Menschen von nebenan

Quartiersarbeiterin Monika Riedinger übernimmt Aufgabe in Hochdorf

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Sa, 14. Oktober 2017

Freiburg West

Sie ist vielseitig, immer wieder neu auf der Suche und probiert gern aus: Das sind gute Voraussetzungen für die neuen Aufgaben von Monika Riedinger (54). Seit Oktober ist sie für den Caritasverband als Quartiersarbeiterin im Einsatz, mit 25 Prozent in Hochdorf, wo die Vorgängerin in Elternzeit ging, und mit 60 Prozent rund um den Zehntsteinweg in Betzenhausen – dort gab’s bisher noch keine Quartiersarbeit.

Zurzeit sind Kennenlernen und Gespräche angesagt. Und viel Unterwegssein: zum einen in Hochdorf, wo Monika Riedinger in ein Büro im Familientreff des Michael-Denzlinger-Hauses einziehen konnte – bisher hatte die Quartiersarbeit im Kinder- und Jugendhaus unterkommen müssen, was als nicht ideal galt. Zum anderen knüpft Monika Riedinger die ersten Kontakte rund um den Zehntsteinweg, wo sie bisher noch kein Büro hat. Allerdings laufen Verhandlungen, wahrscheinlich klappt es bald.

Dass die Gegend um den Zehntsteinweg Quartiersarbeit braucht, hat Monika Riedingers Kollege Markus Fugmann, der – ebenfalls für die Caritas – in der Nähe im Stadtteiltreff Betzenhausen-Bischofslinde arbeitet, in seinem Alltag oft gemerkt. Welche Themen sie dort anpacken will, wird Monika Riedinger im Lauf der Zeit herausfinden, wenn sie genauer weiß, wo es hakt. Klar sei, dass dort viele Ältere leben, und dass Altersarmut zunehmend ein Thema ist, sagt sie.

Nach sehr unterschiedlichen Berufen kam die Sozialarbeit

Darauf ist sie gut vorbereitet: Seit Sommer 2009 hat sie achteinhalb Jahre lang mit wohnungslosen Menschen im Haus St. Gabriel der Caritas gearbeitet. "Dort habe ich erlebt, was Armut und Randständigkeit bedeuten", erzählt sie – da seien etliche dabei gewesen, die nicht lange zuvor ein stabil wirkendes bürgerliches Leben gehabt hätten, mit Häusern und Familien und Studiumsabschlüssen. Eigentlich fiel es ihr schwer, mit dieser Arbeit aufzuhören. Doch sie hatte mal wieder das Gefühl, sich verändern zu wollen – da kam die Quartiersarbeit genau richtig.

Veränderungen hat Monika Riedinger schon einige hinter sich: 1963 wurde sie in Heidelberg geboren, und als Erstes wurde sie Erzieherin. Dann kam ihr die Idee, das Abi nachzuholen. Das machte sie in Rastatt mit 27 Jahren. Es folgte ein Experiment: "Ich wollte mal was ausprobieren, was für mich unvorstellbar war", sagt sie – so begann sie, Maschinenbau zu studieren. Doch das passte überhaupt nicht, darum brach sie ab. Ihren nächsten Beruf liebte sie sehr: Sie ließ sich zur Kosmetikerin und medizinischen Fußpflegerin ausbilden und arbeitete fünf Jahre lang selbständig in ihrem eigenen Studio.

Sie genoss es, viel mit Mode zu tun zu haben, sowie die gesamte "schillernde Atmosphäre". Doch das finanzielle Überleben als Selbständige war mühsam, und als 1996 ihr Sohn geboren wurde, war das alles nicht mehr machbar. Monika Riedinger startete nochmal neu und beschloss, Soziale Arbeit zu studieren. Dafür zog sie mit ihrer Familie nach Freiburg. Davor hatte sie rund um Baden-Baden und Karlsruhe gelebt. Von diesem Studium war sie angenehm überrascht – in ihrer Jugend wäre es nie in Frage gekommen. Damals hatte sie immer den Eindruck, es sei "sehr ideologisch besetzt", sagt sie: "Auch optisch hätte ich das Gefühl gehabt, da passe ich nicht rein."

Doch die Zeiten hatten sich gewandelt, und Monika Riedinger empfand es so, dass fachliche Inhalte die ideologische Ebene ersetzt hätten. Mit damals 38 Jahren fühlte sie sich auch inmitten vieler viel jüngerer Studierender sehr wohl. Im Studium kam sie dann zum ersten Mal intensiver in Kontakt mit der Quartiersarbeit – durch den inzwischen emeritierten Professor Dietmar Müllensiefen, den sie sehr bewunderte, und seine Arbeit in Weingarten. Ihre Schwerpunkte im Studium waren Gerontologie und Straffälligenhilfe – nach dem Abschluss engagierte sie sich eine Zeitlang bei der Anlaufstelle für Haftentlassene an der Brombergstraße. Egal, mit wem sie arbeitet: Monika Riedinger ist es wichtig, möglichst authentisch zu sein.

Das will sie in den Quartieren umsetzen, in denen sie nun unterwegs ist. Sie selbst wohnt in Brühl-Beurbarung. Vor allem will sie Orte der Begegnung schaffen. Rund um den Zehntsteinweg sei das besonders wichtig. Schwierig für die vielen Älteren dort sei, dass es keine nahegelegenen Geschäfte gebe. Außerdem beschäftige viele das Thema Sicherheit.