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31. Januar 2012
Eine Kooperation, die alle gut finden
Bevor der Jugendtreff "Chummy" 2010 ins Untergeschoss der Matthäus-Gemeinde zog, gab’s Bedenken – jetzt läuft alles prima.
BETZENHAUSEN. Dass die Cevapcici jugoslawisch schmecken, ist im Jugendtreff "Chummy" sichergestellt: Orhan Sabani (17) und Orhan Kerimovski (18) haben die Rezepte mitgebracht, beide stammen ursprünglich aus Pristina und gehören zu rund 120 Jugendlichen, die seit Sommer 2010 den Treff im Untergeschoss der evangelischen Matthäusgemeinde nutzen. Die Freunde finden die Räume "cool". Auch die Gemeinde ist mit der Kooperation sehr zufrieden.
In dem einen Topf rühren Jungs Fleisch, Zwiebeln und Petersilie zu einer Masse, in einen zweiten steckt Rima Elbatal (18) Blockschokolade für den Nachtisch: kroatische Kokosschnitten. Rimas Familie kam aus dem Libanon nach Freiburg, sie geht in die Körperpflege-Klasse der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule und ist seit zwei Monaten oft im "Chummy". Egal ob Video- oder Kochabende oder Mädchentag: Ihr gefällt, dass alle zusammenhalten und immer jemand zum Reden da ist. "Die Betreuer sind genau so, wie sie sein sollen", sagt Orhan Sabani, der bald seinen Abschluss an der Gerhard-Hauptmann-Werkrealschule macht und täglich kommt: zum Kickern und Rappen.Werbung
Die "Chummy"-Jugendlichen sind sehr international, rund 70 Prozent haben Migrationshintergründe, schätzt "Chummy"-Leiter Benjamin Jung, die meisten sind Muslime. Zur Matthäus-Gemeinde, deren Räume sie seit eineinhalb Jahren nutzen, gibt’s wenig direkte Kontakte. Ab und zu aber planen Gemeinde und Jugendtreff mit ihren Jugendlichen gemeinsame Aktionen, erzählen Ernst-Otto Blachnitzky und Regina Schiewer vom Ältestenrat der Gemeinde: zum Beispiel Präventionstage gegen Gewalt und Drogen. Und beim Gemeindefest haben "Chummy"-Jugendliche die Kinderbetreuung übernommen. Bei der Matthäus-Gemeinde gibt’s regelmäßige Jugendarbeit derzeit nur mit Konfirmanden, die meisten gehen aufs Gymnasium und sind in ihrer Freizeit ausgebucht. "Chummy" dagegen richtet sich an diejenigen, die Unterstützung brauchen – und die Räume der Gemeinde schon deshalb genießen, weil sie beengt leben müssen: Einige wohnen in der Flüchtlingsunterkunft an der Bissierstraße, "in sehr belastenden Verhältnissen", sagt Benjamin Jung. Langfristig kann er sich vorstellen, dass "Chummy" auch von Gymnasiasten genutzt wird, die bisher eher fernbleiben.
Klar ist jetzt schon: Die Kooperation nutzt sowohl den "Chummy"-Jugendlichen als auch der Gemeinde, die ihr Zentrum ohne Vermietung nicht hätte halten können. Fürs sonntägliche Familienprogramm mit Kinderaktionen und Bibelarbeit werden die dann leeren "Chummy"-Räume mitgenutzt, überhaupt stimmen sich Sozialarbeiter und Ältestenrat in ihrer Jahresplanung ab, die Kontakte sind eng. Auch die Bedenken aus der Nachbarschaft, gegen die der im Jahr 2000 gegründete Trägerverein früher ankämpfte, hätten sich in Wohlgefallen aufgelöst, sagen alle. Die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Hammerich findet es toll, dass den Jugendlichen nun signalisiert werde, dass sie willkommen seien.
JUGENDTREFF CHUMMY
"Chummy" wird von einem derzeit zehnköpfigen Trägerverein getragen, der jährlich 45 000 Euro Miete und in diesem Jahr 152 240 Euro für Personal- und Sachkosten als städtische Zuschüsse erhält. Benjamin Jung und Katrin Knörzer arbeiten Vollzeit bei "Chummy", dazu kommen eine Minijobberin und derzeit eine Honorarkraft. Offene Treffs sind wochentags ab 15 Uhr, montags ist Jungs- und mittwochs Mädchentag. Weitere Infos bei "Chummy", Sundgauallee 31, Tel. 0761/ 38 43 38 96
Autor: anb
Autor: Anja Bochtler
