Ohne Schlüssel kein heißes Steak

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Fr, 10. August 2018

Freiburg West

Für die umstrittene Grillstelle am Spielplatz Häge in St. Georgen hat die Stadt nun klare Regeln aufgestellt / Testlauf bis Jahresende.

FREIBURG-ST. GEORGEN. Die umstrittene Grillstelle am Spielplatz Häge im Stadtteil St. Georgen wird vorerst bleiben – aber sie soll abschließbar sein. Nutzer müssen den Schlüssel im Rathaus besorgen und sich registrieren. Auch die Öffnungszeiten werden reglementiert, denkbar wäre zudem ein Sicherheitsdienst. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Stadtverwaltung, die Anwohner und der Bürgerverein bei einem Vorort-Termin, an dem auch vier Stadträte teilnahmen. Falls sich die neuen Regelungen nach einem Testlauf nicht bewähren, wird neu verhandelt.

In einem waren sich die knapp 50 Anwesenden einig: Der für 140 000 Euro sanierte Spielplatz in der Nähe des St. Georgener Freibads ist toll geworden. Doch die Fläche ist nicht nur mit neuen Geräten ausgestattet worden. Im rückwärtigen Teil ist ein 250 Quadratmeter großer Picknickbereich samt Grillstelle hinzugekommen. Gegen diese hagelte es noch vor der Eröffnung Protest (die BZ berichtete).

Anwohner wandten sich mit einem Schreiben und 39 Unterschriften ans Rathaus, weil sie Lärm und Rauch befürchten. Der Besitzer eines angrenzenden privaten Gartens hat zudem Sorge, dass ihm Holz geklaut wird oder dass seine Gartenmöbel im Feuer landen. Dabei hatte die Stadtverwaltung vor der Umgestaltung die Bürger um ihre Meinung gebeten – die damals 16 anwesenden Teilnehmer hätten eine Grillstelle ausdrücklich befürwortet, erklärten Frank Uekermann und Stephan Lemper vom städtischen Garten- und Tiefbauamts (GuT).

Zur Bürgerbeteiligung seien die Anwohner jedoch nicht explizit eingeladen worden, bemängelten viele Anwesende jetzt beim Vorort-Termin. Auch die Bekanntmachungen der Stadtverwaltung hätten sich lediglich an die Spielplatznutzer gerichtet – da habe er sich als Vater von älteren Kindern nicht angesprochen gefühlt, sagte ein Mann: "Von einer Grillstelle war nie die Rede." Dass "der nette kleine Spielplatz so erweitert werden könnte, hätte ich mir niemals vorstellen können", meinte eine Anwohnerin.

Auch der Bürgerverein, der bei dem Beteiligungsverfahren vertreten war, sei im Nachhinein "etwas überrascht gewesen über die Dimension", sagte der Vorsitzende Martin Maier. Auf dem vorgelegten Plan sei die Grillstelle "so groß gewesen wie ein Daumennagel". Da es auch zuvor eine kleine Feuerstelle auf dem Spielplatz gab, hatte der Bürgerverein kein Problem gesehen.

Neben der Grillstelle kristallisierte sich beim Vorort-Termin jedoch eine andere Schwierigkeit heraus: Der Spielplatz wird von Jugendlichen gerne als Treffpunkt genutzt – und dabei geht es nicht immer ganz so leise zu. Das war auch schon vor der Umgestaltung so, habe sich aber bereits jetzt verschärft, berichtete ein Anwohnerin. Denn der neue Picknickbereich liegt etwas versteckt, was für die Jugendlichen noch attraktiver sei. Sie befürchtete, "dass hier eine Partymeile eröffnet wird".

"Das sind zwei völlig verschiedene Sachen", meinte CDU-Stadträtin Irmgard Waldner, die wie ihre Gemeinderatskollegen Renate Buchen (SPD), Brigitte von Savigny (Unabhängige Listen) und Karl-Heinz Krawczyk (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg) beim Treffen zu vermitteln versuchten – Krawczyk hatte einen solchen Termin nach einer Debatte im gemeinderätlichen Bauausschuss vorgeschlagen.

Aber nicht nur Gegner der Grillstelle waren beim Gespräch anwesend. "Wir wohnen auch in der Umgebung und finden den Platz toll", sagte eine Frau – gerade für Familien mit Kindern. Das meinte auch GuT-Leiter Frank Uekermann. Es gebe einen Bedarf an Grillplätzen in Freiburg – "und besser wir machen ein Angebot, als dass unkontrolliert gegrillt wird".

Frank Uekermann schlug deshalb einen Kompromiss vor: Die Grillstelle wird mit einer abschließbaren Schale abgedeckt. Den Schlüssel dazu gibt es künftig im Rathaus, die Nutzung ist kostenlos. Wer den Platz reservieren will, muss allerdings seinen Personalausweis abgeben. "Dadurch haben wir jemand, den wir haftbar machen können", sagte Uekermann.

Ein Konzept wie bei den Grillhütten

Ein ähnliches Konzept gebe es bei den Grillhütten, die das städtische Forstamt verwalte: "Die Erfahrungen dort sind sehr positiv." Außerdem will die Stadtverwaltung genau festlegen, wie lange der Grillplatz genutzt werden darf. Sollte das alles nicht reichen, könnte "in einer zweiten Eskalationsstufe" auch noch über einen Sicherheitsdienst nachgedacht werden, so Uekermann.

Mit diesem Kompromiss konnte am Ende des Gesprächs die Mehrheit der Anwesenden leben. Vereinbart wurde ein Testlauf bis zum Jahresende – dann wird Bilanz gezogen und gegebenenfalls nochmals neu diskutiert.