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08. September 2017

Ein Raumdeuter der besonderen Art

Rüdiger Fett wird am Sonntag in seine Aufgabe als Pfarrer des evangelischen Predigtbezirks Matthäus eingeführt.

  1. Der neue Pfarrer Rüdiger Fett will nun den Freiburger Westen und die Menschen dort kennenlernen. Foto: Günter Hammer

BETZENHAUSEN (BZ). "Es ist ein schöner Prozess, ein neues Haus und andere Räume kennenzulernen": Rüdiger Fett, der neue Pfarrer des evangelischen Predigtbezirks Matthäus, meint das nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne. Sein Büro hat er eingerichtet, jetzt will er den Stadtteil und seine Menschen kennen lernen. Am Sonntag, 10. September, ab 16 Uhr, wird Pfarrer Fett in der Matthäuskirche, Sundgauallee 31, von Stadtdekan Markus Engelhardt gottesdienstlich in seine neue Aufgabe eingeführt.

Im Predigtbezirk Matthäus, der zur evangelischen Pfarrgemeinde West gehört, ist Rüdiger Fett Nachfolger von Pfarrer Ewald Förschler, der bereits vor knapp zwei Jahren in eine andere Gemeinde wechselte.

In den vergangenen acht Jahren war Rüdiger Fett Gemeindepfarrer in Kornwestheim bei Stuttgart. Jetzt ist er mit seiner Ehefrau Bianca und den beiden Kindern im Kindergartenalter auf der anderen Seeparkseite in den Stadtteil Mooswald gezogen. "Mich hat das tolle, durchdachte Konzept in der Matthäuskirche in Betzenhausen-Bischofslinde sehr angesprochen", sagt er. Ein Schwerpunkt ist die Familienbildung, die Eltern von Anfang an bei der Erziehung und im Familienleben stärken, stützen und begleiten will. Und der andere Schwerpunkt ist die Friedensarbeit in der Gemeinde, die sich aktiv in die friedenspolitische Debatte einbringt. "Da möchte ich gerne einsteigen", beschloss der 48-jährige Theologe.

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Aus den Jahren in Kornwestheim bringt er viel Erfahrung in ökumenischer Zusammenarbeit mit. Dort gibt es seit mehr als vier Jahrzehnten das von den beiden großen christlichen Kirchen errichtete und genutzte Thomashaus. Hier hatte Fett einen Arbeitsschwerpunkt. "Ökumene ist mir ans Herz gewachsen", sagt er und berichtet vom gelungenen Projekt des ökumenischen Ortskirchentags. Neu für ihn ist indes, dass es in der Badischen Landeskirche Rahmenverträge für ökumenische Partnerschaften zwischen den Ortsgemeinden gibt. Auch zwischen der katholischen St.-Albert-Gemeinde und der evangelischen Matthäuskirche gibt es seit zwölf Jahren solch einen Partnerschaftsvertrag.

Gemeinwesenbezogene Arbeit ist für Rüdiger Fett wichtig. Denn es gälte sich immer wieder einzuüben, dass "das Leben für alle friedlicher und solidarischer" werde. Dabei legt er Wert darauf, dass beispielsweise die Konfirmandenarbeit, der Religionsunterricht und die Kindergartenarbeit gut gestaltet und als wertvolle "Räume" begriffen werden. In diesen "Räumen" könne etwas von der "Berührbarkeit Gottes deutlich werden, dass da Begegnung stattfindet".

Hilfreich ist Rüdiger Fett dabei sicherlich seine Ader fürs Literarische und für zeitgenössische Kunst. "Ich habe eine Leidenschaft, kreative Formen und Inhalte zu entwickeln und zu gestalten", erklärt er. Denn auch dadurch könnten "Räume" im eigenen Inneren betreten werden, die für das eigene Leben und die Gemeinschaft hilfreich sein können. So könnten ein literarischer Text und ein biblischer Text, die aufeinander bezogen werden, neue "Lebenswelten erschließen und sich gegenseitig öffnen".

Rüdiger Fett ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und von dieser zunächst für drei Jahre an die Badische Landeskirche ausgeliehen. Was zunächst kurios klingt und an Fußball-Transfers erinnert, hängt mit landeskirchlichen Vereinbarungen und rechtlichen Aspekten zusammen. Er hatte in Hamburg, Bielefeld und Berlin studiert und gelebt und wird nun Freiburg und Südbaden entdecken. Vielleicht kommt er dazu, zusammen mit seiner Familie auch seinen Hobbys nachzugehen: Wandern, Skilaufen und der Besuch von Kunstausstellungen. Er ist sich gewiss: "Es ist ein spannender Neuanfang".

Autor: bz