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08. Februar 2012 16:26 Uhr

Luftrettung

Freiburger Rettungshubschrauber war 2011 im Dauereinsatz

1245 mal musste der Freiburger Rettungshubschrauber im vergangenen Jahr in die Luft. Nur im Jahr 2009 gab es genau einen Einsatz mehr. Das teilte die DRF Luftrettung mit.

  1. Christoph 54 im Einsatz Foto: Ingo Schneider

Der spektakulärste Flug führte ins Zastlertal östlich von Freiburg: Eine 48-Jährige war mehrere Meter in die Tiefe gestürzt.

Bei "Christoph 54" handelt es sich nicht etwa um den Nickname in einem Internetforum, sondern um den Funkrufnamen des rot-weißen Hubschraubers der DRF Luftrettung am Freiburger Flugplatz. Deutschlandweit erhalten alle Rettungshubschrauber diesen Namen – samt entsprechender Nummer. "Christoph ist der Schutzpatron der Reisenden", erläutert Eva Baumann, Pressereferentin der DRF Luftrettung. DRF wiederum steht für "Deutsche Rettungsflugwacht", eine Bezeichnung, die seit einigen Jahren nicht mehr verwendet wird und nur als Kürzel überlebt hat.

Angefunkt wird "Christoph 54" immer dann, wenn er im Umkreis von 50 Kilometern schneller am Einsatzort sein kann als der Notarztwagen, oder wenn ein Intensivpatient von einem Krankenhaus in eine Spezialklinik transportiert werden muss.

Im Alarmfall muss alles sehr schnell gehen. Ein Team aus Notarzt, Rettungsassistent und Pilot steht dazu an der Station von 8 Uhr morgens bis Sonnenuntergang bereit. "Ganz gleich, mit was wir uns gerade beschäftigen – sobald der Pager Alarm schlägt, müssen wir alles stehen und liegen lassen", berichtet Werner Reichel, Pilot und Stationsleiter. Zwei Minuten danach befindet sich das Team bereits in der Luft. Unterwegs erhalten sie weitere wichtige Informationen von der Leitstelle als Kurzmitteilung auf den Pager, eine Art Handy mit Alarmfunktion. Idealerweise den Namen des Patienten und die Art des Unfalls. Die Unfallstelle wird direkt auf das Navigationsgerät des Hubschraubers gesendet. "Christoph 54" ist spätestens nach 15 Minuten vor Ort. Sein Einsatzgebiet reicht von Offenburg bis Lörrach und vom Rhein bis zum Feldberg. Patiententransporte führen über den Schwarzwald bis hin zum Allgäu. Nachts geschieht wesentlich weniger, weshalb "Christoph 54" die Notfallrettung den Intensivtransportern am Boden überlässt. Außerdem gibt es an acht Standorten in Deutschland Rettungshubschrauber im 24-Stunden-Betrieb.

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Am Unfallort angekommen, zählt jede Minute. Kann der Hubschrauber einmal nicht direkt vor Ort landen, müssen die letzten Meter notfalls mit dem Auto zurückgelegt werden. "Es kann sein, wir halten einfach ein Fahrzeug an", sagt Reichel.

Im vergangenen Sommer versorgten Notarzt und Rettungsassistent häufig verunglückte Motorradfahrer, verletzte Sportler oder Patienten mit lebensgefährlichen allergischen Reaktionen nach Wespenstichen. Mitte April war eine 48-jährige Frau beim Klettern im Zastlertal einige Meter in die Tiefe gestürzt. Ein Einsatz, der aufgrund des Berghangs besonders schwierig gewesen sei. "Nach der medizinischen Versorgung durch unseren Notarzt und Rettungsassistenten flogen wir die Frau innerhalb weniger Minuten in die Freiburger Uniklinik", berichtet der Pilot.

Von Klinik zu Klinik wurden vor allem Schlaganfall- und Herzpatienten transportiert. Das seien besondere medizinische Herausforderungen, sagt Werner Reichel. Wie bei jenem 46-Jährigen, der auf eine künstliche Lunge angewiesen war und in die Freiburger Uniklinik geflogen werden musste.

Reichel, der seit circa 18 Jahren für die DRF Luftrettung fliegt, bezeichnet das Jahr 2011 "als ein besonders einsatzstarkes Jahr in Freiburg." Tatsächlich wurde der Rettungshubschrauber rund sieben Prozent mehr angefunkt als 2010 (siehe Grafik). In den letzten zehn Jahren haben die Rettungseinsätze von "Christoph 54" kontinuierlich zugenommen.

"Das liegt aber nicht etwa an steigenden Unfallzahlen", erklärt Eva Baumann, "sondern vor allem an der Umstrukturierung des Gesundheitssystems und der dadurch bedingten Spezialisierung der Kliniken". Früher habe der Hubschrauber eine Ergänzungsfunktion gehabt, heute sei habe er vielmehr eine Ersatzfunktion.

Im letzten Jahr war "Christoph 54" durchschnittlich 3,4 mal am Tag in der Luft. Ein Einsatz dauert rund 1,5 Stunden. Die Kosten für eine Rettungsaktion werden zum Großteil von den Krankenkassen bezahlt. Circa ein Viertel der Kosten trägt die DRF Luftrettung, die aus einem gemeinnützigen Förderverein, einer Stiftung und einer gemeinnützigen AG besteht, weitgehend selbst. "Ein Einsatz wie im Zastlertal kostet grob geschätzt 1000 Euro", berichtet Reichel. Abgerechnet werde per Flugminute. Die Kosten für die Bergung und den Transport durch einen Rettungswagen lägen im ähnlichen Bereich. In Deutschland hat jeder Betroffene Anspruch auf die Hilfe eines ’Christoph-Hubschraubers’ – sofern dies medizinisch notwendig ist.

Autor: Mirja Straub