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21. April 2010

Sänger ohne Sorgen

VEREINT IM VEREIN: Die Chorgemeinschaft Hochdorf ist wieder stark gewachsen.

  1. Dauerhaft dabei oder für einzelne Projekte? Beides ist möglich bei der Chorgemeinschaft Hochdorf. Foto: Kunz

HOCHDORF. Es gab eine Zeit, da ging es ihnen wie vielen Vereinen: Damals schrumpfte die Chorgemeinschaft Hochdorf. Von einst 40 Sängerinnen und Sängern waren 2003 nur knapp 20 übrig, erinnert sich die Vorsitzende Anita Reich. Dann gelang die Wende: Seit 2004 sind im Verein außer den Mitgliedern auch Sängerinnen und Sänger willkommen, die sich (noch) nicht langfristig festlegen wollen. Sie singen mit für ein, zwei, drei Projekte. Viele bleiben dann doch dabei. So kommt’s, dass bei den Hochdorfer Sängern nun 56 dauerhaft und 26 probeweise mitmachen.

Alles geht mit ordentlich Arbeit los. Diejenigen, die zuerst da sind, schleppen Stühle – einen nach dem anderen. Noch zwei Reihen kommen im Saal des Pfarrer-Meybrunn-Hauses zu den bestehenden Stuhlreihen dazu, bis irgendwann genug Plätze da sind. Die sind schnell besetzt, als schließlich alle eintrudeln: Mehr als 80 Leute. An der Wand hängen Fotos mit Namen, geordnet nach Bass, Sopran, Tenor und Alt. Eine kleine Orientierung, die den meisten gut tut, denn sie sind so viele, dass es schwer fällt, sich sämtliche Namen zu merken. Erst recht, weil einige nur vorübergehend mitmachen.

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Wer Mitglied und wer Projektsänger ist, fällt bei den Proben nicht auf. Gemeinsam stimmen sich die Dauerhaften und die Befristeten mit ihrem Dirigenten Rainer Hoffmann aufs Singen ein, bewegen ihre Beine auseinander, die Arme in die Luft und den Kopf in Kreisen. "Das sieht esoterisch aus", gibt Rainer Hoffmann gutgelaunt zu, "aber das macht nichts!" Mit dieser Gymnastik will er dazu beitragen, dass sich die Verspannungen des Alltags lösen. Das gelingt – wie natürlich auch mit der Musik. "Ich komme hierher und singe mich frei", schwärmt Margit Grünzig, seit einem Jahr dabei.

Der Übergang vom Sport zur Musik ist fließend, als er sich ans Klavier setzt und alle zu summen beginnen, viele mit geschlossenen Augen. Die meisten stehen, doch Rita Scherzinger sitzt. Mit 80 Jahren ist sie die älteste Sängerin, die meisten anderen sind zwischen Ende 20 und Mitte 60. Rita Scherzinger hat schon die erste große Wende miterlebt, als der 1905 gegründete reine Männerchor 1969 ein gemischter wurde. Ihr Mann war bereits dabei gewesen, nun kamen auch sie und die beiden Töchter mit zum Singen. Eine der Töchter ist Anita Reich, die damals 16 war. Sie blieb bis heute – und ist derzeit die Vorsitzende. Doch so viel Beständigkeit ist selten geworden. Viele hat gerade die Chance auf ein Reinschnuppern angezogen. Angelika Heiny zum Beispiel, die sich durch den Flyer angesprochen fühlte, der vor sechs Jahren zum ersten Projekt einlud: Gesucht wurden Menschen, die erstmal nur ein einziges Konzert mitgestalten wollten. "16 Mal Proben, ein Mal Lampenfieber" versprach dieser erste Flyer, erinnert sich Anita Reich. Das wirkte. Keine feste Mitgliedschaft, keine Verpflichtung, sich an den vielfältigen Aufgaben von der Organisation des Hochdorfer Waldhocks jeden Juli bis zur praktischen Unterstützung anderer Vereine am Ort zu beteiligen. Für Angelika Heiny, die neu zugezogen war und seit der Schulzeit nicht mehr gesungen hatte, war das genau das Richtige. Und ein "Projekt" – das klang interessant, nach etwas Neuem.

Bei der Chorvereinigung Hochdorf muss niemand vorsingen, es geht um die Freude an der Musik. Und: "Zum Singen gehört Geselligkeit", betont Angelika Heiny, darum gibt’s ebenso Ausflüge und gesellige Abende. Seit einigen Jahren ist aber auch das musikalische Niveau gestiegen, bilanziert Anita Reich. Dirigent Rainer Hoffmann achtet auf eine bunte Mischung von Filmmusik über A-cappella-Stücke bis zu Kirchenliedern.

Die nächsten Konzerte der Chorgemeinschaft Hochdorf, unter anderem mit Werken von Felix Mendelssohn und Duke Ellington: Samstag, 8. Mai (Hochdorfer St.-Martin-Kirche), und Sonntag, 9. Mai, (Herz-Jesu-Kirche am Stühlinger Kirchplatz), je 19.30 Uhr, Eintritt frei, Spenden erbeten.

CHORGEMEINSCHAFT HOCHDORF

Gegründet: 1905.
Mitglieder: 56 aktive und 26 Projektsängerinnen und -sänger.
Angebot: Proben, Auftritte, Konzerte.
Mitgliedsbeitrag: 15 Euro/Jahr, für Projekte 35 Euro.
Kontakt: Anita Reich,   07665 / 2275, http://www.chorvereinigung-hochdorf.de  

Autor: anb

Autor: Anja Bochtler