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08. Februar 2012

Studenten sollen wieder ausziehen

Bernd Veeser hat in den Obergeschossen seines Firmengebäudes Wohnraum geschaffen, was die Stadtverwaltung für unzulässig hält.

  1. Michaela Mayer, Julia Bost, Hanna Pfitzer (von links) fühlen sich eigentlich wohl in ihrer Studentinnenbude im Mooswälder Gewerbegebiet. Foto: Michael Bamberger

  2. Bernd Veeser (Mitte) mit einigen seiner Mieter, die aus ihren Zimmern über seinen Firmenräumen wieder ausziehen sollen. Foto: Michael Bamberger

MOOSWALD. Wohnungen für Studierende sind in Freiburg Mangelware. Umso unverständlicher findet es Bernd Veeser, dass die Stadtverwaltung ihm ein Bußgeld angedroht hat, wenn die zehn Studierenden, die in den Obergeschossen seines Hauses im Stadtteil Mooswald in zwei Wohngemeinschaften leben, nicht bald ausziehen. Denn das Gebäude, in dem der Fensterbauer seinen Betrieb hat, liegt baurechtlich in einem Sondergebiet – und dort ist Wohnen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Absurd, meint Bernd Veeser: Denn das Gebäude ist von Wohnhäusern umringt.

"Wir sind froh um jedes Studentenzimmer": Den Artikel mit dieser Überschrift aus der Badischen Zeitung hat sich Bernd Veeser demonstrativ in sein Zimmer gehängt. Er erschien im Herbst 2010 – und brachte Bernd Veeser auf die Idee, die Obergeschosse seines Gebäudes an der Rufacher Straße an Studierende zu vermieten. Denn die Räume standen leer. Der Fensterbauer nahm 25 000 Euro in die Hand und baute um. Gleichzeitig überlegte er sich, auch noch einen Anbau an sein Gebäude zu setzen: Dort hätten weitere 16 Studierende Platz. Denn die Studenten standen Schlange. Auf eine Anzeige für die Zimmer in den Obergeschossen meldeten sich 60 Interessenten.

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Umso empörter sind auch die Studierenden jetzt, dass sie nun wieder auf die Straße gesetzt werden sollen. Denn kurz nach dem Umbau bekam Bernd Veeser Post von der Stadtverwaltung. Die Studierenden müssten wieder ausziehen. Grund: Eine Wohnnutzung sei in dem Gebäude nicht erlaubt. Bernd Veeser rieb sich ungläubig die Augen – und auch heute, viele Monate und etliche Schriftwechsel später, kann er über die Stadtverwaltung nur den Kopf schütteln. Denn, so argumentiert er: In der näheren Umgebung gebe es zahlreiche Häuser mit Wohnungen. Und auch in seinem Gebäude, das seit den 1960er Jahren besteht, sind seit jeher in den Obergeschossen Wohnungen untergebracht – für den Betriebsleiter und die Mitarbeiter.

Zuletzt wohnte der frühere Eigentümer des Gebäudes in einer Wohnung, seitdem er gekündigt hat, standen die Räume leer. "Von meinen Angestellten hat niemand Interesse, hier einzuziehen", sagt Bernd Veeser. Auch für ihn selbst kommen die Räumlichkeiten nicht in Frage. Trotzdem hat er sich inzwischen dort zwei Zimmer eingerichtet, um der Stadtverwaltung das Argument zu nehmen, kein Betriebsangehöriger lebe in den Wohnungen. Aber auch damit möchte sich das Rathaus nicht zufrieden geben. Die Verwaltung hat ein Bußgeld von 1000 Euro angedroht, wenn die Studierenden nicht ausziehen. Der Vorschlag für den zusätzlichen Anbau wurde mit den gleichen Argumenten abgelehnt.

Die Stadtverwaltung habe in diesem Fall keinen Handlungsspielraum, lässt Baubürgermeister Martin Haag auf Anfrage der BZ mitteilen. Wohnungen könnten nun einmal nur dort genehmigt werden, wo die Bebauungspläne dies zuließen. Die Verwaltung selbst könne daran wenig ändern, die Entscheidung liege beim Gemeinderat. Generell habe das Rathaus das Thema Wohnungsnot aber ganz oben auf der Agenda und erarbeite gerade ein Papier, das sich umfassend mit der Problematik beschäftige.

Bernd Veeser glaubt indes, dass – mit ein bisschen gutem Willen – es durchaus möglich wäre, eine Ausnahme zu machen. Schließlich seien auch in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Gelände des Eisstadions Studentenwohnungen vorgesehen, falls die Halle nicht mehr saniert wird (die BZ berichtete). Dass die Stadtverwaltung mit zweierlei Maß misst, findet Bernd Veeser auch in einem anderen Punkt: In die zweite Gewerbeeinheit in seinem Haus wollte ein Zoogeschäft einziehen. Auch das hat die Stadtverwaltung abgelehnt – mit der Begründung, so genannter zentrenrelevanter Einzelhandel sei aufgrund des Märkte- und Zentrenkonzepts an dieser Stelle nicht erlaubt. Nur wenige hundert Meter entfernt, auf dem ehemaligen Brielmann-Areal, entsteht nun aber ein Zoogeschäft.

Autor: Jelka Louisa Beule