"Spiegelvariante"

Flugplatz-Befürworter wollen Votum zum SC-Stadion vertagen – und eine Stadträtin wittert eine Verschwörung

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 18. Juli 2018 um 20:46 Uhr

Freiburg

Die Initiative "Pro Flugplatz" sieht offene Fragen zur "Spiegelvariante" des Stadions und will die Entscheidung des Gemeinderats verschieben. Währenddessen wirft Stadträtin Gerlinde Schrempp der Stadt vor, einen Flugunfall ins Kalkül zu ziehen, um den Flugplatz zu schließen.

Die Bürgerinitiative "Pro Flugplatz" hat den Gemeinderat aufgefordert, die Verabschiedung des Bebauungsplans fürs SC-Stadion zu vertagen. Die Zeit bis Dienstag sei für die Stadträtinnen und Stadträte zu knapp, um die alternative "Spiegelvariante" der BI zu prüfen, sagte deren Anwalt Michael Bender am Mittwochabend in einer Veranstaltung der Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg. Deren Stadträtin Gerlinde Schrempp warf der Stadtverwaltung vor, einen Flugunfall ins Kalkül zu ziehen, um den Flugplatz schließen und bebauen zu können.

BI-Jurist Bender kritisierte die mangelnde Dialogbereitschaft der Stadtverwaltung. Seine "Spiegelvariante" und ihre Optimierung durch das Frankfurter Büro Speer seien "im stillen Kämmerlein" geprüft worden. Das Ergebnis sei erst seit einer oder zwei Wochen bekannt. "Das ist nicht entscheidungsreif". Auch wenn der SC drücke, dürfe Zeit keine Rolle spielen, sagte Bender.

Tatsächlich sind die Stadträte vor einem Monat im Hauptausschuss informiert worden. Der Leiter des federführenden Amts für Projektsteuerung und Stadtentwicklung lehnte die "Spiegelvariante" als unsinnig ab. Sie sieht vor, Arena und Flugplatzgebäude zu tauschen, gleichsam zu spiegeln. Also: Tower und Hangar Richtung Technische Fakultät und Stadtteil Mooswald zu verlagern und das Stadion in die Nähe der Möbelhäuser an der Hermann-Mitsch-Straße zu verschieben. Laut Stadtverwaltung hat es zwei Fraktionsgespräche gegeben, um Fragen zu klären. "Der Stadtverwaltung ist es bewusst, dass es sich um ein Mammutwerk handelt." Auf die BZ-Frage nach einer möglichen Vertagung ging das Baudezernat nicht ein. Am Tag nach der Entscheidung des Gemeinderats sollen bereits Notartermine stattfinden.



Für Gerlinde Schrempp ist das geplante Stadion ein Sicherheitsrisiko. "Ein Unfall ist im Kalkül derjenigen, die die Planungsvariante der Stadt bevorzugen." Dann nämlich werde gebaut. "Das ist Sinn und Zweck." Das Baudezernat verwahrte sich tags darauf "auf das Entschiedenste gegen diese zynische Behauptung". Gutachten hätten gezeigt, dass Flugplatz und Stadion parallel möglich seien.

Allerdings nicht an Spieltagen. Dann wären auch Organtransporte nicht möglich. Doch bereits seit März fliegt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) den Freiburger Flugplatz nicht mehr an. Die Entnahmeteams fahren auf der Autobahn zum Baden-Airpark, fliegen zum Organspender, landen in Lahr – und retour. "In Karlsruhe wurde eine Lunge in die Tonne getreten, weil die Zeit nicht reichte", sagte Schrempp und löste Fassungslosigkeit unter den knapp 100 Zuhörern im Uni-Hörsaal aus.

Die Uni-Klinik teilte auf Anfrage der BZ mit, dass der Flugplatz aufgrund fehlender Sicherheitsstandards nicht mehr angeflogen werde. Die neue Transportvariante sei so schnell wie mit Turboprop-Maschinen von und nach Freiburg. Seit März habe es neun Transporte gegeben. Die Uni-Klinik sehe in der geänderten "Fluglogistik keine Gefährdung für die zu transplantierenden Patienten". Die von Schrempp genannte Lunge sei im Organspender verblieben, weil das Entnahmeteam sie als nicht geeignet eingeschätzt habe.
Die Spiegelvariante

Im Mai 2017 präsentierte die Bürgerinitiative "Pro Flugplatz" die Idee einer Spiegelvariante: Der geplante Standort fürs SC-Stadion samt Infrastruktur am Wolfswinkel solle getauscht werden mit den bestehenden Flugplatzanlagen samt Infrastruktur. Damit, so die Erwartung, wäre die Arena weit genug entfernt von der Wohnbebauung in Mooswald, und die Flieger müssten sich keine Sorgen machen wegen der befürchteten Luftverwirbelungen. Die Stadtverwaltung ließ den Vorschlag prüfen und von einem Fachbüro optimieren. Sie kommt zu der Einschätzung, dass die Spiegelvariante untauglich ist: zu wenig Platz, zu große Sicherheitsrisiken, keine Trainingsplätze, stattdessen ein Parkhaus auf jener Fläche, die das Möbelhaus Mömax nutzten soll, um auf dessen jetzigen Standort in Zähringen Wohnungen zu bauen.

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