausteine Betzenhauser Torplatz und östliche Sundgauallee konkret kosten werden, konnte die Stadtverwaltung auf Nachfrage der BZ nicht sagen. Vor zwei Jahren wurden einmal 4,9 bis 5,9 Millionen Euro genannt. Die beiden noch ausstehenden Bauabschnitte müssen noch den Gemeinderat passieren.

Bei der Infoveranstaltung war die Finanzierung nur ganz am Rande Thema. Stattdessen diskutierten die rund 90 Anwesenden mehr als zwei Stunden lang munter über die angedachte Platzgestaltung. Robert Staible vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung, Matthias Heigold vom Garten- und Tiefbauamt, Mathias Fridrich vom Stadtplanungsamt und Landschaftsplaner Christian Korn vom Büro Henne und Korn hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, die Kunstwerke, die bislang auf dem Platz stehen, komplett zu entfernen.

Die Holzskulpturen stammen von Hans-Dieter Schaal aus Attenweiler (zwischen Bodensee und Ulm) und sind Überbleibsel der Landesgartenschau 1986. Der Künstler hat sich inzwischen dafür ausgesprochen, seine Werke entweder vollständig zu erhalten oder ganz abzureißen – eine noch 2014 angedachte Zwischenlösung kommt deshalb nicht mehr in Frage. Als Ersatz haben sich die Planer ein symbolisches "Baumtor" überlegt. "Ich habe nicht die künstlerische Phantasie, das als Tor zu erkennen", meinte jedoch ein Teilnehmer der Infoveranstaltung. Ähnlich äußerten sich weitere Bürger – während anderen die vorgeschlagene Neugestaltung samt Symboltor gut gefiel. Vielleicht könnten statt zwei kerzengeraden Säulenbäumen eher großkronige Baumarten verwendet werden, sodass der Torcharakter eher in Erscheinung trete, war ein Kompromissvorschlag.

Einige Teilnehmer sprachen sich für ein neues künstlerisch gestaltetes Tor aus, eventuell auch am Rand des Platzes Richtung Seepark. Ein Mann wollte die torförmige Blende einer bestehenden Pergola erhalten. Was mit dieser Betonkonstruktion geschieht, sei sowieso noch unklar, erklärte Robert Staible: Die Pergola stehe auf Privatgrund, Gespräche über einen Abriss liefen. Auch ganz andere Ideen hatten die Bürger: Wenn es ein Problem sei, dass der Betzenhauser Torplatz kein Tor mehr habe, dann solle man ihn doch umbenennen in Betzenhauser Marktplatz oder ganz einfach Betzenhauser Platz.

Große Diskussionen gab es über die zukünftige Nutzung des Areals: Vor allem unmittelbare Nachbarn befürchteten mehr Lärm und Unruhe in den Nachtstunden. "Wir wollen da keine Partymeile", machte eine Anwohnerin klar. Die Stadtverwaltung stenografierte die vielen Anregungen fleißig mit. Diese würden in die weiteren Planungsschritte einfließen, versprach Staible. Wenn der Gemeinderat grünes Licht gibt, sollen die Bauarbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2018 über die Bühne gehen. Die östliche Sundgauallee wird frühestens 2019 umgestaltet.