Integration

Beim "Menschen stärken Menschen"-Fest feierten Geflüchtete und Helfer in der Bundschuhhalle

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 18. Dezember 2017

Freiburg

Musik, Tanz, Gesang in der Bundschuhhalle: Organisiert wurde das Fest vom Bundesnetzwerk „The African Network of Germany“ (TANG) und dem Interkulturellen Deutsch-Afrikanischen Vereins.

Beim Solo ist Sidney (13) nervös. Das merkt aber niemand, sie singt kraftvoll. Die anderen Achtklässler der Tuniberg-Werkrealschule aus Opfingen stimmen mit ein: "Stille Nacht, heilige Nacht". Auf Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch. Die Jugendlichen nehmen teil am Projekt "Wo ich singe, ist meine Heimat". Sie traten am Samstag beim Fest "Menschen stärken Menschen" des Bundesnetzwerks "The African Network of Germany" (TANG) und des Interkulturellen Deutsch-Afrikanischen Vereins in der Bundschuhhalle in Lehen auf.

Durch den ganzen Saal ziehen Sidney, Silas (13), Gino (15), Aleyna (14) und die anderen auf die Bühne: Dann legt Joel da Silva am Keyboard los, zuerst mit "Bruder Jakob", ebenfalls in mehreren Sprachen. Danach kommt "Stille Nacht". Joel da Silva ist Dirigent am Theater und stammt aus Brasilien. Er und seine Kollegin Laura Storm musizieren zurzeit jede Woche mit den Tunibergschülern. Rund 80 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund, schätzt er – so wie Aleyna, deren Familie ursprünglich aus der Türkei kam. Von den anderen stammen einige aus Sinti-Familien. In der nächsten Phase des Projekts werden alle zusammen mit Jugendlichen von Wentzinger-Gymnasium (Mooswald) und Bertold-Gymnasium (Waldsee) proben. "Das wird besonders interessant", sagt Joel da Silva. Denn bei den anderen Schülern haben die meisten keinen Migrationshintergrund.

Den Tunibergschülern gefällt das Projekt, das die unterschiedlichen Sprachen und Lieder der Jugendlichen aufgreift: "Es ist egal, woher wir kommen, wir werden alle gleich behandelt", sagt Gino. Weihnachtslieder wie "Stille Nacht" sind sonst nicht so sein Ding. Die Jugendlichen mögen lieber die HipHop-Richtung "West Coast". Doch das Singen gefällt allen. Das Projekt ist eines von mehreren, bei denen die umtriebige CDU-Stadträtin Sylvie Nantcha mitmischt, die Vorsitzende des bundesweiten Netzwerks "The African Network of Germany" (TANG) und Mitgründerin des Interkulturellen Deutsch-Afrikanischen Vereins (IDAV).

Mehr als 400 Patenschaften sind im Projekt entstanden

Genau wie vor einem Jahr in Hochdorf hat sie wieder alle Engagierten zu einem Jahresabschlussfest eingeladen, diesmal nach Lehen. Der Ortsvorsteher Bernhard Schätzle begrüßt die Gäste und erinnert an das Engagement der Lehener für die Geflüchteten, die vor zwei Jahren vorübergehend auf dem Mundenhof-Gelände untergebracht waren. Die Kontakte bestünden immer noch. Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach dankt allen Helferinnen und Helfern und erwähnt besonders die mehr als 400 Patenschaften, die in knapp zwei Jahren im Projekt "Menschen stärken Menschen" zwischen einheimischen und geflüchteten Menschen entstanden sind. Es wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Bundesmittel gibt’s auch für andere Projekte: Vom Innenministerium kommen Zuschüsse für die Schulung von Multiplikatoren unter dem Motto "Vielfalt gestalten" und für den Ausbau der TANG-Strukturen in allen Bundesländern. Das Familienministerium ermöglicht den Einsatz von 20 Geflüchteten im Bundesfreiwilligendienst. Und mit Hilfe des Auswärtigen Amts ist Sylvie Nantcha, die selbst aus ihrer Heimat Kamerun ausgewandert ist, im Projekt "Verlorene Träume" in mehreren afrikanischen Ländern unterwegs. Sie will mögliche Flüchtlinge über die Gefahren auf der Flucht und ihre meist schlechten Perspektiven in Deutschland aufklären. Fluchtursachen werden dadurch zwar nicht beseitigt, nur die Fluchtrisiken klarer.

Beim Bühnenprogramm des Fests mit viel Musik sind auch Gäste aus anderen Städten dabei: So wie 13 Frauen vom Arabischen Haus in Mannheim, die eine Modenschau mit Kleidern und Infos aus ihren Herkunftsländern präsentieren.